Das Hotel Sonnenberg auf dem gleichnamigen Krienser Hügel hat eine lange Geschichte: 1859 als Kurhaus eröffnet, später zum Grandhotel ausgebaut und nach langem Leerstand 1963 neu gebaut. Seit 20 Jahren ist das Hotel auch eine soziale Einrichtung. «Wir sind als Erstes eine Ausbildungsinstitution», sagt Ron Prêtre. Der Geschäftsleiter des Hotels hat 2006 den Verein «The Büez» mitbegründet. Rund 250 Personen werden jährlich über Sozialdienste, IV, RAV oder aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich angemeldet, im Schnitt bleiben sie drei Monate auf dem Sonnenberg.
Automatisch aufgenommen wird niemand. Nach der Zuweisung folgt ein Gespräch, gefragt sind Eignung und Eigenmotivation. Gearbeitet und gelernt wird im echten Betrieb: Küche, Service, Réception, Hauswirtschaft und Hausdienst. Die Ausbildungsangebote haben ein Ziel: Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.
Jeden Montag starten neue Mitarbeitende
Dabei ist der «Sonnenberg» selbst zur Referenz geworden. Ein Arbeitszeugnis aus einem Haus mit Michelin-Stern und 15 GaultMillau-Punkten fällt auf. Um dies zu ermöglichen, ist organisatorische Dauerakrobatik gefragt: Knapp 30 Fachpersonen bilden den festen Kern, dazu rund 60 Mitarbeitende in Ausbildung. «Jeden Montag starten drei bis fünf Personen», erklärt Prêtre. Wer ausbildet, erklärt vieles immer wieder und springt ein, wenn jemand fehlt.
Und dann liegt da auch die Pinzette bereit. Seit 2025 wird im Restaurant «Le Soir» auf Fine-Dining-Niveau gekocht. Als Ausflugsrestaurant ist der «Sonnenberg» wetterabhängig. Die Gourmetküche soll die Abende planbarer auslasten und das Ausbildungsspektrum erweitern. Der deutsche Küchenchef Luca Haase, früher im bekannten Basler «Cheval Blanc» als Sous-Chef tätig, hat dafür Feuer gefangen. Seine Küche mit klassischer Grundlage und japanischen sowie mediterranen Einflüssen holte die 15 GaultMillau-Punkte und den Michelin-Stern.
Am Mittag Klassiker, am Abend filigraner
Spitzenküche mit Personal, das teilweise noch Grundlagen lernt? «Wenn die Menschen wollen, und du zeigst, wie es geht, dann funktioniert das», sagt Prêtre. Aufgaben werden Schritt für Schritt angeleitet. Mittags gibt es Klassiker, abends wird es filigran. Das Siebengang-Menü kostet 178 Franken. Das Restaurant muss sich selbst tragen. Die Ausbildung der vermittelten Personen wird vom Kanton und von Sozialdiensten finanziert.
Dass ausgerechnet hier Sterne funkeln, hat viel mit Prêtre und seinem ungeraden Berufsweg zu tun. Der 44-Jährige wächst in Luzern und Flims auf, studiert Journalismus, arbeitet als TV-Produzent und bis 2011 für die SRF-Tagesschau, später absolviert er einen Executive MBA. 2006 gründet er mit Mitstreitern «The Büez». Dieser Verein übernimmt das Hotel Sonnenberg und macht daraus das Ausbildungs- und Integrationsprojekt. Heute führt der Verein Sonnenberg Betrieb und Ausbildung, die Genossenschaft Hotel Sonnenberg hält die Immobilie, die 2027 umfassend erneuert und ausgebaut werden soll.
Grosse Namen gleichzeitig am Kochen
Wie weit der Sonnenberg in 20 Jahren gekommen ist, lässt sich diesen Sonntag fast absurd schön abzählen: Insgesamt neun Michelin-Sterne und 119 GaultMillau-Punkte sind gleichzeitig am Kochen. Zum Jubiläum findet das Genussfestival «Sonne, Berg & Sterne» statt. Acht Chefs aus dem Netzwerk von Luca Haase kochen ihre Signatur-Gerichte, darunter die 17-Punkte-Köche Kevin Romes vom Münchner «Atelier», Stefan Jäckel aus Zürich, Björn Inniger aus Adelboden sowie Sushi-Meister Yusuke Sasaki und natürlich das Sonnenberg-Team. Kein steifes Gala-Dinner, sondern kulinarisches Herumstreunen von Stand zu Stand.
Gourmet-Festival am 13. September: www.sonnenberg.ch/sonne-berg-sterne






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