Fussball WM 2026

Ärger über Embolo-Rot bei Nati-Bossen immer noch riesig: «Wir haben gegen den Schiedsrichter und den VAR gespielt»

Was Murat Yakin besonders aufregt. Ob er als Natitrainer weitermacht. Und wieviel Geld dem Verband von den Rekordeinnahmen an der WM übrigbleibt.

Vor der WM darf er wegen Visa-Problemen nicht gemeinsam mit den Teamkollegen in die USA fliegen. Sechs Wochen später steht er mit seiner Flugeinlage am Ursprung der unfreiwilligen Heimreise nach dem Viertelfinal-Out. Breel Embolo bildet so etwas die Klammer der WM 2026, die aus Nati-Sicht unglücklich beginnt und endet; dazwischen aber heroische Geschichten schreibt und dank dem erstmaligen Einzug in die Runde der letzten Acht seit der Heim-WM 1954 unvergessen bleibt.

«Ich war vor der Partie gegen Argentinien sicher, dass wir in den Final kommen», sagt Pierluigi Tami genau zwölf Stunden nach dem Schlusspfiff - und weiter: «Leider hatte der Schiedsrichter keine klare Linie bei seinen Entscheidungen».

Der abtretende Nati-Direktor führt an der Abschluss-Medienkonferenz in Kansas City den Duktus fort, den die Schweizer schon direkt nach Spielschluss im Stadion anwendeten: Keine Kritik an Embolos ungeschickter Schwalbe. Sondern: Wir waren besser als der Gegner, schuld am Ausscheiden sind der VAR und Schiedsrichter Pinheiro, die im Verbund Embolos Platzverweis in der 73. Minute beschlossen.

Trainer Murat Yakin sagt mit einem halben Tag Abstand: «Wir haben gegen Argentinien, gegen den Weltmeister, gegen fast 70'000 argentinische Fans, gegen den Schiedsrichter und gegen den VAR gespielt. Am Ende war das zuviel. So auszuscheiden, schmerzt und wird uns noch einige Tage beschäftigen. Das hat mein Team nicht verdient.»

Auch am Tag nach dem Out verschnupft über die Schiedsrichter-Leistung: Natitrainer Murat Yakin.
Bild: Toto Marti/Blick/freshfocus

Nach etlichen Voten zur spielentscheidenden Szene im Viertelfinal grätscht Verbandspräsident Peter Knäbel irgendwann dazwischen und sagt: «Natürlich hatte die Rote Karte einen Einfluss und ich hätte mir eine gleichmässige Regelauslegung im ganzen Turnier gewünscht. Aber wir wollen nicht als schlechte Verlierer dastehen. Im Vordergrund stehen soll der Stolz auf das, was wir erreicht haben. Spätestens beim Empfang am Dienstag in der Schweiz werden wir spüren, war wir in der Heimat ausgelöst haben. Früher sind die Menschen mitten in der Nacht für Boxkämpfe aufgestanden, in diesem Sommer taten sie das für die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft. Das Ziel Viertelfinal war ambitiös, nach der souveränen Qualifikation und angesichts der Qualität und  Erfahrung aber genau richtig. Ich gebe uns zwölf von zwölf Punkten für diese Kampagne.»

Rekordeinnahmen, nur ein Drittel bleibt übrig

Das Turnier wurde dank der Viertelfinal-Qualifikation auch finanziell zum Erfolg. Doch erst seit dem Einzug in den Achtelfinal steht fest, dass die Schweizer mit einem Gewinn die Heimreise antreten. Die exorbitant hohen Reise- und Unterkunftskosten sowie die Personalausgaben für den 65-köpfigen Nati-Tross fressen den Grossteil der an der WM eingenommen Rekordsumme in Höhe von 15 Millionen Franken auf.

Unter dem Strich bleiben gemäss Knäbel rund drei Millionen übrig. Die eine Hälfte fliesst in die Swiss Football League und von dort zu den 22 Schweizer Profiklubs, die andere braucht der Verband für Projekte im Breitensport und für die Entwicklung der Frauen- und Männerabteilungen.

Bleibt der Blick nach vorne: Von den Spielern habe bislang keiner seinen Rücktritt angekündigt, so Yakin. Es stünden nun entsprechende Gespräche an. In denen es auch darum geht, Situationen wie nach der EM 2024 zu vermeiden: Damals gab Xherdan Shaqiri seinen Rücktritt bekannt, ohne zuvor den Verband darüber zu informieren. Auch das Nati-Ende von Yann Sommer hatte ein «Gschmäckle», weil schon vorher durchsickerte, dass Gregor Kobel ihn als Stammgoalie ablöst. Und Fabian Schär informierte Yakin zwar über seinen Entscheid, die Nati-Karriere zu beenden - überrumpelte den Trainer damit jedoch komplett.

Apropos Yakin: Im Herbst, wenn die Nati gegen Schottland, Nordmazedonien und Slowenien um den Wiederaufstieg in die Nations League A spielt, wird sie das mit mit ihm an der Seitenlinie tun. «Meine Lust und Freude an der Aufgabe als Natitrainer ist gross. Ich verschwende null Gedanken an etwas anderes. Auch nicht an eine Karriere als Schauspieler.»

Hintergrund: Nachdem ihn die Macher einer amerikanischen TV-Show äusserlich mit dem Bösewicht im James-Bond-Klassiker «Casino Royale» verglichen, konterte Yakin mit einem Video, in dem er in schummriger Kulisse klarstellte: «Es gibt nur ein Ort, an dem ich zum Bösewicht werde: Auf dem Fussballplatz, um den Gegner zu besiegen.»

Auch wenn dies Yakin und den Spielern gegen Argentinien knapp nicht gelungen ist - fest steht: Die Nati hat an der WM ihren Gegnern das Fürchten gelehrt .

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