Als Malorie Blanc ins Ziel kam, gab es bei der sonst so aufgestellten Schweizerin kein Lachen. Auch die sonst so fröhliche Corinne Suter verzog im Ziel ein grimmiges Gesicht. Und dies, obwohl sie durchaus Grund zum Lachen hatte. Denn es war der erste Super-G, den sie nach ihrer Verletzung fuhr. Doch das Comeback hatte sie sich besser vorgestellt.

Das Rennen am Sonntag im italienischen Tarvisio war keines für die sonst schon vom Verletzungspech verfolgte Schweizer Skination. Jasmine Flury und Jasmina Suter machten es ihren Teamkolleginnen gleich und waren ebenfalls frustriert. Der Grund für die grosse Enttäuschung war ihre Leistung. Alle vier Top-Schweizerinnen klassierten sich in den hinteren Rängen und zitterten sogar noch um Weltcuppunkte.
Zwischenzeitlich bildeten gleich drei Schweizerinnen das Schlusslicht. Zu diesem Zeitpunkt war nur Alice Robinson schlechter klassiert. Die Neuseeländerin stürzte jedoch kurz vor dem Ziel und glitt somit mit 2,45 Sekunden Rückstand dennoch ins Ziel. Damit konnte ihre Fahrt nicht mit den Schweizerinnen verglichen werden.
Einziger Lichtblick der Schweizerinnen
Der einzige Lichtblick der Schweizer Skination war Joana Hählen. «Ich habe probiert alles zu geben und mutig zu fahren, das ist mir gelungen», sagt Hählen gegenüber SRF. Sie verpasste zwar die Top-10, fuhr dank Rang 13 aber zu ihrem besten Resultat in diesem Winter. Damit erfüllte die Berner Oberländerin die halbe Olympia-Limite. Einzig Malorie Blanc hat im Super-G die Selektionskriterien erfüllt, überzeugte mit Platz 29 aber an diesem Sonntag nicht. Die anderen Schweizerinnen wollten sich gegenüber SRF nicht äussern.

Mehr zu lachen hatte Emma Aicher. Die Deutsche zeigte zwar einen verhaltenen Start im dicken Nebel. In den drei weiteren Sektoren drückte sie dann aber aufs Gaspedal. Wie entfesselt fuhr sie schliesslich ins Ziel, wo die grüne Bestzeit aufleuchtete. Nach einem Sieg in der Abfahrt und zwei Podestplätzen im Slalom stand Aicher nun zum ersten Mal in diesem Winter auf dem Super-G-Podest.
Für die Deutsche ist es der vierte Weltcupsieg. «Ich bin von oben bis nach unten gut gefahren», sagt sie gegenüber SRF schulterzuckend, als würde sie sich den Sieg nicht wirklich erklären können.

Vonn und Aicher fahren in eigener Liga
Mit 27 Hundertstel Rückstand konnte einzig Speedkönigin Lindsey Vonn mithalten. Sie lieferte ein Kopf-an-Kopf-Duell mit ihrer fast 20 Jahre jüngeren Konkurrentin, musste sich aber geschlagen geben. Zwischen den beiden und der Drittplatzierten klafft eine grosse Zeitlücke. Dieser Abstand zeigt, dass Aicher und Vonn in einer eigenen Liga fahren.
Die 41-jährige US-Amerikanerin, die bereits bei der Abfahrt am Samstag den zweiten Platz holte, gab sich kritisch: «Meine Linie war nicht 100 Prozent perfekt und ich habe unten Zeit verloren. Das ärgert mich ein bisschen.» Die Tschechin Ester Ledecka komplettiert das Podium mit einem Rückstand von 94 Hundertsteln.

Seit 15 Jahren war Tarvisio nicht mehr im Weltcup-Kalender. Weil während der Olympischen Spielen in Cortina gefahren wird, machen die Speed-Frauen im italienischen 3900-Seelendorf Halt. Bei diesem Comeback gibt es gleich eine Premiere. Die Italienerin Nicole Delago nutzt diese Rückkehr der Frauen-Abfahrt und fuhr am Samstag zu ihrem ersten Weltcupsieg. Auch ihrer Schwester Nadia schaffte erstmals nach 2022 den Sprung in die Top-10. Ein Freudentag für die Familie Delago.
Weniger freudig lief es wie am Sonntag auch am Samstag für die Schweizerinnen. Corinne Suter sucht immer noch ihre frühere Form, zeigte aber bereits einen Fortschritt. Sie fuhr auf Platz 15 und verbesserte sich gegenüber dem letzten Rennen in Zauchensee um sieben Plätze. chm


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