
Der Zentralvorstand des Schweizerischen Fussballverbands (SFV) hat beschlossen, die Unterstützung für die Kandidatur von Gianni Infantino für eine weitere Amtszeit als Fifa-Präsident zurückzuziehen. Es ist eine Kehrtwende: Noch im Juni hatte sich der Verband für eine weitere Amtszeit des Schweizers an der Spitze des Weltfussballverbands ausgesprochen.
Der Entscheid folge auf eine umfassende Neubewertung der Entwicklungen der vergangenen Monate, teilt der Verband in einer Mitteilung mit. SFV-Präsident Peter Knäbel erklärt: «Der Schweizerische Fussballverband erwartet von der Führung der Fifa höchste Standards in Bezug auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit und institutionelle Verantwortung.»

Infantino gerät international immer stärker unter Druck
Der Entscheid des Schweizerischen Fussballverbands hat Signalwirkung. Denn der SFV ist längst nicht der einzige Verband, der auf Distanz zu Infantino geht. Seit der Weltmeisterschaft im Sommer hat sich die Kritik am Fifa-Präsidenten deutlich verschärft. Im Zentrum stehen insbesondere zwei Kontroversen: die Aufhebung der Rotsperre des US-Nationalspielers Folarin Balogun nach Intervention von Donald Trump während der Weltmeisterschaft und das inzwischen aufgegebene Projekt Fifa Forward Enterprise.

Infantino plante eine Fifa-Tochtergesellschaft, in der die kommerziellen Aktivitäten des Weltverbands gebündelt und bis zu 20 Prozent an externe Investoren verkauft werden sollten. Das Projekt stiess bei den Kontinentalverbänden in Europa, Nord- und Mittelamerika sowie Asien auf heftigen Widerstand.
Unter wachsendem Druck reagierte Infantino am 21. September mit dem Vorschlag, die Governance und die Entscheidungsprozesse der Fifa durch eine unabhängige externe Überprüfung untersuchen zu lassen. Für den Schweizerischen Fussballverband reicht dies jedoch nicht aus. «Die im Schreiben vom 21. September von der Fifa angekündigten Schritte sind zwar ein wichtiges Signal und können zu Verbesserungen beitragen», so Knäbel.
Aber: «Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen zu den Hintergründen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsprozessen offen. Da diese nicht überzeugend geklärt sind, können wir eine weitere Unterstützung der Kandidatur von Gianni Infantino nicht verantworten.»
Der Entscheid des SFV erhält weltweites Gewicht, weil Infantino Schweizer ist und die Fifa ihren Sitz in Zürich hat. Ausgerechnet der Verband des Sitzlandes entzieht dem Fifa-Präsidenten damit seine Unterstützung. Die nächste Wahl des Fifa-Präsidenten findet am 18. März 2027 beim Fifa-Kongress in Rabat statt. Gianni Infantino hat bereits angekündigt, erneut anzutreten. Doch der Gegenwind für den Walliser wird immer stärker – jetzt sogar aus dem eigenen Land.


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