Fussball-WM 2026

Hat das SRF die Nati-Stars verschlafen? Das Bild des Tages flimmerte nicht über die Bildschirme

Die Schweiz im tiefen Schlaf. Die ganze Schweiz? Von wegen. Von überall her strömen die Nati-Fans um 4 Uhr morgens zu den Public Viewings, um den Sechzehntelfinal gegen Algerien zu schauen. Dabei ist SRF zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht auf Sendung. Immerhin: Sascha Ruefer macht danach einen guten Job.
Für einmal ist Sascha Ruefer nachsichtiger mit der Nati als sein Co-Kommentator Benjamin Huggel.
Bild: SRF/Gian Vaitl

Als um 4 Uhr morgens die ersten Gäste im Public Viewing von CH Media eintreffen, gucken sie auf einen schwarzen Bildschirm. Spinnt die Technik? Nein, sagt der Betreiber. SRF zwei sei noch nicht auf Sendung. Auch kurz vor 4.30 Uhr immer noch das selbe: ein grosser, schwarzer Bildschirm.

Wie das? Selbst vor unbedeutenden Testspielen stimmt uns das Staatsfernsehen mindestens 40 Minuten vor Anpfiff ein. Aber das ist definitiv kein unbedeutender Match. Im Gegenteil. WM-Sechzehntelfinal. Schweiz - Algerien. Murat Yakin versus Vladimir Petkovic. Allein damit könnte man eine Stunde Sendezeit füllen.

Die werden doch wohl nicht vergessen haben, dass heute ein grosses Spiel ansteht? Oder haben sie verschlafen? Technische Probleme? Wir wissen es nicht. Sind aber gleichwohl etwas erleichtert, als eine halbe Stunde vor Spielbeginn, also um 4.30 Uhr, auf SRF zwei die Schalte nach Vancouver beginnt. «Aufgrund der aussergewöhnlich frühen Anspielzeit um 5.00 Uhr haben wir uns bewusst für ein kürzeres, halbstündiges Vorprogramm entschieden. Es war davon auszugehen, dass viele Zuschauerinnen und Zuschauer erst kurz vor Spielbeginn einschalten würden», schreibt SRF auf Anfrage.

SRF hat das Bild des Tages nicht

Aber etwas mehr als 20 Minuten Fernsehrauschen sind wenig. Entsprechend lieblos, uninspiriert und gedrängt ist die Vorberichterstattung auf SRF. Und das Bild des Tages liefert uns das Fernsehen auch nicht. Nämlich Bundespräsident Guy Parmelin, wie er vor dem Spiel mit Nati-Trainer Murat Yakin plaudert. Also nicht das Zusammentreffen der beiden Alphatiere ist das Bild des Tages. Sondern Parmelins Outfit. Genauer seine Dächlikappe. «Switzerland great since 1291» ist weiss auf MAGA-Rot gestickt. Ein gelungener Seitenhieb gegen US-Präsident Donald Trump und dessen Zollpolitik.

Das Bild des Spiels: Guy Parmelin und die Dächlikappe: «Switzerland great since 1291.»
Bild: Peter Klaunzer/Keystone

Zum Spiel: Es beginnt für die Schweiz nicht super. Algerien hat die Kontrolle, Algerien drückt und Algerien hat früh eine vorzügliche Möglichkeit. Doch es ist die Schweiz, die in der 10. Minute in Führung geht und danach an Sicherheit gewinnt. Trotzdem fordert Co-Kommantor und Experte in Personalunion, Benjamin Huggel, in der ersten Trinkpause eine Taktikstunde von Murat Yakin. Warum eigentlich? Sollen die Algerier doch hinten rum spielen.

Für einmal weniger bei Sascha Ruefer als bei Huggel schwingt Skepsis, Argwohn und Kritik mit bei der Beurteilung des Schweizer Spiels. Klar, es ist nicht alles perfekt. Aber eigentlich hat die Schweiz das Spiel ganz gut im Griff. Ausser, wenn Gregor Kobel an den Ball kommt. «Kobel ist nicht der mitspielende Torhüter, sondern einer, der den Ball auch mal humorlos nach vorne drischt. Hat auch seine Vorteile», findet Ruefer. In der Nati selbst sieht man das etwas anders. Egal, ein Detail.

Algerien hat zwar mehr Ballbesitz, aber die Schweiz die etwas gefährlicheren Abschlüsse und vor allem mehr Struktur in ihrem Spiel. Trotzdem spricht Paddy Kälin zur Pause vom «bestmöglichen Lohn». Als müssten wir uns für die Führung schämen. Schräg, diese Einschätzung.

Gegen Schluss wirds witzig

Da kommt Sascha Ruefer gerade gelegen, als er vor Wiederbeginn der Partie so etwas zu Euphorie zu vermitteln versucht. «Was in Sursee wohl abgeht...» Sursee? So etwas wie der Nabel der Nati-Kommentierung auf SRF, seit Ruefer 2008 die Stimme des Schweizer Fussballs wurde.

Ein netter Running Gag. Apropos: Je länger das Spiel dauert, je klarer sich der Sieg abzeichnet, desto lockerer werden unsere Fernsehleute. Selbst Huggel. Er findet, Fabian Rieder müsse nach seiner vergebenen Gross-Chance einen ausgeben. Und Ruefer schlüpft am Schluss sogar in die Rolle von Andy Möller. Unfreiwillig zwar, aber immerhin.

«Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien!» sagte Möller, als er 1992 Frankfurt verliess. Und Ruefer? Er spricht von Ghana oder Ecuador als Gegner im Achtelfinal. «Ghana oder Ecuador, Hauptsache Südamerika», wäre ein humoristisches Highlight gewesen. Faktenbasiert hätte es heissen müssen: Ghana oder Kolumbien. Egal. Hauptsache, SRF stimmt uns am Dienstag nicht erst um 21.30 Uhr auf den Achtelfinal ein.

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