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Olympische Spiele

Seine Kinder zeichneten Herzen auf seinen Helm – dann gewinnt Alex Fiva mit 40 Jahren Bronze

Bei Alex Fiva wird alles im Leben zum Wettkampf. Selbst ein romantisches Date. In Livigno gewinnt er Bronze im Skicross und damit seine zweite Olympiamedaille.
Alex Fiva holt nach Silber in Peking nun die Bronzemedaille.
Bild: Peter Klaunzer/Keystone

Völlig ausgepumpt sitzt Alex Fiva auf dem Boden. 40 Jahre ist er bereits alt. Und doch hat er es an seinen vierten Olympischen Spielen noch einmal fast allen gezeigt. Nach Silber vor vier Jahren gewinnt er dieses Mal Bronze.

Die meisten Konkurrenten sind deutlich jünger als Fiva. Doch das merkt man nicht. Neuschnee hat die ohnehin flache Skicross-Strecke in Livigno nochmals langsamer gemacht. Manche versuchen, mit Schlittschuhritten oder Stockstössen zu reagieren. Komplett «blau» sind alle Athleten im Ziel.

Fiva setzt sich nach jedem seiner Läufe sofort hin. Insgesamt fünfmal muss er den Kurs bewältigen. Einmal in der Setzrunde, dann viermal im K.-o.-System gegen drei Kontrahenten, wobei nur zwei Athleten die nächste Runde erreichen. Es ist ein Duell Mann gegen Mann und gegen den Schnee.

«Das war das strengste Rennen, das ich je bestritten habe», sagt Fiva. «Ich hatte schon nach der ersten Runde Krämpfe. Es war so langsam, einfach Horror.» Energie brachte ihm der Gedanke an seine Kinder. Auf seinen Helm zeichneten sie drei Herzen. Dazu kam je ein Handabdruck pro Kind.

Alex Fiva fuhr mit Herzen und Handabrücken seiner Kinder auf dem Helm.
Bild: PETER KLAUNZER/Keystone

Titelverteidiger Regez scheitert im Halbfinal

Im Viertelfinal bleibt Fiva nach dem Start mit den Ski beinahe auf dem Schnee kleben und fällt weit zurück. Doch der Bündner, der in Newport Beach in Kalifornien geboren wurde, kämpft sich zurück und überholt sogar noch Ryan Regez. Sein Schweizer Teamkollege wurde vor vier Jahren Olympiasieger im Skicross. Dieses Mal ist für ihn im Halbfinal Schluss.

Regez wird für einen Regelverstoss – er hat einen Konkurrenten mit der Hand zurückgehalten – bestraft und darf zum kleinen Final nicht mehr antreten. So wird es Rang acht. Fiva hingegen übersteht auch den Halbfinal. Und im Final sind dann nur zwei Italiener schneller als er.

Simone Deromedis, der Sieger, ist 25. Und auch der Silbergewinner Federico Tomasoni – er setzt sich im Fotofinish nur hauchdünn vor Fiva durch – ist mit 28 Jahren im Vergleich mit dem Schweizer noch jung.

Bei Fiva wird alles im Leben zum Wettkampf

Fiva gilt als akribischer Arbeiter, als einer, der bei allem, was er tut, 100 Prozent gibt. Und er ist einer, der aus allem einen Wettkampf macht. Seine Ehefrau Regula, mit der er zwei gemeinsame Kinder hat, erzählte der «Südostschweiz»: «Ich kann mich an einen romantischen Abend erinnern, als wir irgendwo draussen auf einer Bank sassen. Er begann plötzlich, mit Steinchen nach einem Ziel zu werfen. Wer näher herankommt, gewinnt.»

Alex Fiva: «Es war das strengste Rennen meiner Karriere.»
Bild: SERGEI ILNITSKY/EPA

Fivas Teamkollegin Talina Gatenbein erzählt: «Als seine Kinder zur Welt kamen, fragte ich ihn, wie er es schaffe, alles unter einen Hut zu bringen. Er meinte dann ganz simpel: ‹Ich mache meine Intervalleinheiten halt am Morgen früh oder abends spät.›» Daneben sitzt Fiva auch im FIS-Council und vertritt im Internationalen Skiverband die Meinung der Athleten.

14 Weltcuprennen konnte Fiva bisher gewinnen. Insgesamt 39-mal stand er auf dem Podest. Zu seinen zwei Olympiamedaillen kommt auch noch der Weltmeistertitel 2021. Wie es mit seiner Karriere weitergeht, lässt der Bündner offen. «Wann ist Olympia in der Schweiz? 2038 hoffentlich», scherzt er und hängt ernster an: «Nein, ich weiss es wirklich noch nicht.»

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