Oben auf dem Podest standen andere. Und doch fühlte sich Ramon Zenhäusern nach diesem Slalom am Chuenisbärgli wie ein Sieger. «Adelboden hat mir mal wieder eine Saison gerettet», sagt er.

Mit den vordersten Plätzen hatte Zenhäusern nichts zu tun. Am Ende klassierte er sich auf Rang 15. Und doch verband ihn etwas mit Sieger Paco Rassat. Einzig der Franzose war im zweiten Lauf schneller gefahren als Zenhäusern. Rassat katapultierte sich mit einer entfesselten Fahrt noch von Zwischenrang vier auf den Thron. Zenhäusern gewann elf Ränge.
«Es fühlt sich fast ein wenig an wie eine Auferstehung», sagt Zenhäusern. Der 33-Jährige hat schwierige Jahre hinter sich. Dabei war er im Slalom ebenfalls mal ganz oben. Zwischen 2019 und 2023 gewann er vier Slaloms auf höchster Stufe. Dazu kommen Silber an den Olympischen Spielen 2018 und sechs weitere Slalom-Podestplätze im Weltcup. Doch seit drei Jahren ging es bergab. Seit März 2023 erreichte er nur noch einmal die Top 10.
Es droht der Rauswurf aus den Kadern
In den Startlisten ist Zenhäusern erst aus der Top-Gruppe und später sogar aus den ersten 30 gefallen. In Adelboden trug er die 33 – und das nur, weil er nach wie vor über gute FIS-Punkte verfügt. Allein anhand der Resultate im Weltcup käme er noch später dran. Von Swiss-Ski wurde er in den B-Kader zurückversetzt. Und weil es Zenhäusern in dieser Saison vor dem Auftritt in Adelboden auch nicht lief, drohte der Rauswurf aus den Kadern.
In einem Jahr finden in Crans-Montana die Ski-Weltmeisterschaften statt. Ein Auftritt im Wallis wäre für Zenhäusern, der in Bürchen aufgewachsen ist, ein schöner Schlusspunkt. Sein Vater Peter sagt: «Klar: Ramon hatte eine schöne Karriere. Eine, von der viele nur träumen. Und doch wäre es brutal, wenn er aus den Kadern fliegt.» Zwar könnte Ramon Zenhäusern auch dann weitermachen. Doch finanziell würde es zu einem Kraftakt.

In Adelboden hat Zenhäusern am Sonntag - überspitzt formuliert - seine Karriere gerettet. Er sagt: «Diese Emotionen und dass es ausgerechnet in Adelboden passiert, fühlt sich an wie ein Déjà-vu.» Am Chuenisbärgli gewann Zenhäusern 2013 zum ersten Mal Weltcuppunkte. Hier fuhr er zum ersten Mal in die Top 10 (2016). «Und auch meine erste Laufbestzeit realisierte ich hier», sagt er. Das Chuenisbärgli wird zu seinem Kraftort.
Nef als Achter bester Schweizer
Weit weniger gut ist die Gefühlslage nach dem Slalom in Adelboden bei den weiteren Schweizern. Loïc Meillard fädelte im zweiten Lauf ein und sagt: «Es tut weh.» Nach dem ersten Durchgang hatte er auf Rang fünf gelegen. Zum Zeitpunkt seines Ausscheidens lag er virtuell in Führung.
Bester Schweizer wurde Tanguy Nef, der sich nach zwei soliden Läufen auf Rang acht klassierte. «Ich bin viel stabiler geworden», bilanzierte er. In der Tat ist seine Ausfallquote tief. Gleichzeitig fehlt ein wenig die Bereitschaft zum Risiko, die es bräuchte, um erstmals in seiner Karriere auf das Podest zu fahren. Wie es gehen könnte, zeigt Paco Rassat. «Er fährt so eng und schnell. Er ist der Einzige im Feld, der mir Respekt einflösst», sagt Nef.
Auch Rassat hat an seiner Ausfallquote gearbeitet. Vor allem im mentalen Bereich, wie er in Adelboden erklärte. «Nun gelingt es mir, die Atmosphäre aufzusaugen, statt von ihr erdrückt zu werden.» Es funktioniert. Mit Marc Rochat auf Rang 24 und Daniel Yule auf Rang 26 gewannen zwei weitere Schweizer Punkte. Für Rochat war es in diesem Winter eine Premiere.


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