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Handball

«Dieser Fakt interessiert niemanden»: Nati muss nach Out in der WM-Quali Wunden lecken

Die Schweizer Handballer scheitern auf dem Weg zur WM an Italien, obwohl sie als Favorit in dieses Duell gegangen sind. Derweil sucht Trainer Andy Schmid Führungsspieler.
Noam Leopold, Lenny Rubin und die Nati scheitern in der WM-Qualifikation an Italien.
Bild: Archivbild: Freshfocus / Benjamin Faes

Die Schweizer Handball-Nati verpasst die Qualifikation für die WM 2027 in Deutschland. Dass sie gegen Italien ausscheidet, kommt überraschend. Denn die Schweiz ging als Favorit in die Playoffs. Doch sie hat trotz Sieg im Hinspiel ihr Potenzial über zwei Spiele nicht abrufen können und verdient verloren. Dabei hat die Nati mit dem 33:25-Sieg an der WM vor eineinhalb Jahren gegen diesen Gegner noch gezeigt, wozu sie fähig wäre.

Nachdem das Team von Andy Schmid auch an der Europameisterschaft zu Beginn dieses Jahres gute Leistungen gezeigt und sich erstmals seit 22 Jahren wieder unter den besten zwölf Teams in Europa eingegliedert hat, sind die Erwartungen weiter gestiegen.

Beim Verband nahmen sie dieses Resultat zum Anlass, selbst grosse Ziele auszurufen. Präsident Pascal Jenny sprach davon, im Idealfall bei der Heim-EM 2028 um die Medaillen zu spielen. Nachdem die Schweiz die EM-Hauptrunde im Januar auf wundersame Weise doch noch erreicht hatte, sagte ein euphorisierter Jenny gleichwohl: Wenn wir jetzt alles gut sehen, wären wir schlecht beraten. Doch: «Einfach nur mitspielen reicht nicht mehr.»

Erster Rückschlag für Trainer Andy Schmid

In Faenza, südöstlich von Bologna, fliegt die Nati aber auf die Nase. CH Media erreicht Trainer Andy Schmid am Tag nach der bitteren Niederlage telefonisch. Zwei Jahre ist er nun im Amt. Bis hierhin ist vieles genau so gelaufen, wie er sich das ausgemalt hat. Doch jetzt sitzt der Schock tief. Er sagt: «Das ist ein erster Dämpfer und Rückschlag in unserer Entwicklung und auf dem Weg, auf dem wir uns befinden.» Auch für ihn persönlich sei es das, gibt der 42-Jährige zu.

Andy Schmid und die Schweizer Handball-Nati müssen einen Rückschlag verdauen.
Bild: Keystone / Andreas Becker

In den letzten zwei Jahren hätte die Mannschaft in gewissen Spielen auch über ihrem Niveau performt, sagt Schmid. Die Bandbreite in der Leistung ist riesig. Mal dominiert man Vize-Weltmeister Deutschland in der EM-Qualifikation fast über das gesamte Spiel und nimmt ein wichtiges Remis mit. Doch Wochen später müht man sich gegen Handball-Zwerg Türkei zu einem knappen Sieg.

Die Nationalspieler müssen die Hausaufgaben besser machen

Die Nati hat in den vergangenen Jahren Fortschritte erzielt und sich dadurch gehörigen Respekt in der Handball-Welt verschafft. Doch immer wieder zeigt sie sich in Spielen auch fahrig, zu wenig konsequent und schwankend in den Leistungen. Schmid sagt: «In den Quali-Wochen haben wir unser Leistungsniveau nicht erreicht.» Jeder sei jetzt mehr gefordert. «Der Lehrgang fängt nicht erst an, wenn man einrückt.»

Der Nationaltrainer wünscht sich also noch mehr Commitment von seinen Schützlingen. Kurz nach seinem Amtsantritt sagte er in einem Interview, dass er wolle, dass seine Spieler wie Schüler seien. «Ich will, dass sie sich Spielzüge vor dem geistigen Auge abrufen und wissen, wo Lücken entstehen könnten. Der Mensch lernt so viel über das Visuelle, und deshalb möchte ich, dass die Spieler mehr Videos schauen.» Weil die Zeit mit der Nati begrenzt ist, müssten die Spieler neben ihrer täglichen Arbeit im Klub auch noch «Hausaufgaben» für ihre Zeit in der Landesauswahl machen.

Schmid verlangt von seinen Spielern auch weitere Entwicklungsschritte. «Wir brauchen Führungsspieler», sagt er unmissverständlich. In naher Zukunft werde sich herauskristallisieren, wer eine solche Rolle einnehmen könne. Der Nationaltrainer kommt noch einmal auf die Niederlage gegen Italien zu sprechen. «Ob wir auf dem Papier besser sind, interessiert niemanden. Wir haben in den beiden Spielen nicht gezeigt, dass wir wirklich besser sind. Punkt.»

Gleichwohl seien Rückschläge ein Teil der Entwicklung, sagt Schmid. Er sehe das pragmatisch. Dennoch klaffen Anspruch und Realität der Schweizer Handballer in diesen Tagen weit auseinander. Die Strafe dafür: Im Januar müssen sie die WM im handballbegeisterten Deutschland als Zuschauer verfolgen. Gleichzeitig gehen ihr wichtige Erfahrungen auf dem höchstmöglichen Niveau durch die Lappen.

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