Stefan Brennsteiner erlöst beim Riesenslalom von Copper Mountain die Skination Österreich und sich selbst. Der 34-Jährige gewinnt sein erstes Weltcuprennen überhaupt und beendet gleichzeitig eine Austria-Durststrecke mit 23 Riesenslaloms ohne Sieg.
Entsprechend gross war die Freude bei Brennsteiner, dem die ausgesprochene Nervosität vor dem zweiten Lauf während der Fahrt nicht im Geringsten anzumerken war. Er deklassierte die Konkurrenz im Stile eines Marco Odermatt. Der Nidwaldner war zuvor im ersten Lauf der Einzige, der bis zum Steilhang schneller als der Österreicher unterwegs war, ehe ein Innenskifehler seinen aktuellen Flow unsanft beendete.

Jubel bei Österreich, Katzenjammer im Schweizer Team. Auch bei den Schweizern ging in den Rocky Mountains eine Serie zu Ende – eine Erfolgsserie. Zuvor war in zehn Riesenslaloms stets ein Fahrer von Swiss-Ski auf dem Podest vertreten. Diesmal konnte sich Routinier Thomas Tumler mit dem Prädikat «bester Schweizer» als Neunter nichts kaufen. «Es ist seltsam. Ich darf offensichtlich nicht nach meinem Gefühl gehen. Ich war mir eigentlich sicher, dass ich mit dieser Fahrt im Ziel in Führung gehen würde», sagte Tumler. Er war als Dritter des ersten Laufs in den Finaldurchgang gestartet.

Noch ratloser und spürbar angesäuert kommentierte Löic Meillard seinen Auftritt. Der Walliser ist aktuell meilenweit von jener Form entfernt, welche ihn zum Schluss der vergangenen Saison mit zwei Siegen in Serie zum stärksten Riesenslalom-Fahrer werden liess. Auch Meillard fuhr mit dem Gefühl über die Ziellinie, «dass meine Leistung nicht so schlecht war». In der Realität wurde er bis auf Rang 18 durchgereicht. Auf die Frage, welche Anpassungen es jetzt brauche, antwortete Meillard: «Ich habe keine Antwort und keinen Plan, was ich zu tun habe.»

Nur einen Platz hinter Meillard klassierte sich Luca Aerni, der dritte Schweizer, der es in den zweiten Lauf schaffte. Immerhin konnte er seinen 19. Rang nach einem äusserst zähen Saisoneinstieg mit einem positiven Mindset bilanzieren. Aerni verwies auf seine teilweise guten Abschnittszeiten, auf denen er aufbauen könne.
Marco Odermatts vierter USA-Ausfall
Der grösste Schweizer Trumpf musste die Segel bereits im ersten Lauf streichen. Marco Odermatts deutliche Zwischenbestzeiten blieben für einmal ein Muster ohne Wert. Ein typischer Innenskifehler bedeute das Ende seiner Ambitionen, auch den dritten Saisoneinsatz siegreich zu beenden.
Grippe ein Faktor bei Odermatt – Maes fühlt sich wie ein Raucher
Odermatts Ausfälle haben Seltenheitswert. Dass der 28-Jährige bereits zum vierten Mal bei einem Weltcup-Riesenslalom in den USA das Ziel nicht sieht, ist hingegen nicht Zufall. Der Schweizer Skistar erwähnte bei der Analyse seines Missgeschicks den speziellen Schnee in den Rocky Mountains, der diese Art von Innenskifehler provoziere. Trotzdem ärgerte sich «Odi» über den Ausfall, «weil mir so etwas im Training eigentlich nie passiert».
24 Stunden nach seinem Sieg im Super-G war der Energieverlust aufgrund der leichten Grippe von Anfang Woche bei Marco Odermatt ebenfalls ein Faktor. Selbst Modellathlet Odermatt lag nach seinem Ausscheiden mit schnappenden Atemzügen im Schnee. Vielen weiteren Fahrern ging im Schlussteil der auf über 3000 Metern Höhe liegenden Strecke der Schnauf aus. Der Belgier Sam Maes sagte im Ziel: «Ich fühle mich, als hätte ich mein ganzes Leben lang geraucht». Marco Odermatt blieb nicht das einzige prominente Ausfall-Opfer. Mit dem Norweger Atle Lie McGrath musste ein weiterer Podestfahrer von Sölden seinen Arbeitstag bereits nach dem ersten Lauf beenden.
Grosse Enttäuschung zeigte Marco Odermatt indes nicht. Er rang seinem Ausfall sogar einen positiven Aspekt ab. Seiner Regeneration komme der ungeplante Verzicht auf den zweiten Riesenslalom-Lauf mit Blick auf das strenge Programm in der nächsten Woche in Beaver Creek mit drei Rennen nicht ungelegen.
Copper Mountain (USA). Weltcup-Riesenslalom der Männer: 1. Stefan Brennsteiner (AUT) 2:30,98. 2. Henrik Kristoffersen (NOR) 0,95 zurück. 3. Filip Zubcic (CRO) 1,00. 4. Marco Schwarz (AUT) 1,02. 5. Alex Vinatzer (ITA) 1,16. 6. Zan Kranjec (SLO) 1,18. 7. Sam Maes (BEL) und Léo Anguenot (FRA) je 1,34. 9. Thomas Tumler (SUI) 1,58. 10. Alexander Schmid (GER) und Lucas Pinheiro Braathen (BRA) 1,62. - Ferner: 18. Loïc Meillard (SUI) 2,36. 19. Luca Aerni (SUI) 2,38.
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