Fussball-WM 2026

Es gibt keinen Zweiten wie Bregy und das Tackling von Behrami: Die Schweizer Startspiele und ihre legendären Szenen

Zwischen 1994 und 2022 bestritt die Schweiz sechs WM-Endrunden – und verlor dabei nie das Startspiel. Wir blicken zurück auf die Duelle gegen die USA, Frankreich, Spanien, Ecuador, Brasilien und Kamerun.

1994: Bregys Freistoss in Detroit

Georges Bregy machte sich gegen die USA zum ersten Schweizer WM-Torschützen nach 28 Jahren. (Detroit, 18.06.1994)
Bild: Keystone

28 Jahre lang war die Schweiz nicht mehr an einer WM. Dann steigt sie in Detroit gegen Gastgeber USA ins Turnier - im ersten WM-Spiel der Geschichte, das in einer Halle stattfindet. Es riecht nach Popcorn und die Luftfeuchtigkeit liegt bedrohlich nahe bei 100 Prozent. Doch das scheint den Ältesten auf dem Platz nicht zu stören: Der 36-jährige Walliser Georges Bregy erzielt mittels Freistoss die Schweizer Führung.

Dumm nur, dass kurz darauf auch der Amerikaner Eric Wynalda per Freistoss trifft. Die TV-Kommentatoren-Legende Beni Thurnheer will zuvor das Unheil noch wegreden: «Es gibt keinen Zweiten wie Bregy.» Der Satz wurde zur Legende – mehr als das Spiel an sich, es endete übrigens 1:1.

2006: Freis Hand in Stuttgart

Hoch die Hände: Ein Hands verhinderte den Sieg gegen Frankreich, doch auch das 0:0 war gegen den späteren Finalisten ein Erfolg. (Stuttgart, 13.06.2006)
Bild: Keystone

Diesmal dauert es nur zwölf Jahre, bis die Schweiz wieder auf die WM-Bühne zurückkehrt. In Stuttgart trifft sie auf Frankreich mit Zinedine Zidane und Thierry Henry – und trotzt dem Favoriten ein 0:0 ab.

Aber es wäre noch mehr drin gewesen. Doch kurz vor Schluss versucht Alex Frei den Ball mit der Hand ins Tor zu lenken. Der «Bschiss», zwei Jahre nach Freis Spuck-Affäre an der EM 2004, schlägt fehl. Schade, denn hinter Frei steht Johan Djourou ungedeckt vor dem leeren Tor bereit.

2010: Gelsons Stolperer in Port Elizabeth

Gelson Fernandes trifft gegen Gerard Pique und Torhüter Iker Casillas zum Schweizer Sieg gegen Spanien. (Port Elizabeth, 16.06.2010)
Bild: Tim Groothuis/Freshfocus

Wieder ist die Schweiz im Startspiel krasser Aussenseiter. Diesmal steht ihr in Südafrika der amtierende Europa- und spätere Weltmeister Spanien gegenüber. Dabei gelingt es der Schweiz, erstmals seit der Heim-WM 1954 ein Startspiel zu gewinnen.

Spanien hat gefühlt 99,9 Prozent Ballbesitz und Diego Benaglio muss sich vorkommen wie die Torwand im ZDF-Sportstudio. Doch das einzige Tor schiessen die Schweizer: Eren Derdiyok setzt sich gegen zwei Spanier durch, der Ball springt zu Gelson Fernandes und dieser stolpert ihn irgendwie ins spanische Tor. Es ist einer von nur zwei Treffern des Wallisers in 67 Länderspielen.

2014: Behramis Tackling in Brasilia

Valon Behrami als Stehaufmännchen: Mit seiner Willensleistung beschert er der Schweiz den Sieg gegen Ecuador. (Brasilia, 15.06.2014)
Bild: Fernando Llano/AP

1:1 steht es zwischen der Schweiz und Ecuador in der Nachspielzeit. Da schiessen die Südamerikaner doch noch das entscheidende Tor. Halt! Stimmt gar nicht. Valon Behrami nämlich verhindert den Gegentreffer mit einem «Tackling des Jahrhunderts» im eigenen Strafraum und leitet sofort den Konter ein.

Im Stile eines wilden Pferdes auf der Rennbahn galoppiert er 60 Meter über den Platz, wird an der Seitenlinie gefoult, steht auf. Der Schiedsrichter lässt Vorteil laufen, der Ball gelangt zu Ricardo Rodriguez und dessen Flanke zum eingewechselten Haris Seferovic – 2:1 für die Schweiz, Sekunden vor dem Schlusspfiff.

2018: Zubers Schubser in Rostow

Steven Zuber jubelt mit Xherdan Shaqiri nach seinem Kopfballtor gegen Brasilien. (Rostov, 17.06.2018)
Bild: Darko Vojinovic/AP

Die Schweiz darf in Russland zum Start Sparring-Partner des fünffachen Weltmeisters Brasilien sein. Sparring-Partner? Die Schweiz fordert den Favoriten bis zum Schlusspfiff. Behrami treibt die Brasilianer mit seiner harten Gangart gegen Superstar Neymar zur Weissglut. Und am Ende fühlt sich das 1:1 an wie ein Sieg.

Mann des Spiels ist diesmal aber nicht Behrami, sondern Steven Zuber. Die damalige Teilzeitarbeitskraft von Hoffenheim köpfelt kurz nach der Pause nach einem Corner zum 1:1-Schlussresultat ein. Was der Schiedsrichter nicht sieht: Zuber verschafft sich mit einem Schubser gegen seinen Gegenspieler den entscheidenden Vorteil im Kopfballduell.

2022: Embolos Nicht-Jubel in Doha

Breel Embolo trifft im Startspiel der WM 2022 zum Schweizer Sieg gegen Kamerun. (Al Wakrah, 24.11.2022)
Bild: Laurent Gilliéron/Keystone

In einer Gruppe mit Brasilien und Serbien benötigt die Schweiz zum Auftakt gegen Kamerun den Pflichtsieg. Und sie realisiert ihn ausgerechnet dank eines gebürtigen Kameruners. Breel Embolo schiebt in der 48. Minute zum 1:0-Erfolg ein. Auf den Jubel verzichtet er. Embolo weiss: Die Verwandtschaft in Afrika schaut mit. Er will sie nicht brüskieren.

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