Letzthin ist mir das Portemonnaie abhandengekommen. Ärgerlich, ja. Immerhin war kein grosser Geldbetrag drin. Wohl noch ärgerlicher ist aber, dass man alles neu organisieren muss, was sich sonst noch in einem Portemonnaie befinden kann. Verschiedene Kärtchen für dieses und jenes: ID, Fahrausweis, Bank, Versicherung, ÖV-Abonnement und was man noch darin verstaut.
Ich bin mir bewusst geworden, dass ich ein Dinosaurier bin, wenn es um Digitalisierung geht. Viele Karten gibt es schliesslich digital, alles ist vereint auf dem Smartphone. Da bin ich heikel. Die Daten sollen nicht in falsche Hände gelangen. Bezahlen geht ebenfalls per Telefon. Ich mag Bargeld lieber. Zugegeben, manchmal nervt es mich auch, wenn der Geldbeutel vor lauter Münz fast zum Geldsack wird. Beim ÖV-Abo bin ich hingegen ganz modern. Swisspass auf dem Smartphone.

Muss man sich neue Kärtchen organisieren, eröffnet sich ein weites Feld unterschiedlicher Digitalisierungsgrade. Bankkarten und ÖV-Abo beispielsweise lassen sich online ersetzen, entsprechende Konti sind natürlich Voraussetzung. Mit dem einen oder anderen Telefonat ist das schnell geregelt. Das geht auch bei der Krankenversicherung und bei der Jahreskarte für den Tierpark. Auch der Fototermin für eine neue ID ist beim Passbüro rasch gebucht.
Anders ist das beim Strassenverkehrsamt. Digitalisierung ist von dort wohl noch weiter entfernt als von mir. Benötigt wird ein ausgedrucktes und ausgefülltes Formular. Ebenfalls verlangt wird eine Kopie der ID oder des Passes. Und: ein aktuelles Passfoto. Format ca. 35x45 Millimeter. In Grossbuchstaben steht es auf dem Formular: «KEIN PC-Foto.»
Ich musste mir noch einen Leimstift kaufen, in einem Passfotoautomaten war ich auch schon lange nicht mehr. Ich staune über den Preis: 15 Franken für sechs Fotos. Bilder, von denen ich wohl nur eines benötige. In mir macht sich Unmut breit. Sieht man den Fotos wohl auch an. Ich lasse das als den «neutralen Gesichtsausdruck» durchgehen, der in den Fotoanforderungen steht.
Im Nachhinein freue ich mich, dass ich nicht sechs «normale» Passfotos habe drucken lassen. Ich entschied mich für vier Passfotos und zwei «Fun Fotos» im Pop-Art-Stil, auch wenn diese «nicht für offizielle Ausweisdokumente geeignet sind». Keine Ahnung, was ich damit anfangen soll, aber irgendwie bringt's mich zum Lachen. Immerhin etwas Positives am Verlust des Portemonnaies.


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