
Seit zwei Jahren teilen sich Carlos Alcaraz (22) und Jannik Sinner (24) die Siege bei den Grand-Slam-Turnieren. Beiden fehlt nur noch ein Titel, um bei allen vier Major-Turnieren mindestens einmal triumphiert zu haben. Bei Sinner sind es die French Open in Paris, bei Alcaraz die Australian Open.
Ausgerechnet in Melbourne kam der Spanier Alcaraz bisher noch nie weiter als bis in den Viertelfinal. Dass er sich dennoch am Jahresende von seinem Trainer Juan Carlos Ferrero trennte, mit dem er sieben Jahre lang zusammengearbeitet hatte, überraschte viele. Ferrero war für Alcaraz mehr als ein Coach, er galt als Vertrauensperson und Vaterfigur.

Ende eines Tennismärchens
Für Alcaraz beginnt damit ein neuer Abschnitt. Kaum ein Spieler im modernen Tennis war so eng mit seinem Trainer verbunden wie er mit dem French-Open-Sieger von 2003. Unter Ferreros Anleitung reifte er vom talentierten Junior zum prägenden Spieler seiner Generation. Tempo, Variabilität und Spielfreude wurden zu Markenzeichen. Daraus resultierten sechs Grand-Slam-Titel. Ein Tennismärchen, das nun unerwartet endete.
Der Bruch kam ohne Vorwarnung. Ferrero sprach von unterschiedlichen Vorstellungen und davon, seinen Überzeugungen treu bleiben zu wollen. Alcaraz verzichtete auf Kritik und bedankte sich öffentlich für die gemeinsame Zeit. Zwischen den Zeilen jedoch wurde klar, dass sich sportliche Ziele, Arbeitsweise und Umfeld zuletzt nicht mehr deckten.

Showmatch in Südkorea
Der Neustart erfolgt in einer heiklen Phase. Die Australian Open sind das einzige Major-Turnier, das Alcaraz noch fehlt. Zwar führt er im direkten Vergleich mit Sinner mit 11:6 Siegen und gewann auch mehr Duelle auf Hartbelag, doch in Melbourne gilt der Italiener als Favorit, nachdem er dort in den vergangenen beiden Jahren jeweils triumphiert hatte.
Vieles deutet darauf hin, dass Alcaraz und Sinner auch im kommenden Jahr das Männertennis bestimmen. Entsprechend gross ist das Interesse am ersten Duell im neuen Jahr. Am Samstag (08.00 Uhr Schweizer Zeit) kommt es in Seoul zu einem Showmatch. Sportlich ohne Wert, aber als Standortbestimmung vor den Australian Open dennoch bedeutsam.
Sollte Alcaraz in Melbourne triumphieren, würde er Geschichte schreiben. Er wäre erst der sechste Spieler seit Beginn der Profitennis-Ära 1968, der alle vier Grand-Slam-Turniere gewonnen hat, und mit 22 Jahren und acht Monaten der jüngste. Den bisherigen Rekord hält Rafael Nadal. Dieser war bei seinem US-Open-Sieg 2010 24 Jahre und drei Monate alt.


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