Fussball-WM 2026

1:3 – Schweiz verliert den WM-Viertelfinal gegen Argentinien nach umstrittener Roter Karte

War es ein Platzverweis oder nicht? Die Schweiz diskutiert nach dem WM-Aus über die Rote Karte gegen Breel Embolo.

Ist das bitter! Zwei Gegentore in der Verlängerung werfen tapfere Schweizer aus der WM. Der Traum vom Halbfinal ist geplatzt. Nachdem man den Weltmeister Mitte der zweiten Halbzeit im Würgegriff hatte. Doch der Platzverweis gegen Breel Embolo stellt die Partie auf den Kopf. Und kostet die Nati letztlich das Weiterkommen.

«Wir haben Herz gezeigt», sagt Torhüter Gregor Kobel im Anschluss an das Spiel. Die Enttäuschung ist ihm anzusehen. Angesprochen auf die Schwalbe von Embolo sagt er: «Ich habe die Szene nicht genau gesehen. So, wie wir gekämpft haben, fühlt es sich unfair an. Dass wir nicht wenigstens die Chance aufs Penaltyschiessen erhalten haben. Aber so ist Fussball.»

Kobel hält lange alles. Am Schluss ist aber auch er machtlos.
Bild: Toto Marti/Blick/freshfocus

Kobels Fazit ist trotzdem: «Ich bin riesig stolz auf die Mannschaft. Wir haben alles versucht. Wir waren super im Flow. Es tut mega weh, so auszuscheiden.»

Das frühe Gegentor

Doch von Anfang an: Wie spielt man gegen den Weltmeister? Wie stoppt man Lionel Messi? Murat Yakin entscheidet sich aus taktischer Sicht für das gleiche Gebilde wie im Achtelfinal gegen Kolumbien: Trotz dem erneuten Manzambi-Out bleibt auch Flügelflitzer Ruben Vargas zunächst auf der Bank, für ihn spielt mit Djibril Sow ein zusätzlicher Spieler mit Defensivgewissen.

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Der Unterschied zum Kolumbien-Spiel: Yakin lässt die Nati den Gegner gleich zu Beginn hoch pressen, was das richtige Mittel zu sein scheint. Das funktioniert, bis sich Argentinien das erste Mal vor dem Schweizer Strafraum einnisten. Dann passierts: Nach dem zweiten Corner in Serie, getreten von Lionel Messi, steigt im Zentrum MacAllister am höchsten und köpfelt den Ball überlegt ins lange Eck. Mit den Schweizern Sow und Embolo in der Zuschauerrolle.

Der Ball fliegt ins Tor. Die Nati liegt früh zurück.
Bild: Toto Marti/Blick/freshfocus

Das 1:0 nach zehn Minuten zieht dem Spiel den Zahn. Und damit auch dem anfangs mutigen Nati-Auftritt. Auch drei vielversprechende Standard-Situationen versanden. Mit der Folge, dass bis zur Pause ausser einem harmlosen Sow-Distanzschuss nichts mehr passiert.

Hoffen auf die zweite Halbzeit – wird die Nati jetzt wieder mutiger? Durchaus! Xhaka und Co. haben nun mehr Ballbesitz und kommen Argentinien-Goalie Emiliano Martinez einige Male gefährlich nahe, zwingen diesen aber letztlich nicht zu mehr als einer Show-Flugparade nach einem Embolo-Kopfball.

Hoffnung nach dem Tor von Ndoye

Gleichzeitig müssen die Schweizer höllisch aufpassen auf die Gegenstösse der Argentinier. Und diese führen alle über Lionel Messi. Der 39-Jährige schlurft in gewohnter Manier über den Platz, um in Ballbesitz dann mit einem Antritt oder genialen Pass für Gefahr zu sorgen. Messi spielt den Ball in Räume, die nur er sieht. Zum Glück für die Schweizer wissen seine Teamkollegen damit nur wenig anzufangen.

