1420 Sozialhilfefälle verzeichnete die Stadt Luzern im Februar 2026. Das waren über 100 Fälle mehr als noch ein Jahr zuvor. Entsprechend haben die Sozialdienste alle Hände voll zu tun. Der Stadtrat schreibt: «Sozialarbeitende stehen unter konstantem Handlungsdruck, da sie innert kurzer Zeit tragfähige, koordinierte und oft interdisziplinäre Lösungen für vielschichtige Problemlagen erarbeiten müssen. Die hohe Komplexität der Fälle sowie die gestiegenen Anforderungen an Abklärungen, Dokumentation, Koordination und Kriseninterventionen belasten die Ressourcen nachhaltig.»
Aktuell muss eine Vollzeit angestellte Person 81 Sozialhilfe-Dossiers gleichzeitig betreuen. Das sind mehr als die 75 Dossiers pro Person, die die Stadt als Zielgrösse definiert hat. Um die Arbeitsbelastung der Mitarbeitenden zu senken, will der Stadtrat nun 2,4 neue Vollzeitstellen schaffen. Er beantragt dem Grossen Stadtrat dafür einen Sonderkredit von 3,2 Millionen Franken (Kosten für 10 Jahre) sowie einen Nachtragskredit von 160’000 Franken für das laufende Jahr.
Seit Sommer 2025 steigen die Fälle
Auslöser ist das sogenannte Ressourcen- und Controllinginstrument (RCI), das automatisch greift, wenn die Belastung über längere Zeit zu hoch ist. Gemäss Stadtrat liegt die Falllast schon seit Sommer 2025 deutlich über dem Zielwert. Die Voraussetzungen für eine Stellenaufstockung seien bereits seit Ende Januar 2026 erfüllt.
2025 deutlich mehr Kesb-Anträge
Auch beim Kindes- und Erwachsenenschutz (Kesb) sind die Zahlen deutlich steigend. Gemäss Jahresbericht 2025 der Stadt Luzern gab es im vergangenen Jahr 1718 neue Kesb-Anträge. Das ist ein Anstieg von fast 150 gegenüber dem Vorjahr.
Zunehmend ist auch der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund (38 Prozent der neuen Anträge) sowie von Senioren ab 75 Jahren (34 Prozent).
Wie die Stadt auf Anfrage schreibt, sind die Abklärungen im Bereich Migration besonders aufwendig, da es sich oft um kriegstraumatisierte Personen handle und jeweils Dolmetscher nötig sind.
Die Zunahme bei den Senioren sei auch damit zu erklären, dass man dank zusätzlicher Unterstützungsangebote näher an den Menschen sei und schwierige Situationen früher erkannt würden. Auch bei Kindern sei man heute sensibilisierter, was zu mehr Meldungen führe. (rk)
Als Gründe für die Zunahme nennt die Stadt mehrere Faktoren: Nachwirkungen der Flüchtlingswelle von 2015, deren Fälle nach 10 Jahren in die Zuständigkeit der Gemeinden fallen. Hinzu kommen mehr ausgesteuerte Personen, junge Erwachsene ohne abgeschlossene Ausbildung und sogenannte «Multiproblemlagen»: Probleme wie Wohnungsnot, prekäre Jobsituation, Krankheit und belastete Familiensituation treten immer häufiger gemeinsam auf. Das erhöht den Aufwand pro Dossier deutlich.
Schon 2023 musste die Stadt ausbauen
Mit der Aufstockung will der Stadtrat die Qualität der Fallführung sichern und die Mitarbeitenden entlasten. Die Sozialhilfe sei ein «zentrales Element des sozialen Netzes» und wirke stabilisierend – sowohl für Betroffene als auch für die Gesellschaft insgesamt. Es handelt sich dabei bereits um die zweite Stellenaufstockung seit 2023. Damals lag die Arbeitsbelastung mit 92 Dossiers pro Stelle noch deutlich höher als heute. Dank zusätzlicher Ressourcen konnte die Fallzahl vorübergehend auf 75 pro Stelle gesenkt werden, bevor sie ab Sommer 2025 wieder anstieg.



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