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Olympische Spiele

Nach dem Hockey-Coup der Frauen gegen Schweden kündigt der Bronze-Schmied an: «Das war mein letztes Spiel!»

Die Schweizer Frauen-Nati gewinnt in Mailand nach einem Sieg in der Verlängerung (2:1) gegen Schweden die zweite Olympia-Medaille nach 2014. Das sind die Schlüsselfiguren des Exploits.
Die Schweizerinnen jubeln über Olympia-Bronze.
Bild: Claude Diderich/freshfocus

Alles passt: Die Besetzung der Schlüsselpositionen und der Zusammenhalt. Die taktische Ausrichtung und die Umsetzung. Dazu mit Colin Muller (62) ein Nationaltrainer, mehr Vaterfigur als Bandengeneral.

Die Schlüsselpositionen: Andrea Brändli (28) ist die beste Torhüterin in der Geschichte unseres Frauenhockeys. Sie kombiniert Nervenstärke mit Talent und hoher Spielintelligenz – die Antwort des Frauenhockeys auf Leonardo Genoni.

Siegtorschützin Alina Müller schreit ihre Freude über Olympia-Bronze in die Mailänder Hockeyhalle.
Bild: Hassan Ammar

Lara Christen (23), die Schwester von Biels Luca Christen (28) ist die leise Verteidigungsministerin, die Antwort des Frauenhockeys auf Roman Josi. Im Bronze-Spiel hat sie mit 30:19 Minuten wieder am meisten Eiszeit übernommen und sie ist es, die den Siegestreffer in der letzten Minute der Verlängerung einfädelt. Und Alina Müller (27), die Schwester von Lugano-Verteidiger Mirco Müller (30), ist die technisch beste und kaltblütigste Vollstreckerin in der Geschichte unseres Hockeys und die einzige Schweizerin mit Starstatus in der nordamerikanischen Profiliga.

Die Männer haben keinen Stürmer, der auf höchstem internationalen Niveau die gleiche Rolle übernehmen kann. Colin Muller bezeichnet sie als «eine der besten Spielerinnen der Welt.» 2014 erzielte sie den Siegestreffer beim 4:3 im Bronzespiel gegen Schweden und nun sorgt sie erneut mit dem 2:1 in der Verlängerung für den Treffer, der die Medaille sichert. Fragen nach 2014 mag sie nicht. «Vergessen wir 2014. Wir haben nun ein neues Kapitel geschrieben.»

Kaleigh Quennec jubelt, Alina Müller kanns noch nicht richtig fassen.
Bild: Petr David Josek

Dieses Team ist in den letzten Jahren in fast gleicher Besetzung zusammengewachsen und wenn dieser Teamgeist von allen erwähnt und hervorgehoben wird, ist es mehr als eine Floskel, die einfach dazugehört. Während des ganzen Turniers waren Angehörige von allen da und trafen sich zwischen den Partien mit den Spielerinnen. Und Colin Muller ist der bestmögliche Coach für dieses Team.

Lara Christen sagt über ihn: «Er ist für uns wie eine Vaterfigur geworden. Wir vertrauen ihm, wir wissen, dass wir etwas wagen und auch Fehler machen dürfen.» Was hat er im Unterbruch zwischen Spiel und Verlängerung gesagt? «Das kann ich gar nicht sagen. Ich glaube, er war auch nervös.»

Was zu diesem perfekten Team passt: 60 Minuten lang hatte Schweden mehr vom Spiel und dominierte nach Torschüssen alle drei Drittel (8:5, 10:7, 13:6). In den knapp zehn Minuten der Verlängerung wuchsen die Schweizerinnen über sich hinaus und hatten mehr Abschlüsse (7:2) als während jedem einzelnen Drittel. Dass Alina Müller den Siegestreffer erzielen würde, hatte Andrea Brändli während der kurzen Pause vor der Verlängerung geahnt. «Ich sah es an ihrer Körpersprache.» Und antwortet auf eine entsprechende Frage: «Ich habe eine gute Menschenkenntnis…» Kein Wunder: Sie hat einen Bachelor in Psychologie. Was also ist in Alina Müller da vorgegangen? «Ich habe versucht, mich zu konzentrieren und die Energie zu bündeln. Die anderen waren ja schon nervös genug.»

Trainer Colin Muller wird nach der Bronzemedaille wohl abtreten.
Bild: FAZRY ISMAIL

Bronze-Schmied Colin Muller will seinen Vertrag nicht verlängern. Er sagt: «Das war wohl mein letztes Spiel.» Bereits René Kammerer, der Bronze-Schmied von 2014 hat das Amt nach dem Gewinn der Medaille aufgegeben.

An der Eröffnungsfeier durften die Schweizerinnen wegen der Noro-Infektion von Andrea Brädnli nicht teilnehmen – nun werden sie bei der Schlussfeier in Verona als Medaillengewinnerinnen dabei sein.

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