
Manchmal braucht es im Leben Geduld. Dieses Motto gilt seit zehn Jahren auch für die italienische Skirennfahrerin Laura Pirovano. Die 28-jährige Speedspezialistin stand bis zur Abfahrt in ihrer engeren Heimat am Freitag 124-mal im Weltcup am Start, ohne dass ein einziger Podestplatz herausschaute.
Mehrfach verpasste die Athletin aus dem Trentino dieses Ziel nur knapp, manchmal sogar dramatisch. Wie vor einigen Wochen beim Super-G in Crans-Montana, als sie bis wenige Fahrsekunden vor dem Ziel klar vor Malorie Blanc führte, ehe sie nach einer bis dahin perfekten Fahrt und mit dem sicheren Sieg vor Augen in der letzten Kurve einen zeitraubenden Fehler beging.
An diesem sonnigen Freitag jedoch gab es keine Unwägbarkeiten mehr und wurde Laura Pirovano zum gefühlt am meisten umarmten Mensch der Welt. Es gab wohl keine Fahrerin, welche der bescheidenen Italienerin, die regelmässig im Schatten ihrer ungleich erfolgreicheren Landsfrauen Sofia Goggia und Federica Brignone stand, den Sieg im Heimrennen im Val di Fassa nicht gegönnt hätte.
Angesichts dieses wahr gewordenen Märchens mochte selbst die Deutsche Emma Aicher nicht über ihren minimalsten Rückstand von einer Hundertstelsekunde klagen. Aicher freute sich stattdessen darüber, dass sie dank Rang 21 ihren Rückstand in der Disziplinenwertung auf die nach wie vor führende Lindsey Vonn auf nunmehr 14 Punkte verkleinern konnte.

Nach einem höchst erfreulichen Wochenende in Soldeu mit ihrem Abfahrtssieg und den Rängen drei und vier in den beiden Super-G war die wiedererstarkte Schweizer Teamleaderin Corinne Suter auch im Val di Fassa drauf und dran zu einem Exploit. Bei Zwischenzeit 3 vor dem technischen Schlussabschnitt lag die Schwyzerin noch stolze 23 Hundertstel vor der späteren Siegerin. Niemand absolvierte die erste Streckenhälfte annähernd so schnell wie Suter.
Doch auf den letzten 30 Fahrsekunden vergab die Olympiasiegerin von 2022 ihren Vorsprung mit einigen unsauberen Passagen im technisch anspruchsvollen Abschnitt. Letztlich resultierte Platz 8 mit einem Rückstand von 49 Hundertstel auf die Siegerin. Bereits am Samstag kann es Corinne Suter in der zweiten Abfahrt besser machen.
Wie dünn die Auswahl an Schweizer Topfahrerinnen aktuell bleibt, bewies der Umstand, dass Jasmine Flury nach ihrem Comeback im Anschluss an ihren Innenbandriss im Knie als 21. die zweitbeste Athletin von Swiss-Ski ist. Die Bündnerin verwies im Ziel auf einen grösseren Fehler und zeigte sich überzeugt, für den zweiten Anlauf am Samstag Potenzial für eine deutliche Steigerung zu besitzen.


Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.