Nations League

Doppelter Amdouni führt Nati zum Sieg in Nordmazedonien – es bleiben aber auch Fragen

Die Fussball-Nationalmannschaft gewinnt ihr erstes Spiel nach der WM souverän. Doch die Unruhen nach den gefälschten Covid-Zertifikaten der Führungsspieler Xhaka und Embolo gehen weiter.

Es standen viele Fragen im Raum, bevor die Schweizer Nationalmannschaft am Samstagabend ihr erstes Spiel nach der so erfolgreichen Weltmeisterschaft bestritt. Wie gut würde die Schweiz die Absenzen von Granit Xhaka und Breel Embolo kompensieren? Wie mutig würde Coach Murat Yakin den Umbruch einleiten? Wie würde sich die Schweiz in der Favoritenrolle in ihrer Gruppe in der Liga B der Nations League schlagen?

Nach 90 Minuten fällt das Fazit deutlich aus: Die Schweiz überzeugt. Mit 3:0 gewinnt die Nati in Nordmazedonien. Und über weite Strecken macht es Spass, dem Geschehen auf dem Rasen zuzuschauen. Vor allem in Durchgang eins zeigt die Schweiz in Skopje pure Spielfreude und Variabilität. Immer wieder kombinieren sich die Schweizer schön vor das Tor der Nordmazedonier, immer wieder aber auch suchen sie den Abschluss aus der Distanz.

Dass es 22 Minuten dauert, bis das 1:0 durch Remo Freuler fällt, ist eigentlich der grösste Kritikpunkt. Zu diesem Zeitpunkt müsste die Nati bereits 3:0 oder 4:0 führen. Und es geht ähnlich weiter: Die Schweiz dominiert, diktiert – und drückt auf das zweite Tor. Dieses gelingt kurz vor der Pause durch Zeki Amdouni auf Vorarbeit von Rechtsverteidiger Zachary Athekame, der sein Debüt feiert.

Schweizer mit Abschluss-Rekord in Halbzeit 1

Zwischen den beiden Treffern scheitern sowohl Johan Manzambi als auch Dan Ndoye aus der Distanz. Ersterer kommt erstmals seit dem Algerien-Spiel im WM-Sechzehntelfinal und seiner Knie-Verletzung wieder zum Einsatz im Nationalteam und beweist: Eine Nati mit ihm macht einfach mehr Freude.

Ndoye seinerseits zeigt eine starke Partie, ist umtriebig und gefährlich. Doch Gefahr strahlt das ganze Team aus – historische Torgefahr gar: 17 Mal schiessen die Schweizer in den ersten 45 Minuten auf das gegnerische Gehäuse. Mehr Abschlüsse verzeichnete die Nati seit Beginn der Datenerfassung noch nie.

Nach der Pause nimmt die Kadenz der Schweizer Angriffe ab, tritt die Nati nicht mehr ganz so leichtfüssig auf. Doch sie hat noch immer alles unter Kontrolle. Ein einziges Mal wird es hektisch vor Keeper Gregor Kobel, als die Schweizer Abwehr es nicht schafft, den Ball vom Tor wegzubringen. Mehr Aufreger aber gibt es nicht. Auch, weil der Gegner absolut harmlos ist. Stattdessen erzielt Amdouni in der 74. Minute seinen zweiten Treffer, erneut auf Zuspiel von Athekame. Es ist ein gemessen an den Chancen zu niedrig ausgefallener, aber diskussionsloser Sieg der Schweiz im ersten Spiel dieser Nations-League-Kampagne.

Es ist nach den vergangenen, turbulenten Tagen ein gutes Zeichen der Schweizer. Denn die Nati stellt unter Beweis, dass sie auch ohne ihren Captain Granit Xhaka und ohne Stürmer Nummer 1, Breel Embolo, eine starke Leistung zeigen kann. Und vor allem: Dass sich die Spieler von den beiden Absenzen nicht haben aus dem Konzept bringen lassen. Mit Ardon Jashari zeigt ausgerechnet der Stellvertreter Xhakas im zentralen Mittelfeld eine der stärksten Leistungen des ganzen Teams. Jashari ist präsent, kommunikativ und fällt mit cleveren Zuspielen auf.

Xhaka, Embolo und die offenen Fragen

Und doch: Ganz ohne die Covid-Thematik rund um Xhaka und Embolo geht es auch an diesem Abend in Skopje nicht. Einerseits sind da die mitgereisten Fans, die in den Anfangsminuten lautstark den Namen von Xhaka skandieren.

Andererseits äussert sich vor Anpfiff auch SFV-Präsident Peter Knäbel gegenüber SRF. «Es sollen Leitlinien gestaltet werden», sagt er dort, ohne konkret zu werden. «Wann ist es zu hart, wann ist es zu weich? Ich will keine Covid-Diskussion lostreten. Jede Verurteilung ist nicht zu unterschätzen. Das muss man klar sagen. Wann ist das Fass voll? Nach der Nati-Pause wird das Thema sein.»

Er betont auch, dass sowohl Xhaka als auch Embolo ein persönliches Gespräch verdienen. Und er stellt klar: Falls Xhaka in den Kreis der Nationalmannschaft zurückkehrt, dann wird er dies als Captain tun.

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