Öffentlicher Raum

Wenig Bänkli in der Altstadt und solche mit Spezialfunktion: So sitzt es sich in der Stadt Luzern

Wie viele Sitzgelegenheiten gibt es eigentlich in der Stadt Luzern? Wir haben die Daten angeschaut – und Lücken entdeckt.

1576: So viele öffentliche Sitzbänke befinden sich zurzeit in der Stadt Luzern. Für je 55 Einwohnerinnen und Einwohner steht also ungefähr eine Bank bereit. Diese «Bänklidichte» ist ziemlich anständig. Zum Vergleich: In der Stadt Zürich müssen sich etwa 64 Personen je eine Sitzbank teilen, in Bern sind es circa 52. Wichtig ist, dass die Zahlen die Bänke in den Stadtwäldern nicht einschliessen. Die Stadt Luzern ist für diese nicht zuständig – die entsprechenden Bänke tauchen also nicht in den Datensätzen auf. Nicht erfasst sind zudem Sitzgelegenheiten, die von Privaten zur Verfügung gestellt werden.

Wer den Sitzbank-Datensatz der Stadt Luzern genauer studiert, dem fallen diverse Eigentümlichkeiten auf. In der Altstadt etwa machen sich die Bänkli vergleichsweise rar. «Es ist nicht ganz einfach, in der Stadt Bänke aufzustellen», schreibt Fritz Bächle, der stellvertretende Leiter von Stadtgrün. Denn in einer Stadt fänden nicht nur zahlreiche Anlässe statt, auch Durchfahrten müssten gewährleistet sein. Abhilfe schaffen seit diesem Sommer die «City Lounges». Sie bieten mobile Sitzgelegenheiten, die bei Veranstaltungen verschoben oder abgebaut werden können.

Stadt will «Übermöblierung» vermeiden

Beim Mühlenplatz und Rathausquai stehen auffällig wenige Bänke. Verdrängt dort die Gastronomie öffentliche Sitzgelegenheiten? Bächle verneint. «Aber wir stellen keine Sitzbänke auf, wo sie fast exklusiv für die Gastronomie zur Verfügung stünden.» Eine grosse Ballung an Bänken besteht naturgemäss am Schweizerhof-, National- und Carl-Spitteler-Quai. In der Tourismus-Hochsaison fehlt es aber selbst hier an Sitzgelegenheiten. Ein Ausbau ist aus Sicht von Bächle dennoch nicht nötig. «Es sind ausreichend Bänke vorhanden, bei schönem Wetter gäbe es sowieso immer zu wenig Sitzbänke. Eine Übermöblierung des öffentlichen Raumes wollen wir vermeiden.»

Daten dazu, wie häufig einzelne Bänke genutzt werden, erhebt die Stadt nicht. Dennoch sei auch schon vorgekommen, dass Bänke wegen zu geringer Nutzung abgebaut wurden. Genaue Orte kann Bächle nicht mehr benennen. Tendenziell steige die Zahl der Sitzbänke in der Stadt Luzern allerdings.

Es gibt zwei Szenarien, aus denen neue Bänke hervorgehen. Einerseits können Bänke ausdrücklich Teil eines Bauprojekts sein, wie das unlängst bei der Umgestaltung der Bahnhofstrasse der Fall war. Andererseits können Sitzbänke durch externe Anfragen zustande kommen. Dann führt die Stadt Luzern eine Prüfung des Anliegens durch. Es werden Fragen relevant wie: Sind am Ort bereits ausreichend Bänke vorhanden? Gibt es genügend Platz? Oder: Handelt es sich um Einzelanliegen oder um einen Wunsch aus dem entsprechenden Quartier?

Laut Fritz Bächle erhält die Stadt regelmässig Vorschläge von Quartiervereinen und Privatpersonen. Und im Webportal «dialogluzern.ch» weise die Bevölkerung immer wieder auf defekte Bänke hin. In den Unterhalt der Sitzbänke investiert die Stadt Luzern auch einiges: In den vergangenen Jahren kostete dieser jährlich etwa 75'000 Franken. Das sind knapp 48 Franken pro Sitzbank.

Diverse Bänkli erfüllen Spezialfunktionen

Die Luzerner Bänkli folgen übrigens einem Farbcode. Sind ihre Latten grün, stehen sie in Parkanlagen oder auf Spielplätzen. Rote Bänke stehen auf Plätzen, an Strassen oder Wanderwegen. Blaue Bänke befinden sich an Bushaltestellen. Dann gibt es auch noch Spezialbänke wie die 30 grünen «Plauderbänkli», die 2021 geschaffen wurden. Sie sollen Menschen verschiedener Altersgruppen dazu motivieren, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Hinzu kommen zwei «Sitzbänke für alle» im Bereich des SGV-Stegs 1 und beim Nationalquai. Installiert wurden sie mit Unterstützung der Stiftung Cerebral. Diese Bänke weisen höhere Sitzflächen und Armlehnen auf, was Menschen mit motorischen Einschränkungen das Absitzen und Aufstehen erleichtert.

Die neueste Innovation in Sachen Sitzbänkli stellen übrigens zwei Bänke mit dem Namen «Ich. Du. Wir.» dar. Sie stehen im Helvetia- und im Vögeligärtli. Mit ihren Lehnen auf verschiedenen Seiten erlauben sie es, dass sich Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner bequemer anschauen können. Die Idee dafür stammt vom Quartierverein Hirschmatt-Neustadt. Laut Bächle sind im Moment keine weiteren Spezialbänke geplant. «Wir sind offen für Anliegen seitens der Quartiere oder von Verbänden und Stiftungen, müssen diese aber immer erst prüfen», hält er fest.

Auch in der Schweiz sorgt die Anwendung von «feindlicher Architektur» hin und wieder für Diskussionen. Bei Sitzbänken bedeutet das, dass sie so unbequem oder schief gestaltet werden, dass Obdachlose nicht darauf schlafen können. Hier gibt Fritz Bächle Entwarnung. Er hält fest, dass nichts Dergleichen geplant oder vorgesehen sei. «Mir ist nur die Tribschenstadt bekannt, wo bei den Betonbänken nachträglich Metallscheiben montiert wurden, um das Skaten zu verhindern.»

Wie zufrieden sind Sie mit den Sitzbänkli in der Stadt Luzern? Teilen Sie in der Kommentarspalte Ihre Meinung mit uns.

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Kommentare (0)