Topfebene Rasenplätze, mindestens zwei nebeneinander. Auf dem gleichen Areal ein Gebäude mit Restaurant, Hotelzimmern, Konferenzsaal und sämtlichem Erholungs-Schnickschnack. Diesen Standard sind sich die besten Schweizer Fussballer längst von ihren Klubs in den europäischen Topligen gewöhnt. Und müssen sie dann nach dem Einrücken im Nati-Camp auf einem holprigen Untergrund trainieren, sorgt das für Frust. Wie im Herbst 2023, als Captain Granit Xhaka klarstellte: «Wir Spieler fordern bessere Plätze. Unsere Trainingsbedingungen sind ungenügend.»
Fussballerisch ist die Nati spätestens im Sommer 2026 mit dem Einzug in die WM-Viertelfinals in der erweiterten Weltspitze angekommen. Punkto Infrastruktur aber hinkt sie hinterher: Von den acht Viertelfinalisten verfügt neben der Schweiz nur Norwegen über kein nationales Leistungszentrum, wo sämtliche Frauen- und Männerteams, von der U15 bis zur A-Nati, bei Zusammenzügen wohnen und trainieren.
Nati hat nur vier Optionen in der Heimat
Der Verband hat sich Xhakas Kritik vor drei Jahren zu Herzen genommen - und das Projekt «Leistungszentrum» in Angriff genommen. Gebaut werden soll es in Thun, finanziert vom SFV und der Öffentlichkeit. Doch die Eröffnung ist frühestens für 2030 geplant.
Bis dahin muss auf die bestehenden Möglichkeiten zurückgegriffen werden. Und die sind rar: Aus SFV-Kreisen heisst es, nur in St. Gallen, Basel, Luzern und Lugano finde man zwei nebeneinander liegende Naturrasen-Plätze vor und in unmittelbarer Nähe ein Hotel, um den rund 60-köpfigen Tross aus Spielern, Trainern, Betreuern und Funktionären unterzubringen.
Doch diese vier Lokalitäten stehen für den bevorstehenden Zusammenzug vor den vier Nations-League-Spielen gegen Nordmazedonien (2), Schottland und Slowenien nicht zur Verfügung. Weil in der nächsten Woche entweder die Plätze durch die heimischen Super-League-Klubs oder die Hotels belegt sind. Aus dem gleichen Grund fiel auch die erste Ausweichoption ins Wasser, das Hotel «Luisenhöhe» im grenznahen Schwarzwald.
Türkei statt Schweiz - die Hintergründe
Wohin also reisen, um an den fünf Trainingstagen vor dem Auftakt in die Nations League arbeiten zu können? Und das den Vorstellungen von Spielern und Staff entsprechend? Natitrainer Murat Yakin sagt: «Priorität hat immer die Schweiz, aber wir kennen die Probleme bei Hotels und Trainingsmöglichkeiten, gerade im Herbst. Wir haben die Gelegenheit mit dem Spiel in Nordmazedonien genutzt, um einen Ort zu finden, wo die Trainingsbedingungen optimal sind.»
Die Lösung heisst Belek, der berühmte Ferienort an der türkischen Riviera. In der Fussballszene bekannt, weil viele Schweizer Klubs dort ihre Wintertrainingslager abhalten. Für die Nati ist es eine Premiere, wenn Yakin am Montag die Spieler im Fünfsterne-Hotel «Kempinski» empfängt. Neben der Infrastruktur und dem Sommerwetter fiel die Wahl auf Belek, weil es von dort nur knapp zwei Flugstunden nach Skopje sind. Dort trifft die Nati am 26. September auf Nordmazedonien.
Nati-Fans müssen sich gedulden
Kurios: Weil auch das zweite von vier Spielen auswärts stattfindet (am 29. September in Glasgow gegen Schottland), betreten die Nati-Stars erst zehn Tage nach Beginn des Zusammenzugs erstmals Schweizer Boden. In Luzern finden die Heimspiele gegen Slowenien (3. Oktober) und Nordmazedonien (6. Oktober) statt. Zeit für ein öffentliches Training, um sich im lockeren Rahmen den Fans zu präsentieren, gibt der Terminplan dann nicht mehr her.
Jene Fans also, die im Sommer während der WM aus der Distanz mitfieberten und sich nun gerne ein Autogramm von Xhaka und Co. abgeholt hätten, müssen sich gedulden. Mindestens bis zur nächsten Länderspielpause im November. Dann will die Nati ihre Zelte wieder in der Schweiz aufschlagen. Dort, wo sie hingehört.







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