Tennis

Wawrinkas Karriere endet mit einer Niederlage – seine letzte Wette aber geht auf

Mit 41 verlässt Stan Wawrinka bei den Swiss Indoors Basel die Tennisbühne. Sein Körper hält bis zuletzt – und ermöglicht ihm den Abschied auf dem Platz.

Es sah aus wie immer. Und doch war diesmal alles anders. Stan Wawrinka betrat den Platz der Basler St. Jakobshalle. Er spielte sich ein, drosch die Bälle mit jener Wucht übers Netz, die ihn ein Vierteljahrhundert begleitet hatte. Dann diese einhändige Rückhand, noch immer so schön wie früher.

Wawrinka spielte wie immer: offensiv, kompromisslos. Manches gelang, manches nicht. Der Wille aber war derselbe im Spiel gegen den 17 Jahre jüngeren Tschechen Jiri Lehecka (ATP 21). Es war kein Tennis wie zu seinen besten Zeiten. Doch der 41-Jährige hielt dagegen und riss das Publikum zuweilen von den Sitzen. Bis zum letzten Schlag blieb sich Wawrinka treu.

Noch einmal ging er zur Grundlinie, wischte sich den Schweiss aus dem Gesicht, liess den Ball vor dem Aufschlag aufspringen. All die kleinen Rituale, tausendfach wiederholt. Nur diesmal führten sie auf ein Ende zu. Jeder Punkt brachte Wawrinka seinem letzten als Tennisspieler näher.

Um 23.01 Uhr war es vorbei. Nach fast 1000 Spielen endete Wawrinkas glanvolle Karriere mit einem 5:7, 6:7 (2:7) – und doch geht er als Sieger. «Es war schwierig», sagt er auf dem Platz. Dann bricht ihm die Stimme. Alle waren sie gekommen: seine Eltern Wolfram und Isabelle, Trainer Magnus Norman, seine 16-jährige Tochter Alexia, auch Ex-Frau Ilham Vuilloud.

Zu Tina Turners «Simply the Best» drehte Wawrinka unter stehenden Ovationen eine letzte Ehrenrunde. Er packte seine Tasche, klatschte die Ballkinder ab und liess sich von Turnierdirektor Roger Brennwald umarmen. Dann ging Stan Wawrinka vom Platz – ein allerletztes Mal.

Mit Roger Federer prägte er eine goldene Ära im Schweizer Männertennis. Federer schien makellos: elegant, souverän, fast unantastbar. Wawrinka dagegen war «für viele der Schweizer, der verliert», wie er einmal über sich sagte. Er kannte Niederlagen, Zweifel, Rückschläge – auf dem Platz und im Privatleben. Trotzdem schaffte es Wawrinka bis an die Weltspitze.

Sie ist reich an grossen Triumphen: Der Romand gewann drei Grand-Slam-Turniere (die Australian Open 2014, die French Open 2015 und die US Open 2016), wurde 2008 mit Roger Federer Olympiasieger im Doppel und führte die Schweiz 2014 zum erstmaligen Davis-Cup-Erfolg. Er war die Nummer 3 der Welt und gehörte während Jahrzehnten zur Weltspitze.

Seine Erfolge überdauern werden zwei Dinge. Seine unverwechselbare einhändige Rückhand, weit ausgeholt und mit voller Wucht durchgezogen, war weit mehr als nur sein schönster Schlag. Sie war seine gefährlichste Waffe – explosiv, präzise, selbst unter höchstem Druck offensiv gespielt.

Unvergessen bleibt auch der gestreckte Zeigefinger an der Schläfe, den Wawrinka nach wichtigen Punkten immer wieder zeigte. Eine Geste, die für jene mentale Stärke steht, die seine Karriere prägte: den Glauben an sich selbst, Beharrlichkeit und die Fähigkeit, über sich hinauszuwachsen.

Wawrinka hat sich bis zuletzt die Freude an der harten Arbeit bewahrt – und vor allem die Leidenschaft für das Spiel, als das er Tennis immer verstanden hat. Mit dieser letzten Saison setzte er noch einmal alles auf eine Karte. Es war eine Wette auf den eigenen Körper und den eigenen Willen. Eine Verletzung hätte ihm das Ende aufzwingen können.

Doch die Wette ging auf: Wawrinka konnte selbst bestimmen, wann und wie er aufhört. Vielleicht ist das der schönste Triumph seiner Karriere.

Einen letzten grossen Auftritt hat Stan Wawrinka noch in der Schweiz. Am 19. Dezember lädt der Romand in der Genfer Palexpohalle zu seiner ganz persönlichen Abschiedsgala. Unter dem Titel «One Last Backhand» lässt er gemeinsam mit Roger Federer, Andy Murray und Gaël Monfils und rund 12'000 Zuschauern die Höhepunkte seiner Karriere noch einmal aufleben. Im Zentrum steht dabei auch seine einhändige Rückhand. Der Schlag, der Wawrinka zu einem der spektakulärsten Spieler seiner Generation machte.

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