Fussball

Neue Leitlinien: Dürfen die Covid-Schummler Embolo und Xhaka nun wieder für die Nati spielen?

Haben Spieler, die von einem Gericht verurteilt werden, noch eine Zukunft im Nationalteam? Dieser Frage stellte sich der Schweizerische Fussballverband im Nachgang der Covid-Affären von Captain Xhaka und Stürmer Embolo.

War der hochdramatische WM-Viertelfinal gegen Argentinien ihre Dernière? War Granit Xhakas Handschlag vor dem Spiel mit Lionel Messi sein letzter als Nati-Captain? Bleibt von Breel Embolo die Schwalbe und der Platzverweis als letzer Eindruck in Erinnerung? Vielleicht etwas gar schwarz gemalt. Aber ein Nati-Ausschlusss der beiden Platzhirsche war in den letzten Wochen kein abwegiges Szenario.

Es war ja auch einiges vorgefallen im September. Erst geriet Granit Xhaka bei Ermittlungen gegen eine Hausärztin wegen gefälschter Covid-Impfzertifikate in den Fokus der Staatsanwaltschaft Luzern. Später gestand er, ein solches erworben zu haben. Wofür? Um mit seinem früheren Arbeitgeber Arsenal in die USA zur Saisonvorbereitung reisen zu können.

Und Embolo? Fast gleichzeitig zum Fall Xhaka machte «Schweiz heute» publik, dass er für den Kauf gefälschter Covid-Zertifikate bereits zu einer Busse verurteilt worden ist. Als Konsequenz wurden die beiden für vier Nations-League-Spiele aus dem Kader gestrichen. Notabene nicht auf Trainer Murat Yakins Initiative hin.

Xhaka meldete Anfang Oktober auf seinem Instagram-Kanal, dass er von der Luzerner Staatsanwaltschaft zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 3000 Franken verurteilt worden sei – also insgesamt 150'000 Franken. Und weiter: «Ich akzeptiere den Entscheid und übernehme die Verantwortung.»

SFV-Präsident Knäbel kündigt neue Leitlinien an

Der Schweizer Fussballverband (SFV) kommuniziert daraufhin: «Es ist gut, dass die Angelegenheit juristisch abgeschlossen ist.» Schwamm drüber? Nein. Der SFV konnte nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Allein, weil Präsident Peter Knäbel am 26. September unmittelbar vor dem ersten Spiel ohne Xhaka und Embolo in Nordmazedonien angekündigt hatte: «Es ist absolut notwendig, dass wir Leitlinien erstellen. Es geht darum, zu klären: Wann ist es zu hart? Wann ist es zu weich? Wann ist das Fass voll?»

Es war zu diesem Zeitpunkt offen, ob die beiden Teamstützen je wieder für die Nati auflaufen werden. Denn Knäbel sagte auch: «Jede Verurteilung ist nicht zu unterschätzen.» Unterdessen hat der SFV die Fälle aufgearbeitet und Leitlinien formuliert. Sowohl Xhaka als auch Embolo steht die Türe zur Nati weiterhin offen.

«Der SFV hat die beiden Fälle umfassend geprüft und ist zum Schluss gekommen, dass die Rückkehr der Spieler nach Abschluss der juristischen Verfahren und unter Berücksichtigung der sportlichen Konsequenzen (vier verpasste Länderspiele im September und Oktober) vertretbar ist», kommunizierte der Verband am Dienstag um 16 Uhr.

Das sind vor allem für Murat Yakin gute Nachrichten. Vielleicht dachten zwar einige, es ginge nach zuletzt vier Siegen in Serie - in Abwesenheit von Xhaka und Embolo - auch ohne die beiden. Der Nati-Coach gehört sicher nicht dazu. Yakin machte nie einen Hehl daraus, jederzeit auf die besten Spieler mit Schweizer Pass zurückgreifen zu wollen. Ausserdem: Yakin hat mit dem Spielerrat einstimmig entschieden, dass Xhaka weiterhin die Captainbinde tragen wird.

Bleiben bei Embolo negative Gefühle hängen?

Die Leitlinien, die man am Dienstag präsentierte, sind also kein Hindernis mehr. Die Nati-Tür ist für Xhaka und Embolo wieder offen. Ob sie hindurchgehen, ist ihre Entscheidung. Wobei berücksichtigt werden muss, was auch Knäbel vor dem Bann schon klar war: Gleiche Konsequenz in zwei unterschiedlichen Fällen. Wobei jener von Embolo ein Stück weit weniger gravierend und ja auch schon abgeschlossen war. Ob deswegen beim Stürmer negative Gefühle hängen bleiben?

Mit den Leitlinien vor will der Verband verbindliche Grundlagen schaffen, um justisch relevante Situationen künftig nach klaren, transparenten und nachvollziehbaren Kriterien beurteilen zu können. «Wichtig ist, dass basierend auf diesen Leitlinien jeder Fall einzeln beurteilt wird und dass die betroffenen Personen vom SFV auch begleitet und bei Bedarf geschützt werden», sagt Peter Knäbel.

+++Update folgt+++

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