
Sie hat es wieder geschafft: Zum dritten Mal in Serie gewinnt Fanny Smith bei Olympischen Spielen eine Medaille. Nach zwei dritten Plätzen kam in Livigno Silber dazu. Im entscheidenden Moment war Smith erneut bereit.
Dabei sprach im Vorfeld wenig für sie. In den Tagen vor dem Rennen hatte sich Smith vor allem aufgeregt. Über die in ihren Augen viel zu einfache Olympia-Strecke im Skicross. Und über die fehlende Wertschätzung, die ihre Sportart erhält. Smith störte sich unter anderem daran, dass im Zielraum nicht einmal eine Tribüne für die Zuschauer aufgebaut wurde.
Doch Smith gelang es, all dies für die Rennen auszublenden. «Am Ende ist es, wie es ist», sagte die 33-Jährige. «Nach der schwierigen Vorbereitung war meine mentale Stärke entscheidend für meinen gelungenen Auftritt.»
Smith hat in ihrer Karriere einiges erlebt. Auch an Olympischen Spielen. Vor vier Jahren in Peking fuhr sie im Final auf Rang drei – wurde dann aber wegen eines vermeintlichen Regelverstosses disqualifiziert. Erst Tage später und nach einem Rekurs des Schweizer Teams bekam sie Bronze zugesprochen. «Mir wurden alle Emotionen geraubt», sagte sie hinterher.
Das Wiedersehen mit Daniela Maier
Am Freitag in Livigno war dies anders. An Fanny Smiths Silbergewinn bestanden überhaupt keine Zweifel. Souverän hatte sich die Schweizerin über Achtel-, Viertel- und Halbfinal für den Showdown der besten Vier qualifiziert und wurde im Final einzig von Daniela Maier geschlagen.
Ausgerechnet von Maier, könnte man jetzt sagen. Mit der Deutschen kam es vor vier Jahren zu jener Berührungen, die zur Disqualifikation von Smith führte. Maier wollte die Bronzemedaille allerdings zu Beginn überhaupt nicht annehmen, sprach Smith im Gegenteil von jeglicher Schuld frei.

Nach einem weiteren Rekurs, dieses Mal vom deutschen Team, wurden Smith und Maier Monate später schliesslich beide als Drittplatzierte gewertet. «Das ganze Drama hat uns noch enger zusammengeschweisst», sagt Maier heute. «Es ist richtig schön, jetzt einmal gemeinsam mit Fanny auf dem Olympia-Podest zu stehen.» In Peking wurde ihnen das verwehrt.
Auch für Smith war der Gewinn von Silber eine Art Versöhnung mit Olympia. «Es ist wunderschön», sagte sie. «Ich bin mit meiner Art oft sehr fordernd. Aber diese Einstellung steht am Ursprung meines Erfolgs und erklärt, warum ich jetzt wieder eine Olympiamedaille gewonnen habe.»
Smith traut sich, ihre Meinung offen kundzutun. Egal, ob es gegenüber den Trainern, den Serviceleuten oder den Olympia-Organisatoren ist. «Ich kann sehr streng sein», sagt sie. Und sie ergänzt – auch mit Blick auf die Zukunft des Skicross: «Wir Athletinnen müssen auch eine Stimme haben.»
Die 33-Jährige, die offenlässt, wie es bei ihr persönlich weitergehen wird, sorgt sich um die Richtung, die der Sport eingeschlagen hat. «Skicross ist eine Show – und es muss eine Show bleiben. Ich mag Adrenalin, grosse Sprünge, grosse Elemente. Aber die Strecken werden immer einfacher.»
Die Westschweizerin wünscht sich von den Organisatoren wieder mehr Mut. Denn sonst drohe der Sport – der es ohnehin nicht einfach hat, im Schatten der alpinen Skirennen zu existieren – weiter an Bedeutung zu verlieren. «Wir bewegen uns aktuell in eine falsche Richtung», sagt Smith.
Smith gibt im Schweizer Team weiter den Ton an
Sportlich läuft bei Smith derweil alles rund. Nachdem sie sich vor einem Jahr zum zweiten Mal nach 2013 zur Weltmeisterin krönen konnte, war sie auch in Livigno zur Stelle und sorgte für die nächste Olympiamedaille in der Geschichte des Schweizer Skicross. Es ist die dritte bei den Frauen, seit die Sportart 2010 olympische Premiere feierte. Alle gewann Fanny Smith.
Die weiteren Schweizerinnen verpassten in Livigno den Vorstoss in den Final. Im Fall von Talina Gantenbein allerdings nur hauchdünn. Erst das Zielfoto entschied im Halbfinal zugunsten der Französin Marielle Berger Sabbatel. Gantenbein gewann schliesslich den kleinen Final und wurde Fünfte. Sixtine Cousin klassierte sich auf Rang sieben. Saskja Lack wurde 13. Im Schweizer Team der Frauen gibt weiterhin Fanny Smith den Ton an.


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