Nations League

Vorhang auf für die Manzambi-Show: Die Schweiz siegt mit 3:0 gegen Nordmazedonien

Das Schweizer Nationalteam feiert im vierten Spiel der Nations League den vierten Sieg. In Luzern resultiert gegen Nordmazedonien ein 3:0.

Vielleicht hat das viele Lob nicht gutgetan. Vielleicht haben die drei Siege zu einer falschen Sicherheit verleitet. Und vielleicht hätte der eine oder andere Schweizer Nationalspieler eben doch lieber gegen Frankreich, Spanien oder Deutschland gespielt, anstatt sich nochmals mit Nordmazedonien abzumühen.

Was die Schweizer Fussballer gestern über lange Zeit bieten, ist jedenfalls ziemlich uninspiriert. Das ist nett ausgedrückt. Und zwei Umständen geschuldet. Erstens findet die Nati derzeit auch dann einen Weg zum Sieg, wenn es harzig läuft. Zweitens kann man ein gewisses Verständnis aufbringen, wenn Anspannung und Konzentration am Ende eines langen Zusammenzugs schwinden. Zumal der gleiche Gegner noch vor elf Tagen hoffnungslos überfordert war.

Am Ende ist das 3:0 ein zu hoher Lohn für diesen Auftritt. Weil Slowenien gleichzeitig in Schottland 2:1 gewinnt, dürfen sich die Schweizer noch nicht über den vorzeitigen Aufstieg in die Liga A freuen. Zwölf Punkte aus vier Spielen sind natürlich gleichwohl eine tolle Bilanz für diese ersten Länderspiele nach der WM.

Die Wechsel von Murat Yakin zeigen Wirkung

Aber wir wollen uns nicht vor Klartext scheuen: Die Schweizer spielen an diesem Abend lange so miserabel wie der Rasen in Luzern aussieht. All die Ernsthaftigkeit der letzten Tage ist wie weggeblasen. Dafür sehen wir viele Unkonzentriertheiten, Ballverluste, Fehlpässe. Schweizer, die kaum in die Zweikämpfe kommen, dafür Ball und Gegner viel zu häufig hinterherlaufen.

Nationaltrainer Murat Yakin regt sich an der Seitenlinie zurecht auf. Vermutlich fragt er sich in einigen Momenten: Waren fünf Wechsel im Vergleich zum 2:1 gegen Slowenien doch zu viel? Mvogo, Britschgi, Sierro, Sow und Rieder erhalten die Chance zur Bewährung. Die Nati wirkt wie Schüler, die sich nach anstrengenden Wochen irgendwie in die Ferien schleppen.

Dass die Schweiz nach der schwächsten Halbzeit dieser vier Spiele trotzdem 1:0 führt, ist dem Geschenk der nordmazedonischen Defensive geschuldet. Musliu schaut ins Leere, Rieder läuft dazwischen und trifft aus kurzer Distanz.

Erstmals in der Schweiz: Manzambi-Song

Yakin reagiert. Er bringt Manzambi und Jashari für Sow (verletzt) und Sierro (überfordert). Später auch noch Boteli, Athekame und Sanches. Nun legen seine Spieler plötzlich wieder Ernsthaftigkeit an den Tag. Ob das nur an Manzambi liegt? Es ist jedenfalls, als wäre ihnen bewusst, dass der letzte Eindruck zählt. Sich nach drei tollen Auftritten pomadig verabschieden? Nein, das muss nicht sein.

Auf ein zweites Tor müssen die Fans dann aber doch bis zur 74. Minute warten. In diesem Moment ist es auch egal, dass wiederum ein Geschenk am Ursprung steht. Torhüter Dimitrievski lässt einen Schuss aus 20 Metern passieren. Aber wer hat den Flatterball getreten? Natürlich Manzambi.

Der bald 21-jährige Zauberfuss versprüht fast so viel Lust wie seine Mitspieler zusammen. Es gelingt ihm jedenfalls, diese noch einmal mitzureissen. Nach 81 Minuten setzt Manzambi vor dem Strafraum nach - und bereitet damit Ndoye den Weg für das 3:0. Der Abend wird damit plötzlich wieder ganz erträglich.

Von den Rängen erklingt erstmals in einer Schweizer Arena der Manzambi-Song, angelehnt an den Song «Zombie» von «The Cranberries». Den Manzambi-Song erfunden haben die Fans von Aston Villa für ihren 70 Millionen Euro teuren Neuzuzug. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass wir die Zeilen noch sehr viele weitere Male hören werden. Denn offensichtlich ist es bereits soweit: Die Nati kann nicht mehr auf Manzambi verzichten.

Manzambi hat eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich. «Einer wie Shaqiri», lobte Yakin am Tag vor dem Spiel. Wobei es nicht ausgeschlossen ist, dass Manzambis rasante Entwicklung noch höhere Sphären erklimmt.

Wie geht es weiter mit Captain Xhaka und Embolo?

Was bleibt nun nach diesen vier Nations-League-Spielen? Sportlich darf die Schweiz sehr zufrieden sein. Die vier Siege sind ein starkes Zeichen nach der grossen Unruhe im Vorfeld. Womit wir bei der drängendsten Frage sind: Wie geht es weiter mit Granit Xhaka? Der Captain fehlte nach seinem Impf-Bschiss. Genauso wie Breel Embolo. Es würde nicht überraschen, wenn beide bereits im November wieder dabei sind. Trotzdem muss sich der Schweizerische Fussballverband unbequeme Fragen stellen. Präsident Peter Knäbel hat angekündigt, dass es künftig einen Leitfaden geben soll, wie der Umgang mit Straftätern aussehen soll. Die Überlegungen kommen nicht zu früh.

Thermoplan Arena. - SR Malcevs (LVA).
Tore: 43. Rieder 1:0, 73. Manzambi 2:0, 81. Ndoye 3:0. - Schweiz: Mvogo; Britschgi, Elvedi, Akanji, Rodriguez (70. Athekame); Freuler, Sierro (46. Jashari); Sow (46. Manzambi), Rieder, Ndoye (86. Sanches); Amdouni (70. Boteli).
Liga B1: Schottland - Slowenien 1:2. - Rangliste (alle 4 Spiele): 1. Schweiz 12. 2. Slowenien 7. 3. Schottland 4. Nordmazedonien 0.

Der Liveticker zur Partie:

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Kommentare (0)