
Als der «American Dream» geplatzt war, erübrigte sich vorläufig auch jede weitere Diskussion um Folarin Balogun . Der begnadigte Angreifer der USA blieb praktisch wirkungslos, beim 1:4 (0:1) gegen Belgien wurde der 25 Jahre alte Mittelstürmer von den eiskalten «Roten Teufeln» ebenso abgekocht wie seine zu oft indisponierten Mitspieler. Die grosse Soccer-Party ist vorüber, im Viertelfinale von Los Angeles am Freitag stehen die Belgier, Gegner ist Europameister Spanien.
«Es war nicht unser Tag. Wir hatten von Beginn an keinen Bezug zum Spiel. Gratulation an Belgien, sie waren besser als wir», sagte Nationaltrainer Mauricio Pochettino und betonte: «Wir brauchen nicht nach Ausreden suchen, wir sind nicht so aufgetreten, wie wir sonst auftreten.»
Charles De Ketelaere (9., 33.), Hans Vanaken (57.) und Romelu Lukaku (90.+3) führten die Belgier zum vierten Mal in ihrer Geschichte in ein WM-Viertelfinale, die Kritik aus den ersten WM-Wochen scheint endgültig verstummt. Die Entrüstung um die von der Fifa aufgehobenen Sperre für Balogun wird zumindest den Weltverband noch länger beschäftigen, wobei ein Einzug ins Viertelfinale dem Fall wohl noch zusätzliche Brisanz verliehen hätte.
Auch der letzte Gastgeber ist raus
Stattdessen aber blieb Baloguns Einsatz bedeutungslos. Ausgerechnet im wohl wichtigsten Spiel der jüngeren Verbandsgeschichte zeigte das US-Team seine schlechteste Turnierleistung und schied nach Kanada und Mexiko als dritter Co-Gastgeber im Achtelfinale aus. Eine katastrophale Defensivleistung konnte auch der zwischenzeitliche Ausgleich durch Leverkusens Malik Tillman (31.) nicht wettmachen.
US-Stürmer Folarin Balogun hat sich erstmals selbst zum Hin und Her um seine Sperre geäussert und Verständnis für die Aufregung zum Ausdruck gebracht. Es sei normal, nach einer Roten Karte gesperrt zu werden. «Natürlich ist es dann kontrovers, wenn die Entscheidung geändert wird», sagte der 25 Jahre alte Angreifer nach dem 1:4 im WM-Achtelfinale gegen Belgien.
«Wir haben die Entscheidung akzeptiert, als ich die Rote Karte gesehen habe, und wir haben die Entscheidung akzeptiert, als uns gesagt wurde, dass ich spielen kann», erklärte der Fussballprofi.
Zu den schärfsten Kritikern der Entscheidung zählte Belgiens Trainer Rudi Garcia. Balogun und der Franzose sprachen nach der Partie miteinander.
«Er kam zu mir, das hat mir gefallen. Er ist nicht schuld. Er hat nichts falsch gemacht. Ich schätze ihn», sagte Garcia auf der Pressekonferenz. «Ich wollte Belgien und Rudi Garcia gratulieren und ihnen viel Erfolg wünschen für den Rest des Turniers», berichtete Balogun von dem Gespräch. (dpa)
Der Sport war vor dem Spiel durch Baloguns von der Fifa aufgehobenen Sperre fast vollständig in den Hintergrund gerückt. Vorangegangen war ein Anruf von US-Präsident Donald Trump bei Fifa-Präsident Gianni Infantino. Während Trump betonte, er habe lediglich um eine Überprüfung von Baloguns Roter Karte aus dem Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) gebeten, wiesen Infantino und die Fifa jegliches Fehlverhalten von sich.
Für Entrüstung sorgte die Entscheidung dennoch - nicht nur bei den unmittelbar betroffenen Belgiern. Den Versuch des Verbands RBFA, die Aufhebung der Sperre anzufechten, wies die Berufungskommission der Fifa als unbegründet ab. Die Belgier kündigten daraufhin weitere Konsequenzen an, sollte Balogun in Seattle «auf dem Spielberichtsbogen des Schiedsrichters aufgeführt sein».
«Verteidigen den Fussball mit seiner Ethik und Integrität»
Und das war er dann auch. Als der 25-Jährige rund 45 Minuten vor dem Spiel den Rasen betrat, wurde er genau wie seine Mitspieler mit «U-S-A, U-S-A!»- Rufen gefeiert, sein Name bei Verkündung der Startaufstellungen am lautesten bejubelt. Auf der Tribüne nahm Infantino neben Belgiens Verbandspräsidentin Pascale Van Damme Platz. Das Spiel war aufgeladen: Die Belgier würden in Seattle «nicht die Nationalmannschaft oder den Verband» verteidigen, hatte Trainer Rudi Garcia betont, sondern «den Fussball mit seiner Ethik und Integrität».
Die Ansage schien bei den Spielern zu verfangen. Auch ohne Anführer Kevin De Bruyne und Flügelstürmer Jérémy Doku, die beide auf der Bank blieben, hatte Belgien die USA in Großteilen der ersten Halbzeit komplett unter Kontrolle. Beim ersten Treffer von De Ketelaere zeigte sich die US-Abwehr - allen voran Kapitän Tim Ream - dem Anlass unangemessen total schläfrig.
Balogun hing im Sturmzentrum lange komplett in der Luft - bis er nach einer halben Stunde einen Freistoss herausholte. Den verwandelte Tillman, Vanaken hatte den Ball unhaltbar für seinen Torwart Thibaut Courtois abgefälscht. Die Freude auf den Rängen hielt jedoch gerade einmal 116 Sekunden. Erneut schlief die US-Verteidigung, erneut war De Ketelaere der Nutznießer.
Pochettino trat an der Seitenlinie frustriert gegen einen Getränketräger, auf den Rängen herrschte Ernüchterung. Belgien? Verteidigte diszipliniert - und konnte sich vorne einmal mehr auf die Amerikaner verlassen: Torhüter Matt Freese zögerte weit vor seinem Strafraum mit dem Ball am Fuss viel zu lange, De Ketelaere spitzelte ihn zu Vanaken, der aus der Distanz nur noch einschieben musste.
Pochettino reagierte und nahm unter anderem Christian Pulisic vom Feld. Völlig ernüchtert sah der Starspieler dabei zu, wie seine Mitspieler nochmal alles nach vorne warfen - aber von den Belgiern weiter abgekocht wurden. (sid)


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