
Tränen, Applaus, Standing Ovations: Die Aufnahme Roger Federers in die Hall of Fame war der Höhepunkt seiner Karriere. Doch nun wird Kritik laut. Ausgerechnet von einer anderen Tennis-Ikone.
Billie Jean King sass bei der Ehrung im Publikum. Nach der Zeremonie äussert sie aber Vorwürfe. «Ich wünschte, er würde sich stärker für Gleichberechtigung einsetzen», sagte sie zu Reporter Jake Nevins des amerikanischen Tennis-Magazins «The Racquet».
Und weiter: «Ich sage ihm immer wieder: ‹Du hast zwei Jungen und zwei Mädchen! Du hast Gleichberechtigung in deinem Haushalt!›»

Ein Vertrauter von King versuchte, das Interview zu stoppen. Doch die 82-Jährige liess sich nicht beirren: «Glauben Sie, er würde etwas tun, um am Status quo zu rütteln? Das will er gar nicht. Ich würde an seiner Stelle auch Geld verdienen wollen.»
Federer äusserte sich – aber vage
King gilt als Vorreiterin der Gleichberechtigung in der Tenniswelt. Bis heute ist ihr «Battle of the Sexes» legendär, bei dem sie 1973 gegen Bobby Riggs gewann und das Frauentennis revolutionierte. Ausserdem kämpfte sie für die Gründung einer unabhängigen Frauentour.
Doch die Kritik an Federer ist happig. Denn der Schweizer hat sich durchaus schon zur Gleichberechtigung geäussert. «Ich bin für gleiches Preisgeld», sagte er bereits 2016. Doch die Geschichte und wirtschaftliche Struktur einzelner Turniere müssten auch berücksichtigt werden.
2020 schlug er in einem Tweet sogar vor, die Männer- und die Frauentour zusammenzulegen. Dennoch bleibt Federer eher diplomatisch.
Andy Murray wird deutlich
Dagegen äussert sich Andy Murray immer wieder und gilt als lautstarker Befürworter beim Thema Gleichstellung im Tennis. Als er 2014 Amélie Mauresmo als Trainerin engagierte, sorgte er in der von Männern dominierten Sportwelt für Aufsehen.

Er korrigiert Journalisten, wenn sie Leistungen von Tennisspielerinnen übergehen. So behauptete ein Reporter 2016, er sei der erste Spieler, der zwei olympische Goldmedaillen im Tennis gewonnen habe. «Ich glaube, Venus und Serena Williams haben je vier gewonnen», sagte Murray. Ausserdem setzt er sich für gleiches Preisgeld bei allen grossen Tennisturnieren ein.
In zahlreichen Fällen ist das mittlerweile Realität. Auch bei den vier Grand-Slam-Turnieren. Als Letztes passte Wimbledon das 2007 an – weil Serena Williams dafür kämpfte. Doch es gibt durchaus noch Baustellen. Ob Federer daran etwas ändert, bleibt abzuwarten.


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