Fussball-Nati

Boteli und Romano: Das erste Supertalent hat sich in der Doppelbürger-Frage entschieden

Italien oder Schweiz? Kongo oder Schweiz? Zwei Newcomer müssen diese Frage für sich beantworten. Bei einem ist der Fall mittlerweile klar.

Nächste Woche verkündet Murat Yakin das erste Nati-Aufgebot nach dem Viertelfinal-Einzug an der WM 2026. Im Fokus stehen zwei Namen: Alessandro Romano und Winsley Boteli. Obwohl die beiden 20-Jährigen noch keine Minute für die A-Nati auf dem Platz standen.

Der Grund für die Aufregung: Romano und Boteli haben nicht nur die schweizerische, sondern auch die italienische beziehungsweise kongolesische Staatsbürgerschaft. Und werden nach ihren kometenhaften Aufstiegen in den vergangenen Monaten aus den Heimatländern der Eltern umgarnt.

Bei Romano, so schreiben es seit Wochen italienische Medien, soll der Schweizer Fussballverband den Kampf gegen jenen aus Italien verloren haben. Trainer Roberto Mancini sehe den Mittelfeldspieler mittelfristig als zentrale Figur beim Neuaufbau der «Squadra Azzura», die zum dritten Mal in Folge die WM verpasst hatte - und Alessandro Romano habe seine Bereitschaft dazu erklärt.

Vater Umberto Romano, in der Schweiz bekannt als ehemaliger FCZ-, Winterthur- und Wohlen-Trainer, hat dem jüngst jedoch widersprochen. Gegenüber dem Tessiner Fernsehen «RSI» sagte er, eine Entscheidung werde sein Sohn dann fällen, wenn entsprechende Aufgebote vorliegen würden.

Alessandro Romano wechselte im Sommer nach über vier Jahren in der Nachwuchsabteilung der AS Roma zu Serie-A-Klub Cagliari und konnte in den ersten drei Saisonspielen überzeugen. Um ihm seine Wertschätzung zu beweisen, reiste Nati-Trainer Murat Yakin im August an ein Cagliari-Spiel und soll Romano im anschliessenden Gespräch ein Nati-Aufgebot in Aussicht gestellt haben.

Boteli der designierte Embolo-Nachfolger

Bei Romano wäre eine Entscheidung für die Schweiz eine Überraschung. Verständlich: Die Möglichkeit, für den vierfachen Weltmeister Italien spielen zu können, bekommt nicht jeder Fussballer. Und ein Nationen-Entscheid ist immer auch eine Frage der Opportunität: In welchem Trikot sind die Chancen auf eine WM und EM oder sogar einen Titel grösser?

Auch Winsley Boteli wird sich diese Frage gestellt haben - und sich unter anderem wegen den sportlich besseren Perspektiven für die Schweiz entschieden haben. Der 12-fache Saisontorschütze (in 12 Spielen) für Sion ist seit über vier Jahren Stammgast in den Schweizer U-Nationalteams. Zwar schickte der Kongo den Nationaltrainer an ein Sion-Spiel, um mit dieser Geste Boteli das starke Interesse an seinen Diensten zu demonstrieren - doch der Stürmer stellt jetzt klar: «Ich spiele für die Schweiz!»

Anlässlich einer Medienrunde in Sion sagt er: «Warum sollte ich wechseln, wenn ich seit meinen ersten Jugendauswahlen mit meinen Freunden das Schweizer Trikot trage? Ich sehe keinen Grund, meine sportliche Nationalität plötzlich zu wechseln. Es ist keine Entscheidung, sondern eine logische Wahl. Ich habe in der Schweiz mit dem Fussballspielen angefangen und bin hier aufgewachsen. Nun warte ich auf ein Aufgebot.»

Murat Yakin dürfte einerseits beruhigt sein über die klaren Worte von Boteli und andererseits dessen Wunsch nach einem Aufgebot erfüllen. Nachdem Breel Embolo den europäischen Topfussball verlassen hat und von Stade Rennes in die mittelmässige US-Liga zu Atlanta United gewechselt ist, braucht der Nati-Trainer Alternativen im Sturmzentrum. Einen wie Winsley Boteli, der die Fähigkeiten mitbringt, Embolo dereinst als Stossstürmer abzulösen.

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