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Ski alpin

Malorie Blanc sorgt für Sensation in Crans-Montana – Jasmina Suter zweitbeste Schweizerin

Die 22-jährige Walliserin gewinnt den Super-G in Crans-Montana sensationell vor Sofia Goggia und Breezy Johnson. Für Blanc ist es der erste Sieg im Weltcup.
Sie kann ihr Glück kaum fassen: Malorie Blanc feiert beim Heimrennen ihren ersten Weltcupsieg.
Bild: ALESSANDRO DELLA VALLE

Wer in diesen Tagen durch Crans-Montana flaniert, trifft an allen Ecken und Enden auf Menschen, die Fanartikel mit ihrem Namen tragen. Für Malorie Blanc, die grosse Schweizer Skihoffnung bei den Frauen, fühlen sich die Rennen auf dem Walliser Hochplateau an wie ein Auftritt im eigenen Wohnzimmer. Sie ist in Ayent aufgewachsen, mit direktem Fernblick auf die Rennpisten von Crans. Von ihrem Zuhause aus sind es mit dem Auto knappe 20 Minuten bis ins Zielgelände.

Ihr grosser Fanklub mit 200 Menschen vor Ort dominiert dort den optischen und akustischen Auftritt. Das nimmt selbst Malorie Blanc im Rennmodus wahr. Die Walliserin sagt: «Als ich in den Zielhang hineinfuhr, hörte ich die Fans jubeln. Da wusste ich, dass ich wohl gut unterwegs bin.»

Die Junioren-Weltmeisterin im Super-G 2024 ist in ihrem erst 20. Weltcup-Rennen so gut unterwegs wie noch nie. Auf einer durch die Sonneneinstrahlung wärmer werdenden Piste liegt sie mit Startnummer 17 bei allen Zwischenzeiten vor der zu diesem Zeitpunkt führenden Sofia Goggia. Und den technisch schwierigen Zielhang fährt Malorie Blanc unter dem tosenden Applaus ihrer Fans schneller als alle anderen Athletinnen.

Auf dieser Piste verletzte sich Malorie Blanc schwer

Der erste Sieg in ihrer noch jungen Karriere gerät noch einmal in Gefahr, als Laura Pirovana mit einem Vorsprung von über einer halben Sekunde in diesen letzten Streckenabschnitt einbiegt. Doch auf dem Weg zum ersten Podestplatz überhaupt in ihrem 121. Weltcup-Rennen geht die 28-jährige Italienerin zu grosse Risiken ein und verpasst das zweitletzte Tor.

Aufschnaufen bei Malorie Blanc. Für die Einheimische bietet der erste Weltcupsieg auch Gelegenheit zur Versöhnung mit der Rennpiste von Crans-Montana. Am 11. Februar 2024 riss bei einem Sturz in der Europacup-Abfahrt das Kreuzband im linken Knie. Dies nur zwei Wochen nach ihrem bis dahin grössten sportlichen Erfolg – dem Gewinn der Goldmedaille an der Junioren-WM im Super-G.

Erst vor rund 13 Monaten debütierte das grösste Schweizer Speedtalent beim Super-G von St. Moritz im Weltcup. Damals schaffte es die Walliserin nicht ins Ziel. Das änderte sich bereits drei Wochen später bei ihrer ersten Abfahrt, als sie mit Startnummer 46 als sensationelle Zweite aufs Podest schaffte und damit eine grössere Öffentlichkeit auf das Ausnahmetalent aufmerksam wurde. Im Super-G war ihr Bestresultat bislang ein sechster Platz. Aber ihren einzigen Sieg im Rahmen des Europacups feierte Malorie Blanc auch in einem Super-G und ebenfalls daheim im Wallis – im Dezember 2024 in Zinal.

Corinne Suter findet die Form noch nicht

Der Heimsieg ist Balsam auf die Seele des Schweizer Speedteams der Frauen, das nach den Verletzungen von Lara Gut-Behrami und Michelle Gisin zuletzt arg gebeutelt wurde. Bei den letzten Weltcup-Rennen vor zwei Wochen in Trevisio reichte es in Abfahrt und Super-G zu keinem einzigen Platz in den Top 10. Auch Malorie Blanc passte sich zuletzt dem bescheidenden Niveau des Teams mit den Rängen 29 und 30 an.

Nun folgt für die 22-Jährige im letzten Rennen vor den Olympischen Spielen das perfekte Timing im Hinblick auf den Grossanlass. Malorie Blanc sagte nach dem Rennen im Interview mit dem Schweizer Fernsehen: «Ich habe ein wenig Mühe, es zu realisieren. Ich hatte mir für diesen Tag kein Rangziel gesetzt, sondern vorgenommen, nicht zu viel zu überlegen und einfach Spass zu haben.»

Neben dem Triumph von Malorie Blanc gab es im Schweizer Frauenteam nicht viel zu feiern. Auch der Heimauftritt brachte keine kollektive Rückkehr auf vordere Plätze. Jasmine Suter als 16. sowie Corinne Suter als 23. führen das restliche Aufgebot von Swiss Ski an. Bei der amtierenden Abfahrts-Olympiasiegerin stimmten im vierten Rennen nach ihrem Comeback die Einzelteile nach wie vor nicht zusammen. Neben einigen guten Kurven vorab in Gleiterabschnitten verlor Corinne Suter in den beiden technischen Passagen enorm viel Zeit – alleine im Zielhang auf den letzten 13 Fahrsekunden ohne erkennbare Fahrfehler 1.14 Sekunden auf Landsfrau Blanc.

Unterschiedlich auch die Gefühlswelt bei den anderen grossen Namen bei den Frauen. Während Lindsey Vonns Weg zu den Olympischen Spielen nach ihrem schweren Sturz in der abgebrochenen Abfahrt vom Freitag dramatisch wird, zeigte Sofia Goggia als Zweite, das trotz durchzogener Abfahrtssaison beim Heimauftritt in Cortina wieder voll mit ihr zu rechnen sein wird. Vonns Landsfrau Breezy Johnson fuhr gar erstmals in einem Super-G aufs Weltcup-Podest. Und Gesamtweltcup-Siegerin Federica Brignone durfte als 18. das erste Speedrennen nach langer Verletzungspause zumindest als erledigt abhaken. Bei der grossen deutschen Olympia-Hoffnung Emma Aicher lag die positive Nachricht einzig darin, dass sie sich bei ihrem Sturz im Fuchsloch nicht verletzt hat.

Der Liveticker zum Nachlesen:

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