Luzern

Stadtrat will Notschlafstellen für Jugendliche und Frauen prüfen – aber nicht im Alleingang

Wirtschaftlich und nachhaltig sei nur eine kantonale oder sogar zentralschweizerische Lösung, schreibt Luzerns Stadtrat zu Vorstössen.

Gewalt, familiäre Konflikte, psychische Krisen – es gibt verschiedene Gründe, weswegen Jugendliche kurzfristig einen alternativen Platz zum Schlafen benötigen. Zwar bestehen in der Stadt Luzern bereits Angebote wie die Notaufnahme in der Kinder- und Jugendsiedlung Utenberg. Jedoch hat diese nur begrenzt Kapazität und der Zugang ist an formale Abklärungen gebunden. Die Notschlafstelle am Neuweg wiederum richtet sich an volljährige Personen. Deshalb fordern SP/Juso und Grüne/Junge Grüne vom Stadtrat die Prüfung einer Notschlafstelle für Jugendliche.

Blick in die Notschlafstelle am Neuweg.
Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 21. 5. 2025)

Der Stadtrat findet das eine gute Idee und beantragt dem Parlament, das Postulat erheblich zu erklären. Abklärungen zeigten, dass es für Jugendliche «mit kurzfristigem, ungeplantem Übernachtungsbedarf» trotz bestehender Angebote Versorgungslücken gebe, schreibt er in seiner Stellungnahme zum Vorstoss. Als Vorbilder nennt der Stadtrat die Jugend-Schlafstellen in Zürich (seit 2007) und Bern (seit 2022). Letztere verzeichnete im ersten Betriebsjahr über 2200 Übernachtungen – durchschnittlich mehr als sechs pro Nacht.

Offen sind verschiedene rechtliche und organisatorische Fragen. So müssen unter anderem Aufsichtspflichten, die Information der Eltern, der Einbezug der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) sowie Schutzkonzepte geklärt werden.

Kapazitäten mehrfach ausgeschöpft

In einem weiteren Vorstoss fordern die Fraktionen SP/Juso, Grüne/Junge Grüne, Mitte und GLP sowie Vertretende der FDP die Schaffung einer Frauen-Notschlafstelle. Sie begründen dies mit der besonderen Gefährdung obdachloser Frauen, die überdurchschnittlich häufig von Gewalt, Missbrauch und sexuellen Übergriffen betroffen sind.

Der Stadtrat unterstützt auch dieses Anliegen grundsätzlich, möchte die Forderung aber zunächst vertieft prüfen. Er beantragt dem Grossen Stadtrat deshalb, die Motion in ein Postulat umzuwandeln und erheblich zu erklären.

Zwar gibt es für Frauen in Notlagen Einrichtungen wie etwa das Frauenhaus oder die 18-plätzige Notschlafstelle am Neuweg mit zwei abschliessbaren Zimmern für Frauen. Doch in seiner Stellungnahme räumt der Stadtrat ein, dass die Kapazitäten Letzterer in den vergangenen zwei Jahren mehrfach ausgeschöpft waren und vereinzelt Personen abgewiesen werden mussten. Nach Einschätzung des Stadtrats gibt es zudem Frauen, die eine gemischtgeschlechtliche Notschlafstelle bewusst meiden. Wie gross diese Gruppe tatsächlich ist, soll nun untersucht werden.

Gemeinsamer Standort für zwei neue Angebote?

Sowohl für die Frauen- als auch die Jugendlichen-Notschlafstelle schätzt der Stadtrat nach Rückfragen bei Fachstellen die Zahl der aus der Stadt Luzern stammenden Nutzenden als eher klein ein. Darum schreibt er: «Ein rein städtisches Angebot wäre weder wirtschaftlich noch nachhaltig.» Stattdessen soll geprüft werden, ob ein Angebot auf kantonaler oder sogar Zentralschweizer Ebene Sinn macht – mit «fairer Kostenverteilung». Konkrete Kosten liessen sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht beziffern.

Die Abklärungen sollen im Rahmen der kantonalen Strategie «Umgang mit Crack» vorgenommen werden. Dabei soll insbesondere untersucht werden, wie gross der Bedarf bei den verschiedenen Zielgruppen ist und ob sich eine Frauen-Notschlafstelle mit der ebenfalls geforderten Jugend-Notschlafstelle an einem gemeinsamen Standort realisieren liesse. Sowohl die Bedarfsanalyse als auch die spätere Umsetzung müsse gemeinsam mit dem Kanton erfolgen, hält der Stadtrat in seinen Stellungnahmen fest.

Übergangswohnungen für Opfer häuslicher Gewalt

Schliesslich will der Stadtrat noch ein drittes Anliegen prüfen: Frauen und Kinder, die vor häuslicher Gewalt flüchten, sollen nach einem Aufenthalt im Frauenhaus künftig eine Anschlusslösung finden in speziellen Übergangswohnungen inklusive begleitender Beratung. Er beantragt dem Grossen Stadtrat, ein entsprechendes Postulat von SP/Juso und Grünen/Jungen Grünen teilweise erheblich zu erklären. Auch hier knüpft der Stadtrat die Prüfung an eine kantonale und nicht rein städtische Lösung. Als Vorbilder dienen Projekte in Bern und St. Gallen. (hor)

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