
Die Schweizer Fussballnationalmannschaft tänzelte in den letzten Wochen problemlos durch die Nations League. Vier Spiele, vier Siege, nur ein Gegentor.
Derweil hatte Granit Xhaka einen schwierigeren Gang vor sich. Wenige Tage vor dem ersten Zusammenzug der Schweizer Nati seit der Weltmeisterschaft wurde publik, dass der Captain sich ein Impfzertifikat beschafft hatte, weil er sich nie gegen das Coronavirus hat impfen lassen. Xhaka gab seinen Fehler zu, kündigte an, Verantwortung zu übernehmen, und sagte in dieser Woche vor der Staatsanwaltschaft Luzern aus.
Diese hat nun ihr Urteil gefällt, wie Xhaka via Instagram am Donnerstag selbst meldet: Er ist zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 3000 Franken verurteilt worden – also insgesamt 150'000 Franken. Sollte sich der kürzlich 34 Jahre alt gewordene Xhaka in den nächsten zwei Jahren jedoch nicht erneut straffällig verhalten, wird die Strafe nicht vollzogen.
Ausserdem muss Xhaka die Verfahrenskosten bezahlen. Dies habe er aber bereits getan, wie er in seinem Beitrag schreibt. Dort hält er ausserdem fest: «Ich akzeptiere den Entscheid und übernehme die Verantwortung.» Das bedeutet, dass Xhaka das Urteil nicht weiterziehen wird.

Auch der Schweizer Fussballverband (SFV) äussert sich zum juristischen Ende der Causa Xhaka: «Wir haben Kenntnis vom Entscheid der Staatsanwaltschaft. Es ist gut, dass die Angelegenheit juristisch abgeschlossen ist. Basierend darauf können wir nun die angekündigten Gespräche führen, wie wir die Zukunft gemeinsam gestalten werden.»
Juristisch ist der Fall damit abgeschlossen, für den SFV ist die Aufarbeitung aber noch nicht beendet. Nachdem zunächst Granit Xhakas Fall publik wurde, machte diese Zeitung öffentlich, dass mit Breel Embolo ein weiterer Nati-Star aufgrund von Covid-Vergehen verurteilt worden war. Der 29-Jährige hatte Testzertifikate erworben und wurde entsprechend milder sanktioniert: Er erhielt eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 3000 Franken. Die Probezeit beträgt auch bei ihm zwei Jahre.

Zum Vergleich: Der frühere Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer wurde wegen Urkundenfälschung zu einer unbedingten Geldstrafe von 38'910 Franken verurteilt, nachdem er ein gefälschtes Covid-Zertifikat bestellt hatte. Im Unterschied zu Xhaka war Fischer jedoch vorbestraft und nutzte die Urkunde, um an die Olympischen Spiele 2022 zu reisen. Xhaka hat nach heutigem Kenntnisstand das gefälschte Zertifkat nicht für Nati-Reisen eingesetzt.
Die Aufarbeitung beim Verband kann nun Fahrt aufnehmen
Dennoch waren die Fälle Xhaka und Embolo für den SFV Grund genug, öffentlich Leitlinien anzukündigen. Der Verband will diskutieren, was ein Nationalspieler in seiner repräsentativen Funktion alles darf – oder was eben nicht. Dies steht nicht im Zusammenhang mit Xhakas Captain-Rolle. Der SFV wolle, so Präsident Peter Knäbel, Grundsatzfragen klären, die alle betreffen.
Diese Aufarbeitung soll nun, wo auch das Urteil für Xhaka bekannt ist, Fahrt aufnehmen. Nationaltrainer Murat Yakin tauschte sich laut eigenen Angaben bereits am Mittwoch mit der Verbandsspitze über dieses Thema aus. Bis Ende Oktober will der SFV öffentlich kommunizieren, wie besagte Leitlinien aussehen sollen.
Ab dem 9. November trifft sich die Nati zum nächsten Zusammenzug. Dann dürften sowohl Xhaka als auch Embolo aller Voraussicht nach wieder im Kreis der Mannschaft sein, wenn es darum geht, den starken Start in die Nations-League-Kampagne in den zwei verbleibenden Partien gegen Slowenien und Schottland mit dem Aufstieg in die Liga A zu krönen.



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