Neues Pilotprojekt

Stadt Luzern will Gesundheits- und soziale Hilfe besser vernetzen

Mit dem «Gesundheitswegweiser Luzern» sollen Menschen mit komplexen gesundheitlichen und sozialen Belastungen gezielter unterstützt werden. Das Pilotprojekt läuft bis 2029 und startet zunächst über die Hausarztpraxen von MediX.

Die Stadt Luzern will medizinische und soziale Unterstützung enger miteinander verbinden. Gemeinsam mit den Hausarztpraxen von MediX Luzern und verschiedenen Organisationen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich startet sie dazu das Pilotprojekt «Gesundheitswegweiser Luzern». Dieses läuft bis 2029 und richtet sich an Menschen, bei denen neben körperlichen Beschwerden auch psychische oder soziale Belastungen eine Rolle spielen.

Das Projekt besteht aus drei «Bausteinen», wie die Stadt mitteilt. Erstens wird eine zentrale Koordinationsstelle aufgebaut, welche die beteiligten Organisationen miteinander vernetzt und die Versorgung abstimmt. Zweitens begleiten sogenannte «Link Worker» Betroffene persönlich durch das Gesundheits- und Sozialsystem und vermitteln sie bei Bedarf an passende Angebote. Drittens soll ein breites Netzwerk aus medizinischen und sozialen Organisationen entstehen, das diese Angebote institutionsübergreifend verbindet. Der Einstieg erfolgt zunächst über die Hausarztpraxen von MediX. Laut Melanie Setz (SP), Sozial- und Sicherheitsdirektorin der Stadt Luzern, können sich Betroffene grundsätzlich auch direkt an den Gesundheitswegweiser wenden.

«Link Worker» sollen koordinieren

Wie dieser Prozess konkret abläuft, erklärt Projektleiter Cornel Schiess an einem Beispiel: Jemand sucht wegen eines körperlichen Symptoms eine Hausarztpraxis auf. Im Gespräch zeigt sich, dass zusätzlich eine psychosoziale Belastung besteht – etwa finanzielle Sorgen oder Probleme am Arbeitsplatz. Die Praxis kann die Person daraufhin an die Koordinationsstelle des Gesundheitswegweisers vermitteln. Dort übernimmt ein «Link Worker» und klärt genauer ab, welche Belastungen und Bedürfnisse bestehen.

Anschliessend werden gemeinsam Ziele festgelegt und passende Angebote gesucht. Bei finanziellen Problemen könnte das beispielsweise eine Finanz- oder Schuldenberatung sein. Der «Link Worker» soll aber nicht bloss eine Adresse vermitteln: Er koordiniert die verschiedenen Angebote und verfolgt, ob diese genutzt werden und etwas bewirken. Am Ende erhält die Hausarztpraxis eine Rückmeldung. «So entsteht eine kontinuierliche Begleitung durch die verlässliche Zusammenarbeit der beteiligten Fachpersonen», so Schiess.

Das Modell soll auch Hausärztinnen und Hausärzte entlasten, indem es ihnen ermöglicht, sich auf ihre medizinischen Kernaufgaben zu fokussieren, so Melanie Setz. Hausärztinnen und Hausärzte seien häufig mit sozialen Problemen ihrer Patientinnen und Patienten konfrontiert. Deren Bearbeitung brauche jedoch Zeit und spezifische Kompetenzen, die in einer Praxis häufig fehlen. Zugleich verfolgt die Stadt einen breiteren Ansatz. «Mit diesem Projekt verankern wir ein ganzheitliches Verständnis von Gesundheit – körperlich, psychisch und sozial», sagt Setz. «So rücken wir in der Gesundheitsversorgung näher an die tatsächliche Lebenswelt der Menschen heran und nehmen sie darin ernst.»

Zum Projekt gehören neben MediX unter anderem die Spitex Stadt Luzern und das Luzerner Kantonsspital. In einer Mitwirkungsgruppe sind zudem etwa Akzent Prävention und Suchttherapie, Pro Senectute, Steinhof Luzern und Viva Luzern vertreten. Das Netzwerk soll noch deutlich breiter werden und im Verlauf des Projekts weiter wachsen.

Ausweitung nach Pilotphase möglich

Finanziert wird das Projekt von der Stadt Luzern und MediX, hinzu kommt ein Beitrag aus dem kantonalen Förderprogramm «Integrierte Gesundheitsversorgung». Wie viele Personen den Gesundheitswegweiser nutzen sollen, ist noch offen. Wie gross der Bedarf tatsächlich ist, gehört damit ebenfalls zu den Fragen, die das Pilotprojekt beantworten soll.

Bei der Auswertung des Projekts sollen laut Schiess unter anderem das gesundheitliche Wohlbefinden, die soziale Teilhabe und die Gesundheitskompetenz der Betroffenen untersucht werden. Gleichzeitig will man wissen, ob Hausärztinnen und Hausärzte entlastet und die vorhandenen Ressourcen effizienter eingesetzt werden können. Bewährt sich das Modell, soll es nach 2029 weitergeführt werden. Denkbar ist laut Setz auch eine Ausweitung auf weitere Praxen und Gemeinden.

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