Fussball

Warum Murat Yakin alles anders macht als Jürgen Klopp – und das wichtig ist für die Nati

Während Fussball-Deutschland auf der Suche nach sich selbst ist, zählen für die Schweizer Nati in diesem Herbst vor allem die Resultate. Auch heute Abend gegen Nordmazedonien.

Jürgen Klopp hat seinen Platz in der Fussball-Geschichte auf ewig sicher. Das ist keine neue Erkenntnis. Und vermutlich ist es auch egal, wie die kommenden Monate oder Jahre als Nationaltrainer Deutschlands verlaufen. Schliesslich sind seine Verdienste mit Dortmund und Liverpool herausragend.

Vielleicht wird man aber in Fussball-Fachkreisen auch in einigen Jahrzehnten noch auf jenes Experiment zurückblicken, das Klopp in diesen Tagen veranstaltet hat. Oder soll man besser sagen: auf jenen Zirkus? «Deutschland sucht den Superkicker», so benennt die «Süddeutsche Zeitung» Klopps Kandidaten-Casting für die soeben absolvierten vier Länderspiele. 44 verschiedene Spieler kamen zum Einsatz. Auf 29 verschiedene Akteure verteilte Klopp die Startelf-Einsätze. Es ist Klopps Herangehensweise nach drei völlig missratenen Weltmeisterschaften (2018: Vorrundenaus. 2022: Vorrundenaus. 2026: Sechzehntelfinal-Aus gegen Paraguay).

Klopp erkor die Spiele der Nations League zum Experimentierfeld. Er wagte es sogar, zuletzt zweimal ohne Captain Joshua Kimmich anzutreten. Was ihm die erste grosse Personen-Debatte seiner Ära als Nationaltrainer bescherte. Klopp nimmt sie in Kauf. Weil es für ihn nur um das grosse Bild geht, nämlich: was ist in zwei Jahren bei der EM? Welche Spieler sorgen dann dafür, dass Deutschland wieder einmal ein überzeugendes Turnier absolviert? Die Gegenwart ist Klopp völlig egal.

Der Gruppensieg gibt 1,5 Millionen Euro

Szenenwechsel. In Luzern sitzt Murat Yakin an diesem Montag in der Thermoplan Arena. Es ist der Tag vor dem Spiel gegen Nordmazedonien, dem letzten dieser langen Länderspielpause. Auch Yakin spricht über mögliche Wechsel in der Aufstellung. «Drei bis vier kann es schon geben – es wird für jeden etwas in der Aufstellung dabei sein», sagt er schmunzelnd. Der grosse Unterschied zu Klopp: Auf ganze 12 Spieler verteilten sich die Schweizer Startelf-Einsätze in den Partien gegen Nordmazedonien, Schottland und Slowenien. Yakin, der Anti-Klopp also. Warum ist das so?

Die einfache Antwort auf diese Frage: die Liga B der Nations League. Der Abstieg der Nati im Herbst 2024 hatte Folgen. Anstatt sich mit Top-Nationen messen zu können, muss sich die Schweiz nun mit Nordmazedonien, Schottland und Slowenien um den Wiederaufstieg balgen. Das hat zwar den Vorteil, dass die neuen, jungen Spieler wie Athekame, Sanches, Boteli oder Britschgi nicht gleich unter maximalem Druck einsteigen müssen, wie Yakin sagt. Aber: Allzu viel experimentieren kann, will und muss er eben nicht.

Die Schweiz hat eine funktionierende Mannschaft. Davon zeugen nicht nur EM-Viertelfinal und WM-Viertelfinal. Mit Granit Xhaka und Breel Embolo fehlen derzeit ohnehin schon zwei Fixstarter. Zudem ist der Wiederaufstieg in die Liga A für die Schweiz zentral. Die Antrittsprämie in der Liga B beträgt 1,5 Millionen Euro (Liga A: 2,25 Millionen). Nur der Gruppensieger erhält nochmals 1,5 Millionen Euro. Geld, das der Verband gut gebrauchen kann. Zudem wäre es gegen Nationen wie Deutschland, Italien, Frankreich, Portugal, Spanien oder England möglich, den Basler St.Jakob-Park zu füllen. Im Vergleich zu Spielen in Luzern oder St.Gallen steigen die Einnahmen damit um bis zu 400'000 Franken.

Auch sportlich ist die Rückkehr in die Liga A wichtig. Bereits das jetzige Abschneiden hat Einfluss auf die Setzung für die Auslosung der EM-Qualifikation. Da wird die Schweiz dank der jüngsten Siege in Topf 2 landen. Noch wichtiger ist aber der Ausblick auf die Qualifikation für die WM 2030. Bei Weltmeisterschaften nehmen nur 16 europäische Teams teil, nicht 24. Die Qualifikation ist also härter. Und weil die Uefa das Abschneiden in der Nations League immer stärker gewichtet, verschafft die Teilnahme in der Liga A die besseren Voraussetzungen.

Darum gilt: Egal, wie viele Wechsel Murat Yakin am Ende vornimmt, der Sieg gegen Nordmazedonien steht an erster Stelle. Falls die Schweiz gewinnt und Schottland-Slowenien unentschieden endet, wäre der Aufstieg bereits Tatsache. Dann könnte Yakin im November immer noch zum halben Klopp werden.

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