Fussball-WM 2026

Es roch nach Sensation, doch Brasilien wendet in der Nachspielzeit den GAU ab

Nicht Vinicius, nicht Neymar: Nein, es ist der Arsenal-Künstler Gabriel Martinelli, der Brasilien in der 96. Minute mit dem Siegtreffer gegen Japan erlöst. Im Achtelfinal trifft der Rekordweltmeister auf den Sieger aus der Partie Norwegen gegen Elfenbeinküste.
Gabriel Martinelli (Nummer 22) feiert seinen späten Siegtreffer gegen Japan.
Bild: Eric Smith/AP

Es ist 14.30 Uhr in Rio, als die Menschen sich dort fragen, ob das wirklich brasilianische Fussballstars sind, die da in Houston in Gelb und Blau auf dem Platz stehen. Es ist 14.30 Uhr in Rio, als den Menschen dämmert, dass in der wichtigsten Hauptsache ihrer Welt einiges nicht mehr stimmt. Es ist 14.30 Uhr in Rio, als die Menschen sich mit der Frage auseinandersetzen, ob Brasilien je eine schlechtere Mannschaft an eine WM entsandt hat. Es ist 14.30 Uhr in Rio, als eine riesige Wolke das Land in Dunkelheit hüllt.

Es ist kurz vor 14.30 Uhr in Rio, als dem brasilianischen Aussnenverteidiger Danilo ein stümperhafter Fehler im Aufbau passiert. Der Japaner Kaishu Sano, in Mainz Schützling des Schweizer Trainers Urs Fischer, schnappt sich an der Mittellinie den Ball, schüttelt problemlos den Casemiro ab, läuft und läuft und läuft, bis er rund 20 Meter vor dem Tor trocken und flach abschliesst und zum 1:0 für Japan trifft.

Zu den absoluten Top-Favoriten zählte die Seleçao vor der WM nicht. Doch das sieht man in Brasilien traditionell anders. Im Land des Rekordweltmeister haben die Erwartungen immer XXL-Dimensionen. Aber: Brasilien hat es schon mit besseren Mannschaften nicht geschafft, die Sehnsucht der Menschen nach dem sechsten Titel zu stillen. Warum soll das nun mit dieser Mannschaft gelingen, die zwar ganz hinten und ganz vorne, also in der Innenverteidigung (Gabriel, Marquinhos) und im Angriff (Vinicius, Cunha) über Spieler von Weltklasseformat verfügt, aber im Mittelfeld kaum etwas anzubieten hat, das berauschend ist?

Trotzdem ist da Hoffnung auf ein Wunder. Und das mit einem Mann zu tun, der in brenzlingen Phasen den Kaugummi so schnell kaut wie ein Specht gegen den Baum klopft. Sein Name: Carlo Ancelotti. Der erste ausländische Trainer, der mit Brasilien an eine WM reist. Aber vor allem ein Trainer, der alles gewonnen hat. Meister in allen fünf Top-Ligen Europas und fünfmaliger Champions-League-Sieger.

Offenbar hat der Italiener an den richtigen Stellschrauben gedreht. Jedenfalls drückt Brasilien von Beginn der zweiten Halbzeit aufs Gaspedal. Erst entschärft Japans Torhüter Suzuki (52.) sensationell einen Kopfball von Guimaraes. Danach wehrt Verteidiger Tomiyasu (54.) einen Casemiro-Kopfball in extremis ab. Doch zwei Minuten später ist es so weit: Flanke von Gabriel, Kopfball Casemiro - 1:1. Und wieder nur zwei Minuten später sieht Vinicius, wie Suzuki seinen perfiden Aussenrist-Schuss an den Pfosten lenkt.

Das Momentum kippt total auf die brasilianische Seite. Und plötzlich steht die Zeit in Rio nicht mehr still, sind die düsteren Erlebnisse von 14.30 Uhr vergessen. Und es kommt noch besser: In der 96. Minute trifft Martinelli nach Pass von Guimaraes zum 2:1-Siegtreffer gegen ein äusserst diszipliniertes, aber in der Vorwärtsbewegung eher biedere japanische Mannschaft.

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Kommentare (0)