Tennis

«Es ist nervig, wie talentiert Mirra ist»: Andrejewa beendet Chwalinskas Paris-Märchen

Mirra Andrejewa gewinnt ihren ersten Grand-Slam-Titel. Im Final der French Open schlägt sie die Qualifikantin Maja Chwalinska.
Mirra Andrejewa küsst den Suzanne-Lenglen-Pokal, benannt nach der legendären französischen Tennisspielerin, die das Turnier in den 1920er Jahren sechsmal gewinnen konnte.
Bild: Teresa Suarez

Es war schon eine Sensation, dass Maja Chwalinska, die Weltnummer 114 vor dem Turnier, den Final in Paris erreichte. Die 24-jährige Polin startete als Qualifikantin und stand erstmals überhaupt im Hauptfeld der French Open. Als Qualifikantin im Final eines Grand Slam? Das gelang zuvor erst Emma Raducanu an den US Open 2021. Doch anders als bei Raducanu sollte Chwalinskas Märchen nicht mit dem Titel enden.

Ihr gegenüber stand die 19-jährige Russin Mirra Andrejewa. Auch für sie war es die erste Finalteilnahme an einem Grand Slam, anders als bei Chwalinska war diese jedoch nur eine Frage der Zeit, gilt sie doch als eines der grössten Talente im Tennis. Andrejewa, Weltnummer 8 vor dem Turnier, startete somit als klare Favoritin in diesen Final.

Und Andrejewa stellte sich schliesslich als zu grosse Gegnerin für Chwalinska heraus. Nach 1:22 Stunden verwertete sie gleich ihren ersten Matchball. Wie so oft in diesem Match konnte sie mit der Rückhand Druck ausüben, ans Netz vorrücken, wo sie mit einer weiteren druckvollen Rückhand den Winner zu ihrem ersten Grand-Slam-Titel schlug. Letztendlich war es eine klare Angelegenheit: 6:3, 6:2 für Andrejewa.

Pure Emotionen bei Mirra Andrejewa nach dem verwandelten Matchpoint.
Bild: Yoan Valat

Dabei startete der Final noch ausgeglichen. Beiden Spielerinnen war zu Beginn die Nervosität im ersten Grand-Slam-Final anzumerken. Die ersten vier Spiele gingen jeweils an die Returnspielerin, bevor Chwalinska im dritten Anlauf erstmals ein Aufschlagsspiel durchbrachte. Danach wurde Andrejewa aber dominanter, konnte vier Spiele in Serie gewinnen, was schlussendlich zum 6:3 Satzgewinn reichte.

Andrejewa konnte an diesem Nachmittag besser mit dem teilweise starken Wind auf dem Court Philippe-Chatrier umgehen. Im zweiten Satz zog die Russin mit 5:0 davon, bevor sich Chwalinska nochmals zum 2:5 herankämpfte. Es war jedoch ein kurzes Aufbäumen der Polin.

Von der Qualifikantin zur Finalistin

Für Chwalinska endet damit ein unglaublicher Lauf. In neun Matches in Paris hatte die Qualifikantin nur einen Satz abgegeben. Mit ihrer unkonventionellen Spielweise und ihrer lockeren Art in Interviews gewann die Linkshänderin die Gunst des Pariser Publikums, das ihr auch im Endspiel zur Seite stand.

Ihre lockere Art zeigte die Polin auch bei der Siegerehrung. «Gratulation an Mirra», sagte sie am Mikrofon. «Du bist so jung und talentiert, das ist nervig.» Auch ihrer Kontrahentin entlockte sie dabei ein Lächeln. «Sorry, dass es kein so spannendes Match wurde», sprach Chwalinska unter grossem Applaus der angereisten polnischen Fans weiter, «Mirra ist einfach zu stark. Es ist also ihre Schuld.»

So wenig hat gefehlt für Maja Chwalinska.
Bild: Mohammed Badra

Auch wenn ihr Märchenlauf in Paris kein Happy-End hatte, darf die 24-Jährige mit ihrem Turnier sehr zufrieden sein. Als sie vor drei Wochen ins Qualifikationsturnier startetet, hätte wohl niemand gedacht, dass Chwalinska neun Spiele später im Final stehen würde. Dank diesem 2. Platz wird sich ihre Klassierung in der Weltrangliste am Montag von Rang 114 auf 21 verbessern.

Auch finanziell zahlt sich Chwalinskas Märchenlauf aus. Bisher hatte die Polin nicht einmal einen Kleidersponsor. Um ihr Hotel in Paris zu verlängern musste sie Geld ausleihen. All das wird sich nun ändern. Umgerechnet 1,3 Millionen Franken erhält Chwalinska für die Finalteilnahme – halb so viel wie die Siegerin Andrejewa.

«Ich möchte mir selbst danken»

Auch Andrejewa hatte bei der Siegerehrung nur Lob für Chwalinska übrig: «Du bist eine sehr schwierige Gegnerin und ich hoffe wir spielen in Zukunft noch viele Finals gegeneinander.» Der Triumph war letztendlich verdient. Andrejewa hat auf dem Weg zu ihrem ersten Grand-Slam-Titel, auf dem sie auch die Schweizerin Jil Teichmann ausschaltete, nur einen Satz abgegeben.

Mirra Andrejewa mit ihrer Trainerin Conchita Martinez. Auch auf Andrejewas Trainingsjacke steht ihr Motto: «I want to thank myself».
Bild: Aurelien Morissard

Seit klein auf habe sie Roland Garros im Fernsehen geschaut, deshalb sei dieser Titel sehr speziell für sie. Die Russin bedankte sich bei ihrer Trainerin Conchita Martinez, bei ihrer Familie aber auch bei sich selbst. «Zu guter Letzt, möchte ich mir selbst danken», sagte Andrejewa, «dafür, dass ich immer an mich geglaubt und immer 100 Prozent gegeben habe.»

Mit dem Triumph an den French Open hat sich Mirra Andrejewa endgültig an der Weltspitze etabliert. Auch in Wimbledon im Juni wird sie zu den Favoritinnen zählen. Und wer weiss: vielleicht kann auch Chwalinska ihren Märchenlauf wiederholen.

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