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Altdorf

So haben die Alpen das Volklied geprägt

Roman Walker stellt im Uristiersaal in Altdorf seine Forschungsarbeit und sein neues Buch vor.

In seinem neuen Buch «Die Alpen im Lied der Schweiz» zeigt der Urner Musiker und Autor Roman Walker auf, wie stark die Alpen die Entwicklung eines eigenständigen Schweizer Volksliedguts ermöglicht und geprägt haben. Für seine Neugierde sei einerseits seine Arbeit als Musiker, Sänger und Chorleiter ausschlaggebend. Zum anderen sei auch seine Herkunft bedeutend, wird er in einer Medienmitteilung des Hauses der Volksmusik zitiert. Roman Walker ist heute mit seiner Familie in Altdorf zuhause und sein Heimatort ist die Gemeinde Riederalp im Oberwallis. «In beiden Regionen wurde und wird viel gesungen», wird er in einer Mitteilung zitiert. «Dieser Umstand hat mein Interesse zusätzlich geweckt.»

Roman Walker: «Die breitenwirksame Glorifizierung der Alpenwelt ging ganz wesentlich von den Städtern aus.»
Bild: zvg

Mit Blick auf das heute etablierte Volksliedrepertoire zeigt sich, dass gar nicht die Einheimischen der Alpenregionen, sondern die Unterländer bedeutende Alpenlieder verfasst haben. «Lueget, vo Bärgen und Tal» zum Beispiel wurde von zwei Lehrern des Instituts Hofwyl vor den Toren der Stadt Bern komponiert und geschrieben. «Die breitenwirksame Glorifizierung der Alpenwelt ging ganz wesentlich von den Städtern aus», wird Walker zitiert.

Hallers Gedicht prägte die Alpen-Volkslieder

Die Initialzündung zur Überhöhung der Alpen erfolgte jedoch durch einen Schweizer Intellektuellen in lyrischer Form. Der Berner Theologe, Mediziner und Universalgelehrte Albrecht von Haller schrieb 1729 in seinen abendlichen Mussestunden das Gedicht «Die Alpen». Nach zwei ausgedehnten Bergwanderungen habe er vielseitige Eindrücke gesammelt und ein moralisches Alternativprogramm zur Dekadenz des Adels kreiert. Das Gedicht umfasst nicht weniger als 49 zehnzeilige Strophen. Im Zuge von Walkers Forschungsarbeit zeigte sich, dass nahezu alle alpin geprägten Volkslieder an das Gedicht «Die Alpen» anknüpfen können. Von Hallers Gedicht stellt in seinen zahlreichen Strophen jenen Alpenbilderhaushalt vor, der die Alpen-Volkslieder fortan prägen sollte.

Texte wurden häufig niedergeschrieben, Noten weniger. Die Weisen wurden nach Gehör übermittelt. Handkehrum gibt es gerade in der Schweiz unterschiedliche Texte, die zu ein und derselben Melodie gesungen werden – oder minimal modifiziert erklingen. Die inoffizielle Urner Hymne «Zogä-n am Bogä» beispielsweise wird im Berner Oberland unter dem ebenfalls bekannten «Vogellisi» gesungen. Volkslieder nehmen Bezug auf regionale Gepflogenheiten, sie entwickeln sich über Jahre und Distanzen hinweg weiter. Es gibt von einem Volkslied häufig eben nicht bloss eine einzelne Fassung, sondern ganz verschiedene Varianten.

Ohrwürmer, die die Zeit überdauern

Ein Volkslied kann auch heute noch entstehen, gibt sich Roman Walker überzeugt. Als Beispiel erwähnt er die Chansons von Mani Matter. Die haben bereits Volksliedcharakter; wer kennt den «Sidi Abdel Assar vo El Hama» nicht? Oder Polo Hofers «Alperose», die 2006 zum grössten Schweizer Hit aller Zeiten erkoren wurden. Aus der jüngeren Vergangenheit kommt Walker «Ewigi Liäbi» von Mash in den Sinn. «Das Liebeslied gibt es in den unterschiedlichsten Variationen und ich kann mir gut vorstellen, dass der Ohrwurm oder Gassenhauer auch in hundert Jahren noch da und dort erklingt», wird Walker zitiert.

Das Cover des Buchs «Die Alpen im Lied der Schweiz» von Roman Walker.
Bild: zvg

Das Buch «Die Alpen im Lied der Schweiz» von Roman Walker ist eine Co-Produktion mit dem Urner Institut Kulturen der Alpen und dem Haus der Volksmusik. Am Donnerstag, 9. April, um 20.15 Uhr präsentiert Roman Walker im Uristiersaal in Altdorf seine Forschungsarbeit und liest aus seinem neuen Buch. Das Haus der Volksmusik Altdorf als Veranstalterin lädt alle zu diesem Anlass ein. «Die Alpen im Lied der Schweiz» ist nach «Hanns In der Gand» (2023) Walkers zweites Buch bei Zytglogge. (zvg/MZ)

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