
Die neutralen Zuschauenden erhielten am Sonntagabend einen deutlich attraktiveren Fussballabend als noch am Vorabend geliefert. Während Paraguay gegen Frankreich von Fouls und Unsportlichkeiten geprägt war, bot das Achtelfinal zwischen Norwegen und Brasilien ein pures Offensivspektakel. Am Ende setzten sich die Skandinavier dank eines Haaland-Doppelpacks mit 2:1 durch.
Von einer Sensation darf keineswegs die Rede sein: Norwegen hat sowohl in der WM-Qualifikation als auch in der Endrunde seine Qualität bewiesen. Und auch gegen Brasilien verlief das Spiel auf Augenhöhe.
Brasilien scheitert vom Punkt
Schon zu Beginn der Partie war klar, auf was für ein Spiel sich die Fans einstellen können: Norwegen dominiert den Ballbesitz, Brasilien lauert auf Konter und versucht den Gegner bei Balleroberung mit seinen pfeilschnellen Angreifern, angeführt von Vinicius Junior, zu überrumpeln.
Genau bei einem solchen Gegenstoss wurde Matheus Cunha nach knapp zehn Minuten regelwidrig von den Beinen geholt. Nach VAR-Konsultation zeigte der Unparterteiische auf den Punkt. Doch ausgerechnet Bruno Guimaraes, der bislang eine souveräne WM spielte, scheiterte an Torhüter Orjan Nyland. Guimaraes avancierte damit zum ersten Spieler Brasiliens seit 1986, der in einem WM-Spiel einen Elfmeter vergibt.

Kurz daraufhin scheiterte auch Vinicius am Schlussmann.
Nach einer für Norwegen hektischen Startphase, geprägt von vielen Ballverlusten im Mittelfeld, fand die Mannschaft von Stale Solbakken immer besser ins Spiel. Die beste Torchance im ersten Durchgang verzeichnete Norwegen-Captain Martin Odegaard, der Alisson aus kurzer Distanz nicht bezwingen konnte. Erling Haaland, mit fünf Toren Norwegens gefährlichster Mann, blieb vorerst blass. Noch.
Mutiger Doppelwechsel zahlt sich aus
In der Pause nahm Solbakken einen Doppelwechsel vor und wechselte beide Flügelspieler aus. Oscar Bobb und Andreas Schjelderup sollten nochmals frischen Wind in die Offensive bringen.
Erst waren es aber die Brasilianer, die in der Offensive zum Zug kamen. Mehrmals verhinderte der überragende Nyland einen Führungstreffer der Südamerikaner. Im Anschluss an die Partie wird sich neben Penalty-Sünder Guimaraes vor allem Nachwuchshoffnung Endrick nerven. Dieser verpasste das vermeintliche 1:0, nachdem er alleine auf Nyland zugerannt war.
Und so kam es, dass Erling Haaland in der 79. Minute die Norweger in Führung schoss. Haaland köpfte den Ball mit viel Wucht unhaltbar ins gegnerische Tor. Zu loben ist aber auch die Vorarbeit des eingewechselten Schjelderup, der den Stürmer von Manchester City mit seiner Flanke ideal bedient hatte.
In der 90. Minute erhöhte Haaland mit einem tollen Distanzschuss gar noch auf 2:0. Damit war die Viertelfinal-Qualifikation perfekt. Das 2:1 durch Neymar, der in der Nachspielzeit per Elfmeter traf, fiel praktisch mit dem Schlusspfiff und kam für Brasilien zu spät.

Viertelfinal gegen Gastgeber oder «Three Lions»
Norwegen schlägt also die Fussballgrossmacht Brasilien. Den fünffachen Weltmeister, der mit Carlo Ancelotti von einem der weltbesten Trainer gecoacht wird. Während die Brasilianer die Heimreise antreten, steht Norwegen im Viertelfinal. Dort treffen die Skandinavier auf den Sieger der Partie Mexiko gegen England, die in der Nacht auf Montag über die Bühne geht.

Während Erling Haaland dank seines Doppelpacks wohl einmal mehr mit dem «Man of the Match»-Award ausgezeichnet wird, dürfen sich die norwegischen Spieler vor allem auch bei Torhüter Nyland bedanken. Dieser leistete einen ebenso wichtigen Beitrag dazu, dass Norwegen zum ersten Mal im Viertelfinal einer Fussball-WM steht.


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