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Neuer Nati-Captain? Akanji über Xhaka: «Ich mache nichts hinter seinem Rücken»

Wie stehen Spieler und Nationaltrainer zur Captain-Frage? Kehren Granit Xhaka und Breel Embolo in die Nati zurück? Das sagen die Beteiligten und so sieht der Zeitplan aus.

Nach 15 Tagen bricht er sein Schweigen. Wenige Minuten erst sind vergangen nach dem 3:0 der Schweiz über Nordmazedonien. Dann schreitet Manuel Akanji zur Aufarbeitung dieses Abends. Oder besser: der vergangenen zwei Wochen.

Weil Granit Xhaka nach seinem Impf-Bschiss nicht dabei ist, führte Akanji die Nati an. «Erstmals über einen gesamten Zusammenzug – das war schon speziell. Und macht mich definitiv auch stolz», sagt er.

Wer aus diesen Fragmenten herauslesen möchte, dass Akanji Ambitionen hegt, die Captain-Binde definitiv von Xhaka zu übernehmen, täuscht sich indes. Das Gegenteil ist der Fall. Akanji sagt: «Ich versuche nicht, irgendwelche Dinge hinter seinem Rücken zu machen. Ich bespreche die Dinge direkt mit ihm.» Und dann kommt der entscheidende Zusatz: «Wenn Granit wieder zurückkommt, wird alles wieder beim Alten sein. Es ist klar, dass er Captain bleibt.»

SFV-Präsident Knäbel: «Wann ist das Fass voll?»

Die Frage ist nun, welche Bedeutung «es ist klar» tatsächlich hat. In der Theorie kann SFV-Präsident Peter Knäbel ein Machtwort sprechen. Und erwirken, dass Xhaka als Captain abgesetzt wird oder künftig gar kein Teil der Nationalmannschaft mehr ist. In seiner «Rede zur Lage der Nation» vor dem ersten dieser vier Nations-League-Spiele erklärte Knäbel: «Wir werden klären müssen: Wann ist das Fass voll?» Und auch: «Wie gehen wir mit einem Spieler um, der verurteilt wird?»

Es sind gewiss wichtige Fragen. Doch es deutet gleichwohl wenig auf einen Ausschluss oder eine Rückstufung von Xhaka hin. Nach heutigem Stand hat Xhaka der Nationalmannschaft mittels seines gefälschten Impf-Zertifikats keinen sportlichen Schaden zugefügt oder das Team gefährdet. Die Frage, die Knäbel und die Verbands-Bosse zu klären haben, lautet: Wie schwerwiegend ist der Image-Schaden, der Xhaka mit seinem Verhalten auslöst? Der Zeitplan sieht vor, dass sich der SFV in der zweiten Hälfte des Oktobers positioniert.

Wenn Akanji indes die Worte «es ist klar» gebraucht, geht es um die Rolle von Xhaka innerhalb des Teams. Falls der 34-Jährige zurückkommt, dann ist er weiterhin der Chef. Dies sehen sowohl Akanji als auch sämtliche anderen Spieler, die sich zu Xhaka geäussert haben in den letzten Tagen so. Für Knäbel ist die Captain-Frage zweitrangig. Er sagt: «Ein Nationalspieler hat ohnehin eine Vorbildfunktion – ob jemand Captain ist oder nicht, ist nicht entscheidend.»

Als Akanji von «Schweiz heute» gefragt wird, ob es für ihn klar sei, dass Xhaka überhaupt zurückkehren darf, sagt er: «Ich bin nicht eingebunden in den Telefonaten. Und es ist nicht meine Entscheidung. Aber ich will, dass die besten Spieler hier sind. Wir brauchen die Besten!» Unmittelbar nach dem Spiel hat Akanji bereits im TV-Interview mit SRF eine klare Botschaft platziert: «Wir lieben ihn (Granit, d.Red.) alle so sehr in der Mannschaft.» Man darf also ziemlich sicher davon ausgehen: die Nati-Kollegen stehen hinter Xhaka.

Nationaltrainer Murat Yakin: «Ja, ich will Xhaka!»

Und wie sieht es beim Trainer aus? Murat Yakin ist an diesem Abend in bester Laune. Logisch, nach zwölf Punkten aus vier Spielen. Er liefert die korrekte Analyse des Spiels, spricht die Fehler der ersten Hälfte so fadengerade an wie selten («kann ich nicht schönreden»). Und dann äussert er sich auch dezidiert zu seinem Captain. Im ersten Anlauf gelingt ihm das zwar nicht so präzise wie bei der Fehleranalyse. «Manu hat es super gemacht. Das wird untereinander geregelt. Granit ist weiterhin unser Captain. Wenn er im November kommt, werden wir es nochmal besprechen.»

Vielleicht will sich Yakin selbst keine Tür verbarrikadieren ohne Not. Vielleicht weiss er auch, dass er sich in der Sache wohl den SFV-Bossen beugen müsste. Darum nochmals die ganz konkrete Frage: Murat Yakin, wollen Sie, dass Granit Xhaka zurückkehrt? «Ganz klar ein Ja! Peter (Knäbel, d.Red) hat kommuniziert, dass die Türe offen ist. Wir brauchen die Besten in unseren Reihen.»

Die Meinung von Akanji und Yakin teilen auch die meisten Fans. Zumindest die Mehrheit im Stadion. Mehrfach waren Sprechhöre für Xhaka zu vernehmen. Gegen Nordmazedonien bereits nach 18 Minuten. Die Sympathiebekundungen sind als klares Zeichen zu werten. Auch der Song «Oh Embolo» wurde angestimmt.

Zurück zu Akanji. Wie war der Kontakt mit Xhaka in letzter Zeit? «Wir haben vor dem Zusammenzug noch miteinander gesprochen. Nun wollte ich ihn eigentlich anrufen. Aber dann dachte ich, ich warte das letzte Spiel noch ab. Nun werden wir aber definitiv miteinander reden.»

An Gesprächsstoff mangelt es jedenfalls nicht. Vielleicht besprechen die beiden ja auch noch den Finanzskandal um Manchester City. Der Ex-Verein Akanjis wurde in 114 von 115 Punkten schuldig gesprochen. Konkret geht es um Scheinverträge, die Einkünfte vorgegaukelt haben – wodurch City kostspieligere Transfers tätigen konnte. «Ich hoffe, ich verliere meine Titel nicht», sagt Akanji. Auf die Anmerkung, seine Zeit ab Herbst 2022 sei ja nicht mehr betroffen, sagt der 31-Jährige: «Wer weiss, was sie noch alles rausfinden. Ihr sucht ja auch immer noch nach Corona-Sachen…»

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