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Lucas Pinheiro Braathen möchte am liebsten ein Duell. Ein Duell mit Marco Odermatt um den Gewinn des heiligen Grals im Skisport: der grossen Kristallkugel für den Gewinner im Gesamtweltcup. «Rang zwei hatte ich schon – jetzt möchte ich den nächsten Schritt tun», sagt der 26-Jährige.
Und nun, im ersten Rennen der Männer, im Riesenslalom von Sölden? Lässt Pinheiro Braathen der Kampfansage ein erstes grosses Ausrufezeichen folgen. Er gewinnt das Rennen souverän. Auch die Schweiz darf jubeln. Loïc Meillard wird Zweiter (+0,48), Marco Odermatt Dritter (0,49).
Unten im Zielraum von Sölden jubelt Isadora Cruz. Erstmals überhaupt verfolgt die Freundin von Pinheiro Braathen, ein brasilianisches Model, ein Rennen vor Ort. Und wird gleich Zeugin einer herausragenden Leistung ihres Liebsten. Als sich die beiden kurz nach Rennschluss in den Arm schliessen, küssen sie sich innig. «Müssen wir diese Bilder wirklich anschauen?», fragt Pinheiro Braathen kurz darauf im Interview mit dem ORF lachend.


Sölden ist für den 26-Jährigen ein gutes Pflaster. Hier hat er sein erstes Weltcuprennen überhaupt gewonnen. Damals noch für Norwegen. Der Rest der Geschichte ist bekannt. Er trat zurück. Machte ein Jahr Pause. Kehrte danach für die Flagge Brasiliens zurück. Und nun bläst er zum Angriff auf Odermatt.
Doch nach dem Sieg sagt Pinheiro Braathen auch: «Es ist gerade alles ein bisschen viel. Ich bin einfach dankbar für alle, die mich auf meinem Weg begleitet haben.» Angesprochen auf den Gesamtweltcup fügt er an: «Natürlich habe ich meine Ziele. Aber an einem Renntag ist nur das Heute wichtig. Ich bin stolz, dass ich diesen Fokus behalten konnte.» Saisonübergreifend gewinnt er damit zum dritten Mal in Serie einen Riesenslalom.
Tolle Leistung von Meillard
Von den beiden Schweizern auf dem Podest ist Loïc Meillard einen Hauch schneller als Marco Odermatt. Rang zwei ist das beste Ergebnis in Sölden seiner Karriere. Was musste er hier nicht alles schon für Enttäuschungen erleben? Loïc Meillard und der Rettenbachferner, das war keine Liebesbeziehung. 2023 brach im eine Ski-Bindung auf. 2024 konnte er wegen Rückenproblemen gar nicht antreten. 2025 muss er mit Rang 14 vorlieb nehmen. Jedes Mal sind die Probleme von Stimmen begleitet, dass er unter dem auferlegten Druck, vielleicht einmal um den Gesamtweltcup mitkämpfen zu können, zerbricht.
Diesmal ist alles anders. Schon am Morgen zeigt Meillard eine tolle Leistung. Verliert nur 24 Hundertstel auf Pinheiro Braathen. Er bringt den Podestplatz souverän ins Ziel. Im untersten Teil der Strecke überholt er Odermatt noch um einen Wimpernschlag.

Ist Meillard erleichtert? «Nein, das wäre ein bisschen übertrieben», sagt er auf SRF. «Es ist einfach richtig toll, dass es funktioniert hat. Ich hatte grosses Vertrauen in mein Skifahren. Auf diesen beiden Läufen kann ich sehr gut aufbauen in dieser Saison.»
Gemischte Gefühle bei Odermatt
Und der Schweizer Superstar? Am Ende des Tages findet auch Marco Odermatt sein Lachen wieder. Der Vorjahressieger kann mit dem dritten Rang gut leben. Vor allem wegen des Auftritts am Nachmittag. «Das Podest hat für mich einen grossen Wert. Im zweiten Lauf bin ich wieder richtig Rennen gefahren. Nicht einfach schön den Berg runter... Dieses Gefühl nehme ich mit», sagt er bei SRF. Und weiter: «Am Morgen habe ich genau das nicht gemacht, was mich jahrelang auszeichnete: Skis immer voll bergab. Ich darf nicht schon bremsen, bevor der Fehler kommt.»

Odermatt bleibt also entspannt, trotz Pinheiro Braathens Machtdemonstration. Das hat durchaus seine Logik. Schliesslich kündigte er im Vorfeld an, noch nicht ganz in Topform zu sein. Auch wegen einer kleinen Verletzung im Oberschenkel, die ihn in der Vorbereitung leicht behinderte. «Ich spüre viel Lockerheit», sagte Odermatt. Gedanken wie vor einem Jahr, als er offenbarte, sich manchmal zu fragen, ob er überhaupt noch etwas zu gewinnen habe, sind diesmal weit weg. «Ich fühle ganz anders. Ich bin nie ins Studieren gekommen über den Sommer. Nie an den Punkt, an dem ich mir solche Fragen zu stellen begann.»
Wie stark ist Pinheiro Braathen im Super G?
Die Kampfansage von Braathen im Bezug auf den Gesamtweltcup nimmt er ohnehin gelassen. «Für mich ist es nur logisch, dass er so denkt. Ich wurde auch schon Zweiter im Gesamtweltcup und wollte ihn danach gewinnen. Wenn man als Sportler nicht das Ziel hat, nach einem zweiten Platz beim nächsten Mal zu gewinnen, dann ist man kein Spitzensportler», sagt er.
Nach einem einzigen Rennen lassen sich selbstredend noch keine grösseren Tendenzen ablesen. Entscheidend für Pinheiro Braathen wird sein, neben guten Resultaten in Riesenslalom und Slalom auch regelmässig im Super G zu punkten. Nur dann hat er eine Chance, Odermatt unter Druck zu setzen.




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