Wie auch schon 2024 konnte die Urner Raiffeisenbanken Schächental und Urnerland im vergangenen Jahr einen Gewinn erwirtschaften, wie ihrem Jahresabschluss zu entnehmen ist. Knapp 2,4 Millionen Franken waren es – und damit mehr als im Vorjahr. Beat Bütikofer, Vorsitzender der Bankleitung Raiffeisenbank Urnerland bilanziert: «Es war ein sehr gutes, wenn auch herausforderndes Jahr für uns.»
Zollstreit, Zinsen und Abschaffung des Eigenmietwerts
Damit spricht er unter anderem die rückläufigen Zinsen an, die es schwierig für die Bank gemacht hätten, ihre Liquidität gewinnbringend zu investieren. Auch die «Querelen um den Zollstreit» hätten ihren Teil beigetragen und gerade bei den Firmenkunden für Unsicherheit und Zurückhaltung bei den Investitionen gesorgt – die globalen Entwicklungen seien längst auch im Kanton Uri angekommen. «Man muss heute sehr überzeugt sein, um zu investieren – sei es bei Projekten oder bei Personalrekrutierungen», sagt Bütikofer.
Herausfordernd für die Raiffeisen ist auch die Abschaffung des Eigenmietwerts, die im Herbst 2025 beschlossen wurde. Dadurch müssen Eigentümerinnen und Eigentümer den Eigenmietwert ihrer selbst genutzten Erst- oder Zweitliegenschaft künftig nicht mehr versteuern. «Wir werden sehen, ob das zu mehr Amortisationen führen wird», sagt Bütikofer. Sollten Wohneigentümerinnen und Wohneigentümer ihre Hypotheken künftig vermehrt zurückzahlen, könnte dies das Hypothekarvolumen und damit auch die Zinserträge der Bank schmälern. Trotz aller Bedenken ein Problem von morgen. Umgesetzt wird die Reform frühestens 2028.
Die aussagekräftigsten Zahlen
Wie in ihrem Jahresabschluss üblich, führt die Raiffeisen eine Vielzahl an Zahlen auf. So haben sich unter anderem die Kundenausleihungen um rund 78 Millionen Franken erhöht, die Depotvolumen haben um 53 Millionen Franken zugenommen und der Jahresgewinn liegt, wie schon erwähnt, bei 2,4 Millionen Franken. Laut Bütikofer sind zwei Zahlen jedoch besonders aussagekräftig: der Zuwachs von 354 Kundinnen und Kunden sowie neu anvertraute Kundengelder von 95,25 Millionen Franken. «Da sind wir stolz drauf, denn das mussten wir uns erarbeiten.»
Den «schönen Zulauf an» Kundinnen und Kunden, wie Bütikofer ihn nennt, erklärt er sich unter anderem an den «Bereinigungen in der Grossbankenszene», namentlich durch den Kollaps der Credit Suisse, der den Urner Raiffeisenbanken neue Kundschaft zugespielt habe. Wichtiger seien aber andere Faktoren, wie die Konstanz und die langjährige Verankerung in der Region. «Werte, die mittlerweile mehr gesucht werden.» Die Bank habe viele langjährige Mitarbeiter, die gute Beziehung zur Kundschaft pflegen. Das zahle sich aus. Denn ihr Geschäft sei ein «Vertrauensgeschäft».
Die Konkurrenz im Internet
Bütikofer ist sich sicher, dass Faktoren wie Vertrauen und Konstanz auch in Zeiten zunehmender Popularität von Internetbanken die Attraktivität lokal verwurzelter Finanzinstitute garantiere. Gerade was grössere Geldgeschäfte von Privatkunden, wie einen Hauskauf oder die Auszahlung der Pensionskasse anbelangt, werde das Angebot, sich vor Ort beraten zu lassen, noch immer geschätzt. Auch die Erreichbarkeit sei ein wichtiger Faktor. «Man kann uns immer anrufen und vorbeikommen.» Sinngemäss kostet das mehr als der Service einer Internetbank, die keinen Standort und geringere Personalkosten hat.
Dennoch müsse man sich den Geschäftsmodellen der «Neo-Banken» anpassen: «Wir müssen uns auf den elektronischen Kanälen weiterentwickeln, um bei den Jüngeren dranzubleiben.»
Ausblick aufs kommende Jahr
Mit Blick auf das neue Geschäftsjahr zeigt sich Bütikofer optimistisch, er geht von einem erneuten Wirtschaftswachstum aus – solange die Weltlage von geopolitischen «Unsicherheiten» verschont bleibe. Was die Zinsen angeht, hofft er auf eine Stabilisierung: «Wir hätten wenig Freude daran, wieder in ein Minuszinsregime zu fallen.» Ziel sei es, weiterhin qualitativ zu wachsen. Heisst: durch gute Beratung eine langfristige Kundenbindung zu erreichen und neue Kundengelder zu gewinnen. Aber wirft Bütikofer ein, nicht durch «Lockvogelangebote», sondern durch «seriöse Arbeit».





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