Fussball

Murat Yakin schafft Klarheit und bindet diese beiden Doppelbürger an die Schweiz

Es ist eine Sorge, die den Schweizer Fussball seit Jahren begleitet: Wie gelingt es, die besten Doppelbürger für die Nati zu gewinnen? Nun macht Murat Yakin ernst. Der Nati-Trainer wird zwei Offensiv-Shootingstars für die Nations League aufbieten.

Aus Italien hören wir Wunderdinge über Alessandro Romano. Sions Winsley Boteli verblüfft mit der sagenhaften Quote von 12 Toren in ebenso vielen Partien. Und Alvyn Sanches orchestriert die YB-Offensive mit einer grossen Prise Magie.

Die drei Spieler verbindet mehr als nur Talent und die herausragende Form. Sie sind jung. Sie haben den Schweizer, aber auch noch einen anderen Pass. Und alle drei haben noch kein Wettbewerbsspiel für die Nati bestritten. Womit sie in ihrer Wahl noch immer frei sind, für welches Nationalteam sie auflaufen wollen.

Allein diese Ungewissheit sorgt für leicht erhöhten Puls beim Schweizer Fussballverband. Auch wenn keiner der drei sofort Anspruch auf einen Stammplatz in der Nati erheben kann, spielen sie perspektivisch eine wichtige Rolle.

Deshalb lässt Murat Yakin kaum etwas unversucht, das Trio für die Schweiz zu gewinnen. Bei zwei Spielern hat es geklappt, sie werden im Aufgebot für die kommenden vier Nations-League-Partien sein, bei einem bislang nicht.

Als Yakin im August nach Cagliari flog, tat er das nicht wegen der schönen Strände Sardiniens. Sondern, um Alessandro Romano für die Schweiz zu gewinnen. Zu diesem Zeitpunkt war der Name nur den wenigsten bekannt. Romano, erst 20 und zuvor vier Jahre im Nachwuchs der AS Roma, steht erst ganz am Anfang seiner Profikarriere. Doch die könnte sich glorios gestalten.

Im Sommer zu Cagliari gewechselt, hat sich der schweizerisch-italienische Doppelbürger beim Serie-A-Klub auf Anhieb einen Stammplatz erkämpft. Mehr noch. Romano hat mit seiner Spielweise selbst Roberto Mancini, den italienischen Nationaltrainer, beeindruckt.

Yakin spricht von einem guten, sympathischen Austausch, den er mit Romano auf Sardinien hatte. Doch am letzten Sonntag teilte ihm der Mittelfeldspieler mit, er wolle es im italienischen Nationalteam versuchen. Der Winterthurer spricht dabei von einem Herzensentscheid.

Boteli und Sanches stehen im Nati-Aufgebot

Yakin bedauert, aber er hadert nicht. Vielleicht auch, weil er bei einem anderen Youngster erfolgreicher war: Winsley Boteli. Der Typ ist ein Phänomen. Im Sommer 2025 leiht Mönchengladbach, wo der Genfer drei Jahre im Nachwuchs gespielt hat, Boteli an den FC Sion aus. Zu diesem Zeitpunkt ist er ein hoffnungsvolles Talent. Nicht mehr. Und heute? Ist er einer der aufregendsten Stürmer, den die Schweiz je gesehen hat. Sion, das ihn vor Wochen fix für 3,5 Millionen Euro verpflichtet hat, hätte ihn kürzlich bereits wieder für 30 Millionen an Galatasaray verkaufen können.

Ist nicht passiert. Dafür etwas anderes, äusserst erfreuliches. Boteli hat dem Werben des Kongos wiederstanden und sich in dieser Woche fix zur Schweiz bekannt. Und nun haben wir erfahren: Murat Yakin wird den Stürmer für die kommenden vier Nations League Partien (ab 26. September) erstmals aufbieten.

Auch Alvyn Sanches wird für die nächsten Spiele von Yakin berücksichtigt. Für den YB-Künstler ist es zwar nicht das erste Mal, das er zur Nati einrückt. Er hat sogar schon drei Einsätze für die Schweiz bestritten. Aber halt nur in Testspielen. Weshalb immer noch die latente Gefahr lauert, dass er sich für Portugal entscheiden könnte.

Murat Yakin schafft Fakten

Jetzt aber will Yakin Fakten schaffen. Sowohl Boteli als auch Sanches will er in Nordmazedonien, in Schottland oder in den Heimspielen gegen Slowenien und Nordmazedonien einsetzen, womit beide an die Schweiz gebunden sein werden. Womit auch das Damoklesschwert eines Nationenwechsels nicht mehr über der Nati hängt. Zumindest in den Fällen Boteli und Sanches.

Und Romano? Da ist das Schlusswort vielleicht noch gar nicht gesprochen. Trotz seiner überzeugenden ersten drei Serie-A‑Auftritte für Cagliari fällt es schwer zu glauben, dass Nationaltrainer Mancini den Newcomer international erfahrenen Spielern wie Tonali, Barella oder Locatelli vorziehen wird.

Yakin beklagt ziemlich viele verletzte Spieler

Neben Romano muss Yakin auf weitere Spieler verzichten. Aber aus anderen Gründen. Noah Okafor und Silvan Widmer sind zurückgetreten. Johan Manzambi hat sich im WM-Sechzehntelfinal gegen Algerien eine Knieprellung zugezogen und seither kein Spiel mehr bestritten. Selbst wenn er vor dem Nati-Zusammenzug am 21. September wieder fit sein sollte, ist es unwahrscheinlich, dass sein neuer Arbeitgeber Aston Villa findet: Wir schicken unseren 60-Millionen-Mann lieber zur Schweizer Nationalmannschaft als ihn bei uns in Form zu bringen.

Neben Manzambi fallen derzeit auch Ruben Vargas, Miro Muheim und Luca Jaquez aus. Kein Thema ist derzeit Nicolas Bosshardt. Zwar hat man den brasilianisch-schweizerischen Doppelbürger schon seit Jahresbeginn auf dem Radar. Aber der 19-jährige Aussenverteidiger des FC FC São Paulo verursachte im August einen tödlichen Autounfall. Mindestens so lange das Verfahren läuft, kann Bosshardt nicht mit einem Aufgebot rechnen.

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