Der alpine Ski-Zirkus ist zurück. Die beiden Riesenslaloms in Sölden sind eine erste Standortbestimmung für die Athleten. In einer Saison, die mit der WM in Crans Montana Anfangs Februar ihren Höhepunkt erreicht. Genau hundert Tage dauert es noch bis zum Auftakt.
Im Mittelpunkt in Sölden stehen die Ski-Stars. Doch für einen Mann sind diese Tage zu Saisonbeginn ebenfalls ziemlich wichtig: Alexander Ospelt. Anfang Juni wurde der Liechtensteiner zum neuen Fis-Präsidenten gewählt. Mit 65 zu 64 Stimmen setzte er sich gegen den vielerorts unbeliebten Johan Eliasch durch. Nun erhält Ospelt in Sölden seinen ersten grossen Auftritt.
Eigenkapital der Fis auf 43 Millionen gesunken
Wobei Ospelt nicht zu beneiden ist. Er müsste eigentlich gerade hundert Probleme auf einmal lösen. Unter der Misswirtschaft von Eliasch ist die Fis in finanzielle Schräglage geraten. Auf knapp 20 Millionen Franken pro Jahr beziffert der neue Präsident das strukturelle Defizit, wenn es so weitergeht. Das Eigenkapital der Fis ist in den letzten drei Jahren von 81 auf 43 Millionen Franken gesunken.
Wie weiter also? Das ist die grosse Frage. Zumal eines für Ospelt derzeit nicht in Frage kommt: Er will den nationalen Verbänden kein Geld wegnehmen. Also müssen die Einnahmen vergrössert werden. «Alle sollen spüren: wir tun nur das Beste für die Fis», sagt Ospelt an diesem Freitag in Sölden.
Urs Lehmann bleibt wohl länger bei der Fis
Flankiert wird er bei seinem Auftritt von Urs Lehmann. Der Schweizer war CEO unter Eliasch, bevor es zum Zerwürfnis kam. Unter Ospelt kehrte er als Generaldirektor ad interim zurück. Vorerst für ein Jahr. Auf die Frage dieser Zeitung, wie Lehmanns Zukunft aussieht, sagt dieser: «Ich wollte nicht einfach davonlaufen. Die Mission hat erst gerade begonnen. Zwei bis vier Jahre dauert es, um echte Fortschritte zu sehen.» Und Ospelt ergänzt: «Ich sehe keinen anderen und schon gar keinen besseren Kandidaten als Urs. Ich denke, wir werden das Team sein für die Zukunft.» Wer den beiden so zuhört an diesem Nachmittag, könnte auch zum Schluss kommen, dass es sich bei Lehmann um den Schattenpräsidenten handelt. Aber das wäre vielleicht etwas gar bösartig.
In der Frage, in welche Richtung sich der Ski-Zirkus bewegen sollte, sind sich die beiden jedenfalls einig. Ospelt lancierte zu Beginn seiner Ära gleich einmal die Idee, künftig in jedem Jahr eine WM zu veranstalten, wenn keine Olympischen Spiele stattfinden. Die Kritik darauf war umfassend, von Verbänden und Stars. Die Österreicher taten ihren Protest öffentlich kund. Von den Stars äusserte sich Franjo von Allmen am pointiertesten: «Ich finde das einen Scheiss.»
Nun, die neue Fis-Führung macht klar, dass sie künftig nicht von diesen Plänen abweichen möchte. «Schauen Sie auf andere Sportarten und Verbände, der Trend ist überall derselbe: es gibt mehr Anlässe. Und mehr Anlässe bedeuten mehr Wertschöpfung – nicht nur Geld», sagt Lehmann.
Als Beispiel nimmt er sich gleich selbst. «Ich war auch einmal Weltmeister. Wenn ich diesem Titel jetzt fiktiv den Wert 100 verleihe. Dann reduziert sich der künftige Wert vielleicht auf 80. Dafür gibt es einen weiteren Weltmeister. Und 80 plus 80 gibt 160.» Eine zusätzliche WM schon 2028 ist allerdings definitiv kein Thema mehr. Das käme zu früh.




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