Sölden

Höhenflug oder Grössenwahn? Die österreichischen Skifahrer suchen ihren James Bond

Der Österreichische Skiverband will die Schweizer Dominanz im Ski-Weltcup brechen. Doch während die Funktionäre grosse Töne spucken, zeigen sich die Athleten beeindruckt von Marco Odermatt und Co.

Oben angekommen, auf über 3000 Metern über dem Meer, serviert der Österreichische Skiverband (ÖSV) erst mal Champagner. Das darf als Fingerzeig gesehen werden. Die Erwartungen im ÖSV vor der am Samstag beginnenden Saison sind hoch. Die Lust auf berauschende Siegesfeiern ebenso. Darum lieber früh beginnen, als gar nicht erst in Laune kommen.

Der ÖSV hat an diesem Freitagmittag auf den Gaislachkogel eingeladen. Die imposante Bergkulisse diente den Machern von James Bond einst als Kulisse für den Film Spectre. Die Symbolik drängt sich auf: Während 007 im Film die Schurken jagt, sollen Marco Schwarz und seine Kollegen aus dem ÖSV-Team in der neuen Saison die Schweizer ein- und überholen.

Eine Kampfansage vom Cheftrainer

Fakt ist: So offensiv wie in diesem Jahr formulierten die Verantwortlichen des ÖSV ihre Ansprüche lange nicht mehr. Präsidentin Roswitha Stadlober antwortete in der «Kronen Zeitung» auf die Frage, ob der ÖSV nach Jahren der Schweizer Dominanz wieder zur Skination Nummer eins werden kann: «Wir arbeiten hart daran! Ich bin guter Dinge, dass uns das gelingen wird.»

Ähnlich klingt es bei Marko Pfeifer. Der Cheftrainer des österreichischen Männerteams sagt vor dem Saisonauftakt in Sölden: «Wir sind Österreich, wir haben in jeder Disziplin ein bis zwei bis mehrere Leute, die Rennen gewinnen können und werden. Wir brauchen uns nicht zu verstecken.»

Wobei einer mit der Unbezwingbarkeit eines 007 wohl trotzdem nicht schaden würde im Duell mit Marco Odermatt, Franjo von Allmen und Co. Bei den österreichischen Athleten, also bei denen, die es auf der Piste richten sollen, fällt die Zuversicht jedenfalls deutlich kleiner aus. Stefan Brennsteiner bläst zuerst einmal tief aus den Backen, als er mit Stadelobers Ansage, die Schweiz vom Thron zu stossen, konfrontiert wird. Dann sagt er: «Irgendwann sollte das schon das Ziel sein. Aber noch ist es schwierig.»

Die Athleten sehen es nüchterner

Ähnlich klingt es bei seinen Kollegen. Marco Schwarz hebt in seiner Analyse Marco Odermatt hervor: «In einer Disziplin zu den Besten zu gehören, ist cool. Marco schafft das in drei. Da kann ich nur den Hut ziehen.» Fast ein Fünftel der Punkte, die Swiss-Ski im vergangenen Weltcupwinter gesammelt hat (9110), stammte von Odermatt (1626).

Die Hauptrolle im Kampf um den Gesamtweltcup dürfte auch in der neuen Saison an Odermatt gehen. Und auch als Team sind die Schweizer Männer stärker einzustufen. Marco Schwarz sagt es so: «Es braucht von jedem unserer Athleten in jedem Rennen eine fast perfekte Leistung, damit wir mit den Schweizern mithalten können. Ihre Stärke ist beeindruckend.»

Und zumindest einer aus den Reihen der österreichischen Funktionäre teilt die Euphorie seiner Chefin ebenfalls nur bedingt. Alpin-Chef Christian Mitter sagte den «Salzburger Nachrichten»: «Wir haben mit dem Grossteil der Leute, die mitfahren, einfach keine realistische Chance, dass sie gewinnen können.» Und diese Punkte fehlen schliesslich im Nationencup.

Mitter möchte den Fokus auf die Entwicklung der Athleten legen und die Verbesserungsmöglichkeiten in den Mittelpunkt der Arbeit stellen, bevor man beginnt, über Rang eins zu sprechen. Er sagt: «Wenn man Zwölfter wird, dann hat man den zwölftbesten Riesentorlauf-Schwung des Tages und dann kann man schauen, warum bin ich Zwölfter und nicht Erster.»

Der Blick auf das Team der Frauen dürfte dem ÖSV Mut machen. Die Österreicherinnen klassierten sich in der vergangenen Saison in der Nationenwertung vor der Schweiz. Doch auf dem Gaislachkogel sind Julia Scheib und Co. nicht dabei. Das ÖSV-Frauenteam traf sich am Vortag unten im Dorf zum Gespräch mit den Medien. Die Zeit für einen weiblichen James Bond ist offensichtlich auch im ÖSV noch nicht reif.

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