
Dass Linke und Bürgerliche leidenschaftlich streiten, ist nicht neu - erst recht nicht in der Stadt Luzern. Doch dieses Mal haben die Linken direkt ins Mark des bürgerlichen Selbstverständnisses gezielt: Mittels Motion wollten sie die Zünfte aus den Museggtürmen werfen.
SP: «Nicht mit Grundwerten vereinbar»
Worum geht es? Seit hundert Jahren hat die Zunft zu Safran ihr Zunftlokal im Nölliturm, die Weyzunft ist seit 1979 im Pulverturm. Doch die beiden Zünfte haben aus Sicht der SP ein Problem: In ihren Statuten steht nämlich, dass nur männliche Schweizer Mitglied werden dürfen. «Das ist nicht mit den Grundwerten der Stadt vereinbar», sagte Regula Müller (SP). Die Stadt als Besitzerin der Museggtürme solle solchen «diskriminierenden» Vereinen keine Räume mehr vermieten, so die Forderung aus der SP-Motion. Dass die Zünfte schon so lange die Türme nutzen dürfen, sei «nicht einfach Tradition, sondern eine dauerhafte Privilegierung», ärgert sich Müller. «Wer öffentliche Räume nutzt, muss sich auch an öffentliche Werte halten.»
Benji Gross (SP) sagte an die Adresse der Zünfte: «Männer sichern ihre Privilegien mit Männerbünden.» Und doppelte nach: «Man stelle sich vor, das Kriterium für eine Mitgliedschaft wäre nicht das Geschlecht, sondern die Hautfarbe. Das wäre offen rassistisch.» Aber Frauen auszuschliessen, sei für die Zünfte offenbar kein Problem.
GLP: «Ehrenamtliches Engagement mit linken Füssen traktiert»
Doch mit ihrer Forderung stand die SP auf verlorenem Posten. Nicht einmal die Grünen standen geschlossen hinter der Motion. Und die Bürgerlichen – viele von ihnen selbst aktive Mitglieder in den kritisierten Zünften – liessen erst recht kein gutes Haar daran. In einem flammenden Plädoyer torpedierte Daniel Lütolf (GLP) die Ideen aus der SP-Ecke: «Ehrenamtliches Engagement wird hier mit linken Füssen traktiert.» Die Zünfte setzten sich mit «enorm viel Geld und Herzblut» für soziale Projekte ein und seien die Stütze der Luzerner Fasnacht. «Ich möchte mich bei allen Zünften dafür entschuldigen, dass wir uns mit der Frage beschäftigen, ob ihr Engagement noch erwünscht ist. Die richtige Antwort darauf wäre viel eher: ‹Danke›.» Und Lütolf warnte: «Wenn Ideologie wichtiger wird als Engagement, verliert am Ende die ganze Stadt.»

Mike Hauser (FDP) sagte: «Gleichstellung erreicht man nicht, indem man Vereine sanktioniert, sondern indem man Freiheit schützt.» Er wies zudem darauf hin, dass die von der SP geforderte Vermietungskriterien keineswegs nur Zünfte betreffen würden, sondern alle anderen Vereine, die nach Geschlechtern getrennt sind – also auch Männerchöre und Frauenvereine. Hauser warnte vor einer «staatlichen Gesinnungsprüfung des Vereinslebens».
SVP: «Ein Affront sondergleichen»
Kurt Zibung (SVP) rief in Erinnerung, dass die Zünfte nicht nur passive Mieterinnen sind, sondern aktiv zum Erhalt der Museggtürme beitragen. So habe die Wey-Zunft viel eigenes Geld in die Sanierung des Pulverturms gesteckt. «Ihr Diskriminierung vorzuwerfen, ist ein Affront sondergleichen», so Zibung.
Adrian Häfliger (Grüne) betonte, dass die Wertvorstellungen der Zünfte nicht diejenigen der Grünen seien. Dennoch habe seine Fraktion keine einheitliche Meinung zur SP-Motion. Häfliger plädierte für etwas mehr Gelassenheit: «Es würde ja nichts verboten, sondern eine spezifische Förderung würde an Bedingungen geknüpft.» Doch genau das wäre einfacher gesagt als getan, fand der Stadtrat, der die Motion auch deshalb ablehnte, weil er die Umsetzung als schwierig betrachtet.
Züsli: Es drohen neue Diskriminierungen
Stadtpräsident Beat Züsli (SP) sagte: «Es gilt zu akzeptieren, dass Organisationen bei der Ausgestaltung der Mitgliedschaft viel Autonomie haben.» Würde man die Raumvermietung an Mitgliedschafts-Kriterien knüpfen, würden sich «viele Abgrenzungsfragen» stellen, so Züsli: Denn die Frage, was «diskriminierungsfrei» genau bedeutet, wäre wohl schwierig zu beantworten. Und nicht nur dies: «Es besteht die Gefahr, dass bei diesen Abgrenzungen einfach neue Diskriminierungen geschaffen würden», so Züsli.



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