Als die Schweiz am Sonntag im EM-Gruppenspiel gegen Slowenien einen Neun-Tore-Vorsprung verspielt und das Spiel noch verliert, lässt Felix Aellen seinen Tränen freien Lauf. Nicht nur, weil er traurig über das verlorene Spiel ist. Sondern auch, weil er von sich selbst enttäuscht ist.

Der 22-Jährige, der vor knapp drei Jahren gegen Ungarn in der Nati debütiert hat, ist einer der Drahtzieher im Schweizer Angriffsspiel und aktuell die Nummer 1 auf Rückraum Mitte in der Nati. Doch an dieser EM geht nicht immer alles auf. Es unterlaufen ihm auch ungewohnte technische Fehler.
Spielmacher Aellen in erster Halbzeit überragend
Auf wundersame Weise und dank Schützenhilfe von Slowenien qualifiziert sich die Schweiz doch noch für die Hauptrunde und zeigt dort eine geniale erste Halbzeit gegen das stärker einzustufende Ungarn. Der überragende Spieler: Felix Aellen.

Einerseits ist er selbst ein steter Gefahrenherd und wirft selbst aufs Tor. Aber er setzt vor allem auch seine Mitspieler gekonnt in Szene. Mal verschafft er den Flügeln eine gute Wurfposition, mal bedient er den Kreisläufer mit einem millimetergenauen Zuspiel. Auch dank ihm steht es zur Pause 20:14 für die Schweizer Underdogs.
Aellen ist seit dieser Saison beim ThSV Eisenach in der Bundesliga aktiv und ist dort bereits bester Torschütze. Zudem ist er neben vier Deutschen für den German Handball-Award in der Kategorie «Überraschung des Jahres» nominiert.
Die Schweiz taumelt, Ungarn kommt wieder auf
In der zweiten Halbzeit zeigen sich dann aber Tendenzen wie beim Spiel gegen Slowenien. Der zwischenzeitliche Sieben-Tore-Vorsprung schmilzt in der zweiten Halbzeit auf ein mickriges Törchen zusammen. Dann erlöst der beste Schweizer Torschütze des laufenden Turniers, Lenny Rubin, mit einem abgefälschten Wurf das Team von Trainer Andy Schmid. Doch es fehlt an Ideen, an Spielfluss und an Killerinstinkt. Auch das Fehlen des kranken und auf dem Spielfeld so wieselflinken Luca Sigrist macht sich bemerkbar. Und so kommen die Ungarn nach 56 Minuten zum Ausgleich und kurz später zur Führung. Die Schweiz taumelt derweil, während das Drama seinen Lauf nimmt.
Auch Aellen unterlaufen zwei vermeidbare technische Fehler. Am Ende trennen sich die beiden Teams 29:29-Remis. Die Schweiz holt zum ersten Mal überhaupt einen Punkt in der Hauptrunde einer EM. In der Phase, für die sich nur die besten zwölf Teams des Kontinents qualifizieren, steht man erstmals seit 22 Jahren wieder.
Und doch: Auch das zweite Unentschieden an dieser EM ist zwar ebenfalls bitter. Die Enttäuschung ist gross, auch wenn die Verantwortlichen auch das Positive hervorheben nach Spielschluss. Tränen fliessen aber diesmal keine. Weiter geht es für die Schweiz am Sonntag (20.30 Uhr) gegen Vize-Weltmeister Kroatien.
Das sagt Trainer Andy Schmid:
Das Spiel ist erst wenige Minuten vorbei, als der Schweizer Nationaltrainer Andy Schmid zum Interview mit SRF auftaucht. Er betont bewusst das Positive, diesen ersten Punkt in einer EM-Hauptrunde überhaupt. «Ich bin sehr zufrieden. Aber man merkt es an meiner Stimme: Nach diesem Spielverlauf gibt es auch Dinge, an denen ich etwas auszusetzen habe.» In der zweiten Halbzeit vergebe man freie Würfe vom Flügel und im Gegenstoss. «Und wir machen zu viele technische Fehler.»

In der zweiten Halbzeit habe man ein Déjà-Vu gehabt, als die Ungarn aufkamen, das gibt Schmid zu. «Wir könnten auch zusammenbrechen. Aber das sind wir nicht.» Im letzten Angriff spielt die Schweiz in Überzahl und hat die Chance auf den Sieg, leistet sich aber ein Stürmerfoul. «Das darf uns nie im Leben passieren», sagt Schmid.
Es habe aber auch ein Lernprozess stattgefunden gegenüber dem Slowenien-Spiel, betont Schmid, der dann auch noch die «fantastische erste Halbzeit» seiner Mannschaft hervorhebt. «Weil dies vergessen jetzt wieder alle.» Und so resümiert der 42-Jährige: «Wir können in den Spiegel schauen und sagen: Wir haben einen guten Job gemacht.»



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