Vor ein paar Jahren hätte man eine knappe Niederlage gegen eine grosse Handballnation wie Kroatien noch mit Beachtung oder mit Staunen zur Kenntnis genommen. Heute ist man durchwegs kritischer mit der Schweizer Nati.

Das liegt daran, dass sie in den vergangenen Jahren und vor allem seit Andy Schmid im Frühling 2024 das Traineramt übernommen hat, einen Schritt nach vorn gemacht hat, vielleicht sogar zwei.
Doch an diesem Sonntagabend ist sie zu wenig gut, um das zweite Spiel der EM-Hauptrunde für sich entscheiden zu können. Knapp fünf Minuten vor Schluss platzt dem 42-jährigen Coach im Team-Timeout der Kragen. «Was soll der Scheiss?», fragt er schreiend, ohne darauf eine Antwort zu erwarten. Deshalb legt er tobend nach: «Hinten decken wir nicht, vorne spielen wir Dinge, die wir nicht abgemacht haben! Warum?»
Da steht es 22:27 aus Sicht seiner Mannschaft und die Aussichten auf einen Sieg sind verschwindend klein. Am Ende verlieren die Schweizer mit 24:28.

Zu viel Stückwerk in der Offensive
Gegen den Vize-Weltmeister von 2025 ist nur der Start berauschend. 4:0 führt die Schweiz, muss erst nach neun Minuten das erste Gegentor hinnehmen. Bis zur 17. Minute sind die Kroaten aber wieder da. Sie gleichen aus, gehen in Führung und lassen sich in der Folge die Butter nicht mehr vom Brot nehmen.
Das liegt nicht nur an den Südeuropäern, sondern auch an den Schweizern. Nach dem anfänglichen Furioso verzetteln sie sich häufig, wirken fahrig. Jeder Akteur scheint eine eigene Idee zu haben, wie das Spiel noch zu gestalten wäre – und genau das ist schlussendlich das Problem.
Nach der Partie resümierte Andy Schmid gegenüber dem Schweizer Fernsehen SRF: «Wir wären so gut, hielten wir uns doch nur an unser Konzept. Das frisst mich auf.»
«Müssen wir akzeptieren»
Zudem kommen zu viele Leistungsträger nicht auf das Niveau vergangener Partien. Nikola Pornter gelingen im Tor zu wenige Paraden, Lenny Rubin und Felix Aellen erzielen beide keinen einzigen Treffer. Zuvor hatten sie zu den sicheren Werten in der Schweizer Offensive gehört. Schmid: «Zu viele Spieler waren heute nicht auf einem guten Level. Das müssen wir akzeptieren.»
Captain Portner sprach nach dem Spiel davon, dass die hundertprozentige Überzeugung gefehlt habe. In den ersten Minuten habe man noch sehr gut gedeckt, danach habe er sich vielen freien Würfen gegenübergesehen. Der Torhüter sprach schliesslich auch noch die Strafen an, die sich in der ersten Hälfte gehäuft hatten. Er sah darin einen Mitgrund, warum Kroatien wieder zurück ins Spiel finden konnte.
Abschluss gegen zwei Hochkaräter
Mit der Niederlage hat die Schweiz in der Sechsergruppe der EM-Hauptrunde weiterhin nur einen Punkt auf dem Konto und damit bloss noch theoretische Chancen auf eine Halbfinal-Teilnahme, da nur die besten zwei Teams den Einzug schaffen.

Am Dienstag geht es gegen Island (15.30 Uhr) weiter, am Mittwoch trifft die Nati zum Abschluss der EM auf Co-Gastgeber Schweden (20.30 Uhr). Diese beiden Teams haben noch Chancen auf die Halbfinals und sind entsprechend hochkarätige Gegner.



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