Fussball-WM 2026

Gelson Fernandes über das Wunder der Kapverden: «Sie haben gegen Spanien nicht gewonnen – wir schon»

Kap Verde schreibt bei seiner ersten WM-Teilnahme ein Märchen. Besonders freut das einen Mann: Ex-Nati-Spieler und WM-Held Gelson Fernandes spricht über das Land seiner Eltern.
Kap Verde Spieler feiern den gewonnen Punkt gegen Spanien.
Bild: RONALD WITTEK

Was haben die Kap Verden und die Schweiz gemeinsam? Beide ärgerten zum WM-Auftakt den amtierenden Europameister Spanien. 2010 gewann die Schweiz in Südafrika sensationell mit 1:0 gegen die Spanier. 16 Jahre später erkämpfte sich Kap Verde gegen das scheinbar übermächtige Spanien ein überraschendes 0:0. Die Freude und die Euphorie über den gewonnenen Punkt war mindestens so gross, wie bei den Schweizern damals über den Sieg.

Als Klammer um diese beiden Spiele, welche 16 Jahre auseinanderliegen, fungiert Gelson Fernandes. 2010 war er Siegtorschütze für die Schweiz, jetzt erlebt er in den USA vor Ort, wie das Heimatland seine Eltern für Schlagzeilen sorgt. Die afrikanische Inselgruppe mit rund 600'000 Einwohnern erlebt bei ihrer ersten WM-Teilnahme ein Märchen. Nach dem überraschenden 0:0 gegen Spanien folgte ein spektakuläres 2:2 gegen Uruguay. «Ich war bei Uruguay gegen Kap Verde im Stadion. Ich hatte grossen Spass, es war ein geiles Spiel», sagt Fernandes.

Der heute 39-jährige, ehemalige Schweizer Nati-Spieler wurde in Praia, der Hauptstadt Kap Verdes, geboren. Im Alter von fünf Jahren kam er gemeinsam mit seiner Mutter Maria in die Schweiz. Sein Vater José war bereits ein Jahr zuvor ausgewandert und hatte beim FC Sion eine Stelle als Platzwart erhalten. Aus dem Jungen von den Kapverdischen Inseln sollte einer der bekanntesten Schweizer Nationalspieler werden.

67 Länderspiele absolvierte Fernandes für die Schweiz. Unvergessen bleibt natürlich eben jenes am 16. Juni 2010 in Durban. Fernandes wurde dank seines Tores zum Nationalhelden. Heute arbeitet er für die Fifa. Seit 2022 ist Fernandes Direktor für Afrika und damit für die Zusammenarbeit mit den afrikanischen Verbänden verantwortlich.

16. Juni 2010: Gelson Fernandes trifft zum 1:0 gegen Spanien.
Bild: Witters

Bekannte Namen mit kapverdischen Wurzeln

Er kennt also den afrikanischen Fussball bestens. Hat er dem Land seiner Eltern ein solches Märchen zugetraut? «Ich bin nicht überrascht, weil ich die Mannschaft gut kenne. Ich arbeite sehr eng mit dem Verband zusammen. Die Entwicklung freut mich sehr», sagt er über das Nationalteam Kap Verdes, welches keine bekannten Namen im Kader hat.

In der Vergangenheit haben sich grosse Namen im internationalen Fussball mit kapverdischen Wurzeln gegen die Nationalmannschaft des Inselstaats entschieden. Beispielsweise Welt- und Europameister Patrick Vieira, Ex-Manchester-United-Star Patrice Evra oder Europameister Renato Sanches. Gelson Fernandes reiht sich in diese Liste prominenter Namen ein.

Kap Verde, welches 1975 die Unabhängigkeit von Portugal erlangte, verfügt über keine bedeutende Profiliga. Der heimische «Campeonato Caboverdiano» ist höchstens halbprofessionell, für afrikanische Klubwettbewerbe werden keine Mannschaften gemeldet.

Trotzdem gelang der historische Sprung an die WM. Im vergangenen Oktober sicherte sich Kap Verde mit einem 3:0 gegen Eswatini erstmals die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft. In der Qualifikationsgruppe liess der Fussballzwerg sogar den fünffachen Afrikameister Kamerun hinter sich.

«Sie haben nicht gewonnen - wir schon»

Möglich wurde dies vor allem dank der grossen Diaspora, der Menschen kapverdischer Herkunft im Ausland. Das Nationalteam besteht mehrheitlich aus Spielern, die nicht auf den Kapverden aufgewachsen sind. Viele wurden in Portugal, den Niederlanden oder Frankreich ausgebildet. Sportlich hat sich dieses Modell ausbezahlt: Der WM-Neuling kann plötzlich gegen die grossen Fussballnationen bestehen.

Besonders speziell ist dabei die Parallele zum grössten Karriere-Moment von Gelson Fernandes. Auch Kap Verdes WM-Auftakt war gegen Spanien. Genau wie jener der Schweiz vor 16 Jahren in Südafrika. Angesprochen auf den Vergleich der beiden Spiele muss Fernandes nicht lange überlegen. «Es war ein ähnliches Spiel. Spanien war sehr dominant, wie 2010. Kap Verde war solidarisch, taktisch sehr diszipliniert. Wie wir damals. Aber sie haben nicht gewonnen, wir schon», sagt er und lacht.

Tatsächlich erinnerten die Bilder an damals. Spanien dominierte nach Belieben, Kap Verde verteidigte leidenschaftlich und stemmte sich gegen die Übermacht. Das 0:0 wurde wie ein Sieg gefeiert. Mit dem überragenden Torhüter Vozinha hatte Kap Verde, ähnlich wie die Schweiz vor 16 Jahren mit Fernandes, einen neuen Nationalhelden.

War der grosse Held gegen Spanien: Kap Verde Torhüter Vozinha.
Bild: Mike Stewart

Somit lebt vor dem letzten Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien der Traum von den Sechzehntelfinals. Es ist die wichtigste Partie der Geschichte des kapverdischen Fussballs. Ein Sieg, oder vielleicht schon ein Unentschieden, könnte den sensationellen Einzug in die K.o.-Phase bedeuten. Auch Fernandes hofft, dass das Märchen weitergeht. «Es wird nochmal ein schwieriges Spiel gegen Saudi-Arabien. Ich hoffe, sie überstehen die Gruppenphase.»

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Kommentare (0)