
(Luzern, 2. 1. 2026)
Die Silvesternacht ist im Kanton Luzern zwar vielerorts friedlich verlaufen, dennoch kam es vor dem Neubad in der Stadt Luzern zu schweren Ausschreitungen gegen die Polizei. Dabei wurden drei Polizistinnen und Polizisten verletzt.
Kurz nach Mitternacht, gegen 0.15 Uhr am Neujahrsmorgen, meldeten Anwohner beim Neubad, dass mehrere Personen mit Feuerwerk auf parkierte Autos und umliegende Gebäude schossen. Als eine Polizeipatrouille vor Ort eintraf und das Fahrzeug verliess, wurde sie unvermittelt mit Feuerwerk angegriffen. Zwei Polizisten wurden dabei direkt getroffen und verletzt, wie die Polizei in einer Mitteilung schreibt.
Weitere Einsatzkräfte versuchten anschliessend, die mutmassliche Täterschaft anzuhalten. Dabei wurden sie von zahlreichen Personen behindert, die Verdächtigen flüchteten ins Neubad. Während der Verfolgung wurden die Einsatzkräfte von Dritten tätlich angegangen und mit Gegenständen beworfen. Eine weitere Polizistin erlitt dabei Verletzungen. Die Polizei setzte Pfefferspray und Mehrzweckstöcke ein, die Täter konnten jedoch entkommen.
Polizei sucht Zeugen
Yanik Probst, Mediensprecher der Luzerner Polizei, sagt auf Anfrage, dass zeitweise rund ein Dutzend Personen direkt an den Angriffen beteiligt gewesen seien. Zudem habe sich eine grössere Personengruppe vor Ort aufgehalten, was den Einsatz zusätzlich erschwert habe.
Die Polizei bittet um Hinweise aus der Bevölkerung. Gesucht wird insbesondere eine Person im Alter von etwa 20 bis 30 Jahren, rund 180 bis 185 Zentimeter gross. Sie trug eine graue Lacoste-Mütze mit schwarzem Krokodil-Logo an der Seite sowie einen schwarz-weissen, in der Mitte geteilten Pullover. Hinweise nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 041 248 81 17 entgegen.
Neubad verurteilt Gewalt gegen Einsatzkräfte
Weil das Neubad offiziell Betriebsferien bis zum 12. Januar kommuniziert hatte, stellte sich die Frage, wie die Täter überhaupt ins Gebäude flüchten konnten. Silas Kreienbühl vom Vorstand des Netzwerkes Neubad teilt auf Anfrage mit, dass am 31. Dezember im Neubad entgegen den Betriebsferien eine öffentliche Silvesterparty stattgefunden hat. «Es handelte sich dabei um eine Co-Veranstaltung zwischen dem Neubad und zwei Luzerner Veranstaltungslabels», schreibt Kreienbühl. Dabei handelte es sich um eine House- und Hiphop-Party mit mehreren DJs und Live-Acts, die gemäss Veranstaltungshinweis bis in die frühen Morgenstunden geplant war.
Zum genauen Ablauf der Ereignisse und zu allfälligen beteiligten Personen äussert sich der Vorstand derzeit nicht. Diese Fragen seien Gegenstand laufender Abklärungen. Auch dazu, wie die mutmassliche Täterschaft konkret ins Neubad gelangte oder welche Vorgänge sich im Innern des Gebäudes abspielten, macht der Verein keine Angaben. Man kooperiere jedoch «vollumfänglich mit den zuständigen Behörden».
Auf detaillierte Fragen dieser Zeitung ging der Vorstand nicht weiter ein. Er hält jedoch fest: «Wir verurteilen jegliches rechtswidriges Verhalten sowie jede Form von Gewalt oder Angriffe gegen Einsatz- und Rettungskräfte ausdrücklich. Solches Verhalten wird in keiner Weise toleriert», schreibt Kreienbühl.
Zu den Verletzungen der Einsatzkräfte macht die Luzerner Polizei derzeit keine detaillierten Angaben. Die verletzten Polizistinnen und Polizisten seien medizinisch betreut worden, eine Person habe zur weiteren Abklärung ins Spital gebracht werden müssen. «Wie schwer die Verletzungen sind, ist aktuell noch unklar», sagt Probst.
Auch zum Tatmotiv könne die Polizei derzeit keine abschliessenden Aussagen machen. Ob es sich um eine gezielte Attacke auf die Einsatzkräfte gehandelt habe oder um eine Eskalation aus der Situation heraus, werde abgeklärt. Unbestritten ist jedoch, dass die Polizisten gezielt mit Feuerwerk beschossen wurden.
Unbekannte schiessen auch in Sursee Knallpetarden gegen Polizisten
Ein weiterer Vorfall mit Feuerwerk ereignete sich bereits am frühen Silvesterabend in Sursee. Kurz nach 20 Uhr wurden dort zwei Polizisten während einer Kontrolle von Jugendlichen mit Knallpetarden angegriffen. Verletzt wurde niemand. Ein 18-jähriger Schweizer, der die Petarden gezündet hatte, wurde festgenommen und bei der zuständigen Staatsanwaltschaft angezeigt.
43 Polizisten im Jahr 2024 im Einsatz verletzt
Schwere Gewalt gegen Einsatzkräfte käme glücklicherweise selten vor, sagt Mediensprecher Probst. Beschimpfungen, Bedrohungen oder auch das Anspucken gehörten jedoch zum Berufsalltag. Im Jahr 2024 registrierte die Luzerner Polizei 140 Fälle von Gewalt und Drohung gegen Beamte (2023: 145). 240 Polizistinnen und Polizisten wurden dabei geschädigt, 43 von ihnen erlitten im Einsatz Verletzungen.
Insgesamt verliefen die Silvesterfeierlichkeiten im Kanton Luzern laut Polizeiangaben mehrheitlich ruhig. Vereinzelt kam es zu kleineren Bränden durch nicht vollständig erloschenes Feuerwerk sowie zu Einsätzen wegen Unfugs und Sachbeschädigungen. Mehrere sich anbahnende Auseinandersetzungen konnten dank hoher Polizeipräsenz frühzeitig verhindert werden.







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