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Australian Open

Unter den Augen Nadals: Carlos Alcaraz enttrohnt den König von Melbourne

Carlos Alcaraz schlägt im Final des Australian Open Rekordsieger Novak Djokovic. Damit schafft der Spanier mit 22 Jahren den Karriere-Grand-Slam.

Es war ein Duell der Generationen in Melbourne: Vollendet Carlos Alcaraz mit nicht einmal 23 Jahren den Karriere-Grand-Slam oder krönt sich Novak Djokovic mit fast 39 Jahren zum ältesten Major-Sieger aller Zeiten?

Nach 3:02 Stunden gewinnt Carlos Alcaraz seinen ersten Titel an den Australian Open.
Bild: IMAGO/JAMES ROSS

Nur rund 40 Minuten lang durfte Djokovic von einem weiteren Triumph beim Australian Open träumen. Nach einem phänomenalen Beginn führte der Serbe 6:2, 1:0. Danach übernahm aber Alcaraz das Zepter, während sich bei Djokovic Fehler einschlichen. Endlich konnte Alcaraz die langen Ballwechsel für sich entscheiden, nachdem diese im ersten Satz fast ausschliesslich an Djokovic gegangen waren.

Alcaraz war schlicht zu gut, zu schnell, zu leichtfüssig für den Altmeister. Zum Beispiel im dritten Satz, als Djokovic einen sensationellen Ball ums Netz spielte, Alcaraz aber schon zur Stelle war und den Punkt doch noch holte. Schliesslich sicherte sich «Charly» Alcaraz nach 3:02 Stunden seinen siebten Grand-Slam-Titel mit 2:6, 6:2, 6:3, 7:5.

Die US Open, Wimbledon und Roland Garros gewann Alcaraz allesamt schon zweimal. Mit seinem Sieg im Final des Australian Open sicherte sich die Weltnummer 1 nun auch den Titel beim vierten Grand-Slam-Turnier. Und das im zarten Alter von 22 Jahren und neun Monaten.

So jung hat das noch keiner geschafft! Nicht einmal Rafael Nadal, der diesen Rekord zuvor innehatte und dem Triumph seines 17 Jahre jüngeren Landsmannes in der Rod-Laver-Arena aus der ersten Reihe beiwohnte. Immer wieder zeigten die Kameras den zurückgetretenen Altmeister, der den Karriere-Grand-Slam mit 24 Jahren komplettierte.

Rafael Nadal (links) huschte beim Duell seines ehemaligen Rivalen und seinem spanischen Tennisnachfolger immer wieder ein Lächeln über die Lippen.
Bild: Dita Alangkara

Für Alcaraz, der sich Ende 2025 von seinem langjährigen Trainer Juan Carlos Ferrero trennte, ist es der erste grosse Titel unter seinem neuen Cheftrainer Samuel Lopez. Bei der Siegerehrung bedankte er sich bei seinem Coach und widmete die Trophäe seinem ganzen Team.

Auch für seinen Finalgegner fand Alcaraz nur lobende Worte: «Was du tust, ist wirklich inspirierend Novak, nicht nur für Tennisspieler, sondern für alle Athleten dieser Welt – auch für mich. Es ist mir eine Ehre, mit dir den Platz zu teilen.» Natürlich fand Alcaraz auch Platz für Nadal in seiner Siegesrede: «Es ist etwas speziell, Rafa auf der Tribüne zu sehen. Wir hatten tolle Duelle auf dem Tennisplatz – leider nicht allzu viele, aber es ist mir ein Privileg, dass du nun meine Matches schaust.» In drei Partien standen sich die beiden Spanier auf der ATP-Tour gegenüber, wovon Alcaraz eine gewinnen konnte.

Djokovics erste Finalniederlage im elften Anlauf

Für Djokovic riss in Melbourne eine unfassbare Serie. Der Australian-Open-Rekordsieger verlor seinen ersten Final in Melbourne, nachdem er zuvor bei allen seiner zehn Endspiele «Down Under» die Trophäe in die Höhe stemmen konnte. Mit einem Sieg am Sonntag hätte der Serbe Ken Rosewall als ältesten Grand-Slam-Sieger abgelöst – die australische Tennislegende war 37 Jahre alt bei ihrem letzten Major-Triumph.

Auf dem Weg in den Final hatte Djokovic im Halbfinal bereits Jannik Sinner, die Weltnummer 2, in fünf Sätzen ausgeschaltet, was zweifelsohne an den Kräften des 38-Jährigen zehrte. Trotzdem zeigte der «Djoker», dass er auch mit fast 40 Jahren noch mit der Weltspitze mithalten kann. Nach dem Turnier springt er in der Weltrangliste auch selbst wieder auf Platz 3 und überholt damit Alexander Zverev, der seinen Halbfinal gegen Alcaraz ebenfalls in fünf Sätzen verlor.

Carlos Alcaraz (links) und Novak Djokovic hatten bei der Siegerehrung nur lobende Worte füreinander.
Bild: Dita Alangkara

Nach dem Final zeigte sich Djokovic als guter Verlierer. Alcaraz’ Leistung bezeichnete er als «historisch», und vor seinem langjährigen Rivalen Nadal zu spielen, sei «eine Ehre gewesen». Der Serbe war sogar zu Scherzen aufgelegt. «Du bist noch so jung», sagte er zu Alcaraz und weiter: «Du hast noch viel Zeit. Genau wie ich. Ich bin mir sicher, wir werden uns in den nächsten zehn Jahren noch viele Male gegenüberstehen.»

Wenig später schlug Djokovic ernstere Töne an. Offen gab er zu, nicht damit gerechnet zu haben, nochmals bei einer Siegerehrung eines Grand-Slam-Turniers zu stehen. Was morgen, in sechs Monaten oder in einem Jahr geschehe, wisse er nicht. Sein Hunger nach Titeln scheint jedoch ungebrochen.

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