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Handball-EM

Totalen Coup wieder nur knapp verpasst: Schweizer Handballer trotzen Medaillenanwärter Island einen Punkt ab

In einem wilden Spiel hält die Schweizer Handball-Nati offensiv problemlos mit Island mit, das zu den Favoriten auf eine EM-Medaille gehört. Nur defensiv will es nicht so richtig. Und so verpasst die Schweiz die ganz grosse Überraschung und ist draussen.

«Vielleicht muss Island jetzt seine Medaillenträume begraben», sagt ein stolzer Schweizer Nationaltrainer Andy Schmid direkt nach der Partie ins SRF-Mikrofon.

Andy Schmid ist nach dem Spiel zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft.
Bild: EPA

Die Schweizer Handballer haben soeben ein 38:38-Unentschieden gegen die favorisierten Isländer geholt und damit in der EM-Hauptrunde für eine Überraschung gesorgt. Den totalen Coup verpassen sie indes erneut knapp. Doch es sind die Isländer, die ihre Trikots über das Gesicht ziehen und die wässrige Augen haben.

Der Isländer Odin Thor Rikhardsson, der bei den Kadetten Schaffhausen spielt, ist nach dem Unentschieden bedient.
Bild: Freshfocus / Benjamin Faes

Zum Spiel: Das Tempo, das die beiden Teams anschlagen, ist horrend. 38 Tore – je 19 auf beiden Seiten – fallen bereits in der ersten Halbzeit. Vor fünf Jahren trafen die beiden Mannschaften an der WM aufeinander. Damals lautete das Resultat nach 60 Minuten 20:18.

Die Schweizer können dieses horrende Tempo mitgehen. Das überrascht selbst den Coach. Denn er sagt, er habe am Morgen die Spieler durch das Teamhotel schlurfen sehen und ein schlechtes Gefühl bekommen. Doch seine Akteure überlisten ihre Körper beim sechsten Spiel innert zwölf Tagen und brillieren offensiv über die gesamte Spieldauer. Einmal sogar mit einem «Flieger-Tor» (siehe Video (SRF) unten).

Sie überraschen mit einem variantenreichen Spiel und haben für einmal keine Durchhänger. Zu Beginn kommen häufig die Rückraumspieler zum Abschluss, später funktioniert auch das Spiel über die Flügel. Gino Steenaerts und Noam Leopold treffen sechs- respektive siebenmal, ohne dabei auch nur einen Fehlwurf zu verzeichnen. Das ist stark.

«Die anderen können von mir denken, was sie wollen»

Vor allem Noam Leopold begeistert. Einmal springt er aus einem fast aussichtslosen Winkel ab und nagelt den Ball trotzdem ins weite obere Toreck. Der viertbeste Torschütze der französischen Liga zeigt erneut, welch grosse Klasse ihn ihm steckt. Er ist der Schweizer mit dem aktuell grössten Starpotenzial. Solche Spielereien sind ihm reichlich egal. Er sagt: «Das ist etwas für die Medien. Andere Leute sollen von mir denken, was sie wollen. Ich mache meinen Weg und weiss, wohin ich will und welche Ziele ich habe.»

Noam Leopold begeistert gegen Island mit einer makellosen Quote.
Bild: EPA

Es gibt aktuell nur ein Ziel, das Noam Leopold verfolgt: Er will der beste Linksaussen der Welt sein. Daher hat er vor eineinhalb Jahren von Pfadi Winterthur zum französischen Spitzenklub HBC Nantes gewechselt, wo er teilweise vor über 10'000 Fans spielt. Leopold ist einer, der die engen Spiele liebt und dem es auch nichts ausmacht, wenn ihn das Publikum auspfeift. Im ersten Gruppenspiel gegen die Färöer Inseln hält er sich auch mal frech den Finger vor den Mund und fordert die Fans damit zur Ruhe auf. Derweil verwertet er sicher.

Mit dieser Attitüde spielt er auch gegen Island, eines der europäischen Topteams. Einen wie ihn im Team zu haben, hilft den Schweizern enorm, denn sie stehen mehrmals unter Druck in der zweiten Halbzeit, in der sie aber trotz einer schwachen Abwehr- und einer bescheidenen Goalieleistung lange führen.

Zum Ende gibt es aber dieses 38:38, über das die Schweizer glücklich sind, auch wenn sie nun aus dem Turnier ausgeschieden sind. Leopold sagt nach dem Spiel: «Wir nehmen diesen Punkt mit, auch wenn wir gerne mal wieder zwei gehabt hätten.» Am Mittwoch (20.30 Uhr) treffen sie zum Abschluss auf Schweden, das ebenfalls zu den Medaillenanwärtern gehört.

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