Mehr noch: Die Schweizer übernehmen nach gut einer Spielstunde das Zepter. Erst Ndoye, dann Xhaka mit einem Weitschuss schiessen Martinez warm. Die linke Angriffsseite der Nati entwickelt sich mehr und mehr zum «Place to be». Und von dort startet Dan Ndoye dann auch den Weg zum wichtigsten Tor seiner Karriere.

Bringt die Schweiz zurück ins Spiel.
Bild: Toto Marti/freshfocus

Via Rodriguez kommt der Ball zurück zu Ndoye und der schliesst aus spitzem Winkel perfekt ins weite Eck ab. 1:1! Argentinien geschockt – die Nati im Freudentaumel. Geht hier tatsächlich noch mehr gegen den taumelnden Weltmeister?

Die Szene des Spiels

Doch die aufkeimende Hoffnung wird jäh unterbrochen: Breel Embolo fliegt kurz nach dem 1:1 mit Gelb-Rot vom Platz! Nach einer Schwalbe.

Breel Embolo fliegt kurz nach dem 1:1 mit Gelb-Rot vom Platz!
Bild: AP

Das Zustandekommen jedoch ist höchst irritierend: Erst zeigt Schiedsrichter Pinheiro Paredes Gelb, wird danach aber vom VAR an den Bildschirm gebeten und sieht, wie Embolo das Foul vortäuscht. «Mistaken Identity» heisst die auf die WM neu eingeführte Regel, wonach eine an den falschen Spieler verteilte Verwarnung zurückgenommen werden kann. Und weil Pinheiro dann Embolos Schwalbe erkennt, zeigt er diesem Gelb.

Embolo kanns nicht fassen und muss von den Mitspielern schimpfend und weinend zugleich zurückgehalten werden. Captain Granit Xhaka wittert eine Verschwörung und zeigt mit den Händen an, dass für ihn die Sache stinkt. Letztlich aber ist, auch wenn man über das Fingerspitzengefühl des Unparteiischen diskutieren kann, der Entscheid richtig.

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Der heroische Kampf

In Unterzahl wird das Weiterkommen für die Nati in Unterzahl ab sofort zur Mount-Everest-Besteigung ohne Sauerstoff wird. Kann funktionieren, erfordert aber das Verschieben der eigenen Grenzen. Yakin reagiert nach dem «Hydration Break» mit einem Dreifach-Wechsel, bringt Muheim, Amdouni und Widmer für Rieder, Sow und Ndoye. Mauern statt attackieren – was bleibt der Nati auch anderes übrig?

Dass im Team die Solidarität und die Bereitschaft zum Leiden grenzenlos sind, haben die Schweizer gegen Kolumbien bewiesen. Eine Kobel-Parade gegen Lisandro Martinez brauchts noch – dann ist die Verlängerung Tatsache.

In dieser bleibt das Motto der Nati: Dichthalten – und sich ins Penaltyschiessen retten. Argentinien hat zwar gefühlt zu 90 Prozent den Ball, machts mit trägem Ballschleppen den Schweizern aber relativ einfach.

Yakins Plan scheint zu funktionieren, die Penalty-Lotterie rückt immer näher. Aber die Argentinier haben ja nicht nur Messi, sondern in dessen Schatten viele weitere Weltklasse-Akteure. Einer davon ist Julian Alvarez: Am Strafraum-Eck fasst sich der Atletico-Stürmer ein Herz und zirkelt den Ball punktgenau ins Eck. Ein wunderbarer Schuss - mitten ins Herz der Schweiz.

Alvarez jubelt nach seinem Traumtor.
Bild: AP

Kurz darauf entscheidet Lautaro Martinez mit dem 3:1 das Spiel endgültig. Die 65'000 argentinischen Fans schwenken ihre weissen Taschentücher. Huldigen ihrem Team, das im dritten K.o.-Spiel zum dritten Mal den Kopf aus der Schlinge zieht. Den Schweizern bleibt die Erkenntnis, sich an der WM 2026 von ihrer besten Seite präsentiert zu haben. Und den Weltmeister mit Lionel Messi aufs Äusserste gefordert zu haben. Bravo!

Der Liveticker zum Nachlesen:

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