
Ihre Freude ist überschwänglich, noch fehlt den Spaniern ein Schritt zum Endziel. Sie wollen zum zweiten Mal Weltmeister werden – und haben nach diesem Auftritt alle Chancen dazu. Derweil versinken die Franzosen in Dallas nach dem 0:2 im Tal der Tränen.
Dabei ist grundsätzlich schon viel los im Umfeld der Begegnung zwischen Frankreich und Spanien. Die Franzosen feiern ihren Nationalfeiertag und gedenken der Opfer des islamistischen Terroranschlags von vor zehn Jahren in Nizza. Ihr Chefcoach Didier Deschamps wird mit dem 26. Spiel an der Seitenlinie WM-Rekordtrainer und überholt Helmut Schön. Auch hat es von spanischer Seite in die französische Richtung einen Rassismus-Skandal gegeben. Sowieso: Es handelt sich am 14. Juli im ersten Halbfinal dieser WM um einen vorweggenommenen Final zwischen zwei Topnationen der Welt.
Insbesondere Turnierfavorit Frankreich ist beschwingt und bislang ohne Probleme durch die sechs Begegnungen gekommen. Doch selbst wenn die Buchmacher die Équipe Tricolore im Vorteil sehen, ist nach dem Anpfiff sofort klar: Jetzt wartet mit der Furja Roja ein anderes und vor allem ein perfekt organisiertes Kaliber. Eines, das nach dem unnötigen Foul knapp im Sechzehner von Lucas Digne an Lamine Yamal per Penalty durch Mikel Oyarzabal vorlegt.

Spanien überragend – Frankreich lethargisch
Gespielt sind zu diesem Zeitpunkt erst 22 Minuten, doch im Wissen, dass die Iberer an der WM erst ein Gegentor bekommen haben und seit 36 Spielen (ohne Penaltyschiessen) unbesiegt sind, wird die Partie für den WM-Favoriten zur Knacknuss. Es hilft Deschamps und der Ansammlung seiner Stars auch nicht, dass bald das eingespielte Innenverteidigerduo neu justiert werden muss, weil William Saliba verletzt ausfällt.
Der amtierende Europameister – schon damals mit Trainer Luis de la Fuente – stellt sich äusserst geschickt an. Der viel gepriesene Superdreizack der Franzosen um Mbappé, Olise und Dembélé kommt nie zur Geltung, vielmehr pressen und spielen sich die Spanier vor der Pause fast zum 2:0 durch Fabian Ruiz. Beim Anblick des Gebotenen darf man jetzt getrost der spanischen Sportzeitung «AS» glauben, in welcher die Überschrift eines Meinungsstücks gelautet hat: «Frankreich hat Angst vor Spanien.» Diese Ansicht speist sich auch aus den vergangenen beiden Direktduellen mit Siegen für die Iberer.

Trotz Wechsel wird Fankreich auch in der zweiten Halbzeit nicht besser und bleibt: ideenlos und ohne Reaktion. Vielmehr fällt das vorentscheidende 2:0 in der 58.Minute durch den aufgerückten Rechtsverteidiger Pedro Porro nach einer herrlichen Tiki-Taka-Kombination. Sie entspricht in der Tat dem neuen Spanien 2.0, das heute vertikaler, direkter und aggressiver agiert. Das vermeintliche 3:0 durch Yamal lässt nicht lange auf sich warten – doch der am Vortag erst 19 Jahre alt gewordene Ballkünstler hat es aus einer Abseitsposition erzielt.
Frankreich ist geschockt, schwach. Und bleibt lethargisch bis zum Schluss. Auch der abgefälschte Schuss des achtfachen Turniertorschützen Mbappé geht am Gehäuse vorbei. Ausgeträumt der Traum, zum dritten Mal in Folge den WM-Final zu erreichen. Es ist ein brutal hartes Aufwachen. Auch für Erfolgstrainer Deschamps. Derweil dürfen sich die Spanier über ihre überhaupt erst zweite Teilnahme an einem WM-Endspiel freuen. In dieser Verfassung, eingespielt und im Flow, dürften sie am Sonntag nur schwer zu bezwingen sein.






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