
Es ist eine der unvergesslichsten Szenen bei Fussball-Weltmeisterschaften: Als der inzwischen verstorbene argentinische Superstar Diego Maradona 1986 im Viertelfinal gegen England in der 51. Minute den Ball mit der linken Hand zum 1:0 ins englische Tor beförderte. Der Treffer wurde trotz des klaren Handspiels anerkannt und ging als «Hand Gottes» in die Fussballgeschichte ein.
England verlor die Partie 1:2 und schied aus. Das Spiel fand in Mexiko-Stadt im Aztekenstadion statt – in jenem Stadion, in dem der Weltmeister von 1966 am Sonntagabend gegen den Gastgeber antritt. «Ich hoffe, wir können endlich Frieden mit dem Stadion schliessen», sagte Englands Trainer Tuchel gegenüber heimischen Medien. «Es ist Karma. Das Karma wird zu uns zurückkehren. Wir werden das Ganze umdrehen.»
Nachteil für die Engländer
Die Engländer kämpfen nicht nur gegen einen sehr starken Gegner um den Einzug in den Viertelfinal, sondern auch gegen die dünne Luft, verbunden mit dem geringeren Sauerstoffgehalt, denn die berühmte Arena befindet sich auf einer Höhe von über 2200 Metern über dem Meeresspiegel. Ihr Camp während des Turniers hatten die «Three Lions» in Kansas City im US-Bundesstaat Missouri auf rund 280 Metern Höhe.

«Das ist natürlich ein grosser Nachteil», betonte Tuchel. «Wir können uns physisch nicht darauf einstellen, das ist unmöglich. Die Empfehlung ist, entweder zehn Tage vorher – was für uns nicht möglich ist – oder auf den letzten Drücker – was nicht erlaubt ist – zu kommen.» Die sonstigen Abläufe wurden jedoch insofern geändert, als die Engländer einen Tag früher anreisten.
Mexiko geht mit weisser Weste in die Partie
Mexiko strotzt derzeit nur so vor Selbstvertrauen. «El Tri» hat an diesem Turnier nicht nur alle vier bisherigen Spiele gewonnen, sondern noch kein Gegentor zugelassen – dies mit einem Team, das von vielen als eines der schwächeren in der jüngeren mexikanischen Fussballgeschichte angesehen wird. Die fehlenden Stars werden mit einem starken Kollektiv kompensiert.

Zweimal erreichten die Mexikaner bisher bei Weltmeisterschaften die Viertelfinals: 1970 und 1986. Beide Turniere fanden vor heimischem Publikum statt. Im Aztekenstadion verlor Mexiko noch nie ein WM-Spiel, in diesem Jahrtausend gab es dort insgesamt nur zwei Niederlagen. Die letzte liegt 13 Jahre zurück. Der mexikanische Trainer Javier Aguirre sagte vor der Partie: «Das wichtigste Spiel für das Land und in meiner Karriere.»
Die Engländer sind also mehr als gewarnt. Für den britischen «Guardian» war die Leistung der Mexikaner in der ersten Halbzeit im Sechzehntelfinal gegen Ecuador (2:0) «atemberaubend. Wehe dem, der als Nächstes auf sie trifft.» Oder wie es der «Mirror» zusammenfasste: „Ein Sieg würde als einer der grössten Auswärtserfolge Englands in die Geschichte eingehen.
Norwegen hat noch nie gegen Brasilien verloren

Spannung verspricht auch das Duell zwischen Rekordweltmeister Brasilien und Norwegen. Die Skandinavier sind erstmals seit 1998 und zum vierten Mal insgesamt an einer WM-Endrunde dabei, wobei sie bisher nie über die Achtelfinals hinausgekommen sind. Die Hoffnungen, dass es diesmal mit dem Viertelfinal klappt, ruhen in erster Linie auf Erling Haaland. Der Starstürmer von Manchester City hat an diesem Turnier schon fünfmal getroffen. Unter anderem erzielte er beim 2:1-Sieg in der ersten K.-o.-Runde gegen die Elfenbeinküste in der 86. Minute das 2:1. Es war das 13. Pflichtspiel in Folge für Norwegen, in dem sich Haaland in die Torschützenliste eintrug.
Die beiden Teams spielten bisher einmal in einem Ernstkampf gegeneinander. Das war an der WM 1998, als die Norweger in der Gruppenphase 2:1 gewannen. Der norwegische Trainer Stale Solbakken gehörte damals als Spieler zum Kader. Auch in den drei Freundschaftsspielen gelang Brasilien kein Sieg - zwei Unentschieden und eine Niederlage. Dennoch sagte Solbakken: «Brasilien ist natürlich der Favorit. Aber wir hoffen, dass wir sie fordern können.» (sda)


Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